Digital aus der Krise mit der Corona-Warn-App? Neue Tracing-App soll die Verbreitung des Corona-Virus eindämmen. Welche Daten erhoben werden und warum die Entwicklung so lange dauert.

Regensburg – Über die Corona-Warn-App wurde diskutiert, lange bevor sie einsatzbereit war. Werden persönliche Daten gesammelt? Wie sicher ist die Anwendung? Und was kann sie eigentlich? Kommende Woche soll die App endlich zur Verfügung stehen.

Von Claudia Böhm

Ursprünglich wollte die Bundesregierung Mitte April eine Contact-Tracing-App (Tracing = Rückverfolgung) auf den Markt bringen, um die Kontakte einer mit Corona infizierten Person zu identifizieren und die Infektionskette zu unterbrechen. Ein Streit über die Art und Weise der Datenspeicherung sowie Unklarheiten bei den Zuständigkeiten führten jedoch zu Verzögerungen. Am Montag kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an, die App werde in wenigen Tagen vorgestellt. Viele Menschen stehen ihr aber kritisch gegenüber – aus Sorge um ihre Privatsphäre. Im Gegensatz zu Diensten amerikanischer Konzerne wie Google oder Facebook, die auf fast allen Smartphones vorinstalliert sind (Instagram, WhatsApp, Facebook), ist die Nutzung der Corona-Warn-App anonymisiert und dient der Gesellschaft statt dem Geldbeutel der Tech-Giganten.

Wie funktioniert die App?

Sobald die Corona-Warn-App fertig ist, wird sie kostenlos im Google Play Store und Apple App Store angeboten. Der Download ist freiwillig. Eine Nutzungspflicht oder Zwangsinstallation ist in Deutschland nicht vorgesehen. Zur Kontaktverfolgung wird pseudonymisiert aufgezeichnet, welche anderen Smartphones sich über einen längeren Zeitraum in Nähe des Nutzer-Smartphones befunden haben. Die Liste mit den Kontakten wird jeweils 14 Tage lang lokal gespeichert. Umgekehrt laden alle Smartphones mit der installierten App in regelmäßigen Abständen vom Server eine Liste aller in der Region positiv auf COVID-19 getesteten IDs herunter. Bei einer Übereinstimmung wird der Nutzer via Benachrichtigung gewarnt und erhält Verhaltensempfehlungen. Die gewarnten Nutzer erfahren dabei nicht, wann, wo und mit wem dieser Kontakt stattfand. So wird die Identität aller Beteiligten soweit möglich geschützt.

Soll ich diese App nutzen?

Die Nutzung der App basiert ausschließlich auf Freiwilligkeit. Auch wie man auf eine Warnung über einen Kontakt zu einer positiv getesteten Person reagiert, liegt bei jedem selbst. Die App hat jedoch nur einen positiven Effekt auf die Entwicklung der COVID-19-Pandemie in Deutschland, solange ausreichend Nutzer sie installieren und den Empfehlungen folgen. Auch in anderen Staaten, darunter Österreich, Italien, Spanien, Australien und China, werden Warn-Apps genutzt.

Warn-App NINA

Nicht zu verwechseln ist die neue Tracing-App mit der bereits etablierten Warn-App NINA. Millionen Nutzer lassen sich von der „Notfall-Informations- und Nachrichten-App“ (kurz NINA) des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe informieren.
Sobald die neue Corona-Warn-App für Deutschland zur Verfügung steht, wird sie unter www.coronawarn.app/de veröffentlicht und verlinkt.

 

Zur Info: Die Warn-App NINA hat derzeit rund sieben Millionen Nutzer/innen. Sie startete 2015 als mobiler Kanal für Warnmeldungen über aktuelle Gefahrenlagen wie die Ausbreitung von Gefahrstoffen oder Großbrände. Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserinformationen sind in die App integriert.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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