Bessere Infrastruktur für die Eisenbahn Regensburg: Langsame Gleise bremsen den Traum vom europäischen Schienenkorridor

Im Mittelalter war die Domstadt eine bedeutende Drehscheibe des europäischen Handels. Was früher die Donau war, soll künftig die Schiene sein. Doch langsame Gleise bremsen den neu entfachten Traum. Ostbayerns Wirtschaft schlägt Alarm.

Von Mario Hahn

Pelze aus dem Norden, Gewürze aus dem Süden – schon vor Hunderten von Jahren wurden Waren entlang der Flüsse Main und Donau bis zu den weit entfernten Seehäfen in Südosteuropa verschifft. Der Korridor von Frankfurt über Nürnberg, Regensburg und Passau weiter nach Wien und Budapest galt als Hauptschlagader des europäischen Handels.
Das ist immer noch so. Nur haben sich die Transportwege geändert. Die meisten Güter werden heute auf Straßen und Schienen transportiert. Doch zu viele Lkws sind schädlich fürs Klima. Aus diesem Grund haben Politik und Wirtschaft den „Schienenpakt“ beschlossen. Bis 2030 soll der Güterverkehr mit der Bahn um 25 Prozent zunehmen. Nur gibt es ein Problem: Die Schienenachse Main-Donau ist als Aorta des europäischen Gütertransports bereits heute überlastet!

Resolution an Bundesverkehrsminister übergeben

Michael Matt, Präsident der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, und Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, haben aus diesem Grund gemeinsam mit 13 weiteren deutschen Wirtschaftskammern eine Resolution für die Zukunftsfähigkeit der Schienenachse Main-Donau zwischen Frankfurt, Nürnberg, Regensburg und Passau an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer übergeben. Denn ohne Kapazitätserweiterungen droht der steigende Güterverkehr auf die Straße auszuweichen. Doch bereits heute kollabiert dort der Verkehr.

Nationales Projekt mit regionalem Nutzen

„Der bedarfsgerechte Ausbau der Schienenachse Main-Donau ist ein zukunftsweisendes nationales Projekt mit regionalem Nutzen. Sie erschließt unseren exportorientierten Unternehmen den Weg zu den internationalen Märkten und sie bringt mehr Reisende und Berufspendler in der Region auf die Schiene“, erklärt Matt. Dr. Haber fügt hinzu: „Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe hängt wesentlich von ihrer Mobilität ab. Deswegen treten wir für eine zukunftsorientierte Stärkung der Schienenwege ein.“

Künftig könnte die Schienenachse Main-Donau eine noch bedeutendere Rolle spielen: Der Korridor hat das Potenzial, zu einer Verlängerung der „Neuen Seidenstraße“ zu werden, jenes Infrastrukturprojekts, mit dem China eine neue, milliardenteure Bahnverbindung nach Europa schafft. So könnten die Verbindungen der Zukunft über Nürnberg oder auch Wien bis nach Asien führen – und Regensburg nimmt wieder seine Rolle als bedeutende Drehscheibe des Handels ein.


Regensburg-Obertraubling: 3. Gleis gefordert

  • Die Bundesregierung will bis 2030 die Zahl der Fahrgäste im Personenverkehr verdoppeln. Nur ist vielerorts die Infrastruktur nicht gegeben. Die Strecke Regensburg-Obertraubling zum Beispiel benötigt unbedingt ein drittes Gleis. Das fehlende Gleis wird von Experten als „Flaschenhals Obertraubling“ bezeichnet.
  • Dem Gleisausbau zwischen Regensburg und Obertraubling kommt eine enorme Bedeutung für einen leistungsfähigen ÖPNV in der Region zu. Das 3. Gleis schafft Entlastung für den Fernverkehr vor allem auf der Autobahn A3 und ermöglicht erstmals einen S-Bahn-ähnlichen ÖPNV-Takt im Großraum Regensburg.
  • „Wenn die Mobilitätswende gelingen soll, brauchen wir eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur als Rückgrat“, betonen IHK-Präsident Michael Matt und Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber.
  • CSU-Bezirksvorsitzender Albert Füracker unterstützt die Forderung nach einen „sofortigen Ausbau“. Zusätzliche Gleise auf der Strecke Regensburg-Obertraubling seien für „ganz Ostbayern dringendst erforderlich und schon längst überfällig.“ Darüber habe er mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bereits im Februar gesprochen.

Claudia Böhm

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