Mehr Platz für Fahrradfahrer? Radfahren boomt: neue Schilder, neue Regeln und eine Pop-Up-Bikelane

Regensburg – Immer mehr Deutsche satteln um und legen ihre Wege statt mit dem ÖPNV oder PKW auf dem guten alten Drahtesel zurück. Während sich dieser Wandel andernorts spätestens seit der Corona-Pandemie manifestiert, ist Regensburg schon längst Fahrradstadt. „Wir setzen die Ziele des Radentscheids schnellstmöglich um“, heißt es in der neuen Koalitionsvereinbarung. Doch schnell ist nicht schnell genug.

Von Claudia Böhm

Greenpeace Aktion in der Kumpfmühler Straße. Foto: Benedikt Häring

Statt auf die Politik zu warten, hat Greenpeace Regensburg zusammen mit den Verkehrsverbänden VCD und ADFC sowie mit Unterstützung der Bund Naturschutz Jugend, Fridays for Future und Attac am vergangenen Samstag selbst die Initiative ergriffen: Unter dem Motto „Verkehr fairteilen“ sperrten Aktivisten die rechte von zwei Fahrspuren in der Kumpfmühler Straße für den motorisierten Verkehr. Eine Stunde lang hatte dann auch die Domstadt eine „Pop-Up- Bikelane“ und temporär mehr Platz für Radler.

Fahrradweg ist zu schmal

Auf der Aktionsstrecke zwischen Margarethen- und Wittelsbacher Straße wird die gesetzlich geregelte Mindestbreite von 1,50 Metern für benutzungspflichtige Radwege nicht eingehalten. Es wird deshalb oft eng zwischen Radfahrern und Fußgängern – und gefährlich. Dieser von Wolfgang Bogie, Vorsitzendem des VCD, als „illegal“ bezeichnete Zustand ist durch die Aktion deutlich geworden.

München und Berlin machen es vor

Seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung ist die Einführung von temporären Radwegen auf mehrspurig geführten Straßen kein Problem mehr. Berlin hat es vorgemacht, in München berät der Stadtrat diese Woche über fünf Pop-Up-Radwege. Wien weist temporäre Begegnungszonen („Shared Spaces“) aus, die sich Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt, auf Basis gegenseitiger Rücksichtnahme, teilen. Selbst aktuell schwer geprüfte Metropolen wie Mailand oder New York planen ähnliche Neuaufteilungen.
„Das ‚Wie‘ ist also nicht mehr entscheidend“, heißt es von Greenpeace Regensburg. Gute Lösungen müssten nicht kompliziert und aufwändig sein. Viel wichtiger sei das „Wann“.

Neue Regeln zum Schutz für Radfahrer

Zum 28. April trat die neue StVO-Novelle in Kraft. Was hat sich geändert?

  • erhöhte Geldbußen für das verbotswidrige Parken auf Geh- und Radwegen sowie das Halten auf sog. Schutzstreifen
  • für Kraftfahrzeuge gilt innerorts ein seitlicher Mindestüberholabstand von 1,5 Metern sowie außerorts von 2 Metern
  • Schrittgeschwindigkeit für rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen innerorts
  • „Grünpfeil“-Verkehrszeichen ermöglicht Rechtsabbiegen speziell für Fahrradfahrer
  • Nebeneinanderfahren mit Fahrrädern ist grundsätzlich gestattet, sofern kein anderer Verkehrsteilnehmer behindert wird

Claudia Böhm

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