BLLV-Präsidentin Fleischmann: “Jetzt reicht’s!” Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband schreibt einen Brandbrief an Ministerpräsidenten Markus Söder

Aktualisiert vor 4 Wochen von Mario Hahn

München – Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) stellt für die Zeit nach den Osterferien klare Forderungen an die Staatsregierung. Im Folgenden lesen Sie das Schreiben von BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann an Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

die Situation an den bayerischen Schulen ist durch die Pandemie in vielerlei Hinsicht nicht mehr tragbar. Wir haben eine massive Überbelastung der Kolleginnen und Kollegen, die alles tun, um für die Kinder und Jugendlichen bestmögliche Bildungsangebote in diesen schwierigen Zeiten zu ermöglichen. 

Hierbei muss zumindest der Gesundheitsschutz seitens des Dienstherrn oberste Priorität haben. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein!

Dem BLLV und seinen über 66.000 Mitgliedern reicht’s! Die Belastungsgrenzen sind weit überschritten und unser Verständnis für den Umgang der Politik mit dieser dramatischen Situation hat jetzt allmählich ein Ende erreicht. Wir können nur so viel geben, wie wir sind! Und wir lassen uns durch bloße Ankündigungen nicht mehr ruhig stellen!

Vor diesem Hintergrund hat der Landesausschuss des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands in seiner Sitzung am 19. März 2021 einstimmig folgenden Dringlichkeitsbeschluss gefasst:

1. Impfungen für Lehrkräfte aller Schularten:

Wenn die Lehrerinnen und Lehrer und alle an der Schule Beschäftigten am 1. Schultag nach den Osterferien wieder einen Fuß in die Schule setzen sollen, müssen im Vorfeld alle ein Impfangebot erhalten haben! Wer kein Impfangebot erhalten hat, kann nur den Distanzunterricht anbieten.

Ein Weiter so mit Ihrer Erläuterung in der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung am 16. März 2021, es sei ja im Pandemie-Jahr auch zuvor ein Unterricht ohne Impfung möglich gewesen, lässt uns offen gesagt fassungslos zurück! Wenn Sie Ihr Mantra der „Umsicht und Vorsicht“ in Bayern wirklich ernst nehmen, muss Impfung vor Öffnung kommen!

2. Tests:

Selbstverständlich begrüßt der BLLV regelmäßige Tests für alle, um die Sicherheit für die gesamte Schulfamilie gewährleisten zu können. Wir Lehrerinnen und Lehrer stellen uns der der Sicherheit aller und führen freiwillig regelmäßige Tests bei uns selbst durch.

Diese Selbsttests der Schülerinnen und Schüler müssen aber zwingend durch Fachpersonal oder durch die Eltern (am besten zu Hause) ausgeführt werden! Es kann ja wohl nicht sein, dass wir nun auch noch dafür herhalten müssen! Weder ist der Gesundheitsschutz der Lehrkräfte noch der Schülerinnen und Schüler gewahrt, noch die Persönlichkeitsrechte der Kinder und Jugendlichen im Falle eines positiven Tests im Klassenzimmer. Diese Verantwortung können wir nicht tragen! Wir brauchen nicht ein Mehr an Belastung, sondern endlich Entlastung!

3. Bildungsgerechtigkeit:

Uns ist bewusst, dass Gesundheitsschutz und Bildungsgerechtigkeit in der jetzigen Situation nur schwer miteinander vereinbar sind. Wir wollen aber, dass dieser Seiltanz gelingt!

Die letzte Woche von Ihnen verkündete Entscheidung, die vierten Klassen als Abschlussklassen zu deklarieren,ist eine pädagogische Bankrotterklärung!

Ihre wiederholten Aussagen, in denen Sie gerade vor zu viel Stress und Notendruck für die Kinder und Jugendlichen warnten, sind mit dieser Entscheidung komplett ad absurdum geführt! Schon in Nicht-Pandemie-Zeiten war der Druck auf die Viertklässler, deren Eltern und Lehrkräfte kaum mehr erträglich. Unsere Empfehlung, in dieser Ausnahmesituation den Elternwillen freizugeben und in diesem Jahr Beratungsgespräche anzubieten anstatt Übertrittszeugnisse auszustellen, ist offensichtlich zu sehr vom Kind aus gedacht! Wir fordern zusätzlich für Schülerinnen und Schüler, die es benötigen und wünschen, das Angebot eines freiwilligen und individuellen Förderjahres!

In Zeiten von Lehrermangel an Grund-, Mittel- und Förderschulen kann es uns Lehrerinnen und Lehrern nicht gelingen, die Schwächen von Schülerinnen und Schülern auszugleichen.

Der BLLV hält fest:
Impfangebote und Tests vor Schulöffnungen!
Bildungsungerechtigkeit durch unpädagogische Entscheidungen nicht noch weiter vergrößern!

Ich bitte Sie inständig, Herr Ministerpräsident, auf diesen Brandbrief ehrlich zu antworten.

Mit freundlichen Grüßen
Simone Fleischmann

 

Viele Schüler müssen trotz Schulöffnungen zu Hause bleiben

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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