Ich möchte mein Grundgesetz zurück Berliner Stunde der Sportjugend Regensburg mit MdB Ulrich Lechte

Detlef Staude

Mit deutlichen Worten kritisierte der Regensburger Bundestagsabgeordnete Ulrich Lechte (FDP) die Politik der bayerischen Staatsregierung und der Bundesregierung. Die Sportjugend Regensburg hatte den Oppositionspolitiker zu einer Berliner Stunde unter der Überschrift „Ein Jahr Corona – wie geht es weiter?“ eingeladen.

Im Online-Gespräch ging es vor allem um Themen, die junge Leute bewegen. Die Jugendsprecherin der BSJ Sarah Gibis hat große Angst um die Zukunft von kleineren Vereinen, da Einnahmen und auch Mitglieder wegbrechen würden. Ulrich Lechte sieht ähnliche Probleme und kritisiert, dass zwar viel Geld bereitgestellt wurde, dieses aber wegen bürokratischer Hürden nur bruchteilhaft abgerufen würde.

Ein weiteres Problem sprachen Philipp Seitz, Vorsitzender des Stadtjugendrings und Detlef Staude, Vorsitzender der BSJ an. Die internationale Zusammenarbeit sei komplett zum Erliegen gekommen. Gerade für junge Leute seien aber Kontakte ins Ausland wichtig, ergänzt BSJ-Jugendsprecher Lukas Seitz. Die BSJ plant heuer Austausch mit Susice (Tschechien), Brixen (Italien) und Clermont-Ferrand (FRA). Warum schließe man europäische Binnengrenzen komplett? Fahrten von Regensburg nach Tschechien seien kürzer als beispielsweise ins Allgäu. Die inzwischen von Gerichten in Bayern gestoppte 15-Kilometer-Regelung sei ein „großer Schmarrn“, meinte hierzu Lechte. Unverständlich, warum nationale Grenzen, die vor Jahren verschwunden seien, nun wieder aus dem Nichts heraus entstünden.

Einig waren sich Sportjugend und der MdB in Fragen von gemeinsamen Werten in Europa. Die Demokratie müsse nachhaltig gestärkt werden. Die BSJ plant 2021 einige Veranstaltungen zum Thema „Demokratie fördern“, u.a. eine Bildungsfahrt in die KZ-Gedenkstätte Mauthausen und hat für Vereine auch eine Broschüre „Jugendsprecher“ veröffentlicht. Hier gibt es viele Anregungen, wie im Verein Jugendliche demokratisch mitwirken können.

Positiv beurteilt Ulrich Lechte eine Sportampel der Deutschen Sportjugend (DSJ). Eine der ersten Lockerungen sollen nach Ansicht der Sportjugend im Bereich der Schule, des Schulsports und auch des Kinder- und Jugendsports erfolgen. Das Risiko einer Corona-Ansteckung beispielsweise bei kontaktlosem Fußballtraining für Kinder sei „gleich Null“, meinte Detlef Staude.

Ulrich Lechte kritisierte, dass man bei politischen Entscheidungen zu wenig die Folgen des Lock-Downs für Kinder berücksichtigen würde. So gebe es mehr häusliche Gewalt, gerade Kinder in sozial schwachen Familien hätten oft sehr wenig Platz in der Wohnung und auch keine Möglichkeit, digital Schularbeiten zu erledigen. Psychologen seien ausgebucht. Schließlich könnten Eltern auch nicht den Lehrer ersetzen und Bewegung komme zu kurz. Die BSJ-Beisitzerinnen Niki Scheuerer und Silvia Bieletzky konnten die Einschätzung aus ihrer Erfahrung weitgehend bestätigen. „Die Performance der Regierung in Sachen Bildung ist unterirdisch“, so Lechte. Nach einem Jahr Corona gebe es immer noch keine Digitalisierung, kein vernünftiges W-Lan an vielen Schulen, die Endgeräte fehlten und die Lernprogramme seien komplett überlastet.

Ein schnelles Impfangebot auch für Kinder, Jugendliche und ehrenamtliche Mitarbeiter sei für sportliche Jugendarbeit sehr wichtig, meint Detlef Staude. Fahrten, Zeltlager und der normale Sportbetrieb sei dann wieder möglich. „Von der Leyen, Spahn und Merkel haben bei der Bestellung des Impfstoffs leider versagt“, so Ulrich Lechte mit scharfer Kritik an den Unionspolitikern. Die Folgen von Verzögerungen beim Impfen seien längere Einschränkungen von Grundrechten und erhebliche Kosten. „Ich möchte mein Grundgesetz zurück!“

Die BSJ-Regensburg plant, den Austausch mit MdB Lechte, aber auch mit Politiker_innen aus anderen Parteien fortzusetzen. In den nächsten Wochen gebe es noch mehrere Web-Seminare für Mitarbeiter_innen in der sportlichen Jugendarbeit und engagierte Jugendliche. Infos: www.regensburg.bsj.org

Sportjugend mit MdB Lechte im Gespräch

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