Radverkehr: Fahrradlobby und Kommunen hoffen auf Trendwende Verkehrspolitik

Aktualisiert vor 2 Wochen von Nadja Pohr

Hamburg (dpa) – Die Fahrradlobby und die Kommunen sehen große Chancen für eine verkehrspolitische Trendwende zugunsten des Radfahrens. Rückenwind erhoffen sie sich vom Bund, der in der vorigen Woche einen Nationalen Radverkehrsplan aufgestellt hatte.

Er enthält Handlungsempfehlungen und Strategien, um bis 2030 den Radverkehr auf dem Land und in der Stadt zu fördern und die Bundesrepublik bis zum Ende des Jahrzehnts zum «Fahrradland» auszubauen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will Details am Dienstag bei einem Kongress in Hamburg präsentieren. Nach der Verabschiedung des Plans hatte der CSU-Politiker angekündigt, der Bund investiere bis 2023 etwa 1,46 Milliarden Euro in den Radverkehr. Die finanzielle Förderung des Radverkehrs durch Bund, Länder und Kommunen solle sich perspektivisch an rund 30 Euro je Person und Jahr orientieren, doppelt so viel wie 2020.

Die vom Bund seit Ende Januar zur Verfügung gestellten Sonderzahlungen für den Ausbau der Radinfrastruktur werden nach Scheuers Angaben von Ländern und Gemeinden stark nachgefragt. «Circa 150 Kilometer neue Radwege und 1790 neue Fahrradstellplätze wurden in den ersten drei Monaten beantragt», sagt der Minister den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «79 Millionen Euro Finanzhilfen aus dem Sonderprogramm sind dafür schon gebunden, und die nächsten Anträge aus den Ländern werden bereits geprüft.» Unter bereits bewilligten 144 Maßnahmen seien neben neuen Radwegen und Fahrradstellplätzen auch 17 Radwegbrücken beziehungsweise Radwegunterführen, heißt es.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), Gerd Landsberg, sagt, viele Kommunen förderten bereits seit Jahren den Radverkehr und leisteten so einen Beitrag zum Klimaschutz. «Mit den zusätzlichen Mitteln für die Radverkehrsförderung besteht die Chance, eine Trendwende für den Radverkehr in allen Kommunen zu schaffen. Dieses Momentum gilt es nun zu nutzen.»

Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Ludger Koopmann, hebt in einer gemeinsamen Mitteilung mit dem DStGB hervor, dass das Bundesverkehrsministerium nun erstmalig auch kommunale Radinfrastruktur finanziere. «Bisher scheiterte die Umsetzung vieler Radwege-Pläne auch am Geld – damit ist jetzt Schluss.» Radwege müssten sicher, komfortabel und lückenlos sein, damit mehr Menschen als bisher das Rad für ihre täglichen Wege nutzten.

Der Radverkehrsplan sieht bis Ende der 2020er Jahre mehr Radschnellverbindungen vor, mehr Rücksicht auf Lastenräder und einen Ausbau von Fahrradparkplätzen. Außerdem sollen die Wege für Fahrräder und Autos möglichst getrennt geplant werden.

Der Plan soll dabei helfen, dass die Menschen in Deutschland anstelle von durchschnittlich 120 Wegen bis 2030 gut 180 Wege pro Jahr mit dem Rad zurücklegen. Das entspräche einem Anstieg von einer durchschnittlichen Weglänge von 3,7 Kilometern auf sechs Kilometer.

Dabei sollen Radfahrer sicherer unterwegs sein: Gegenüber 2019 soll die Zahl der im Verkehr getöteten Radfahrer um 40 Prozent sinken. Um den Plan zu entwickeln, hatten sich Bürger mit mehr als 2000 Ideen einbringen können.

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Nadja Pohr

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