Diskussionen über Impfungen für Kinder Das sind die Argumente der Kritiker und Befürworter

Aktualisiert vor 2 Wochen von Nadja Pohr

Berlin – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stieß mit seinem Vorschlag, bis Ende August auch Kindern und Jugendlichen ein Impfangebot zu machen, eine hitzige Debatte an. Die Meinungen gehen weit auseinander.

Das sagen die Kritiker:

Vor allem die Ständige Impfkommission (Stiko) sieht die Massenimpfung von Kindern und Jugendlichen eher skeptisch.
Ihr Mitglied Rüdiger von Kries erwartet derzeit nicht, dass es eine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder geben werde. Momentan wisse man kaum etwas über die Nebenwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern. „Bei unklarem Risiko kann ich zurzeit noch nicht vorhersehen, dass es eine Impfempfehlung für eine generelle Impfung geben wird.“
Der Chef des Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, begrüßte die Signale der Stiko. „Es wäre durchaus nachvollziehbar, wenn die Stiko keine Impfempfehlung aussprechen würde. Die Studienlage zum Infektionsrisiko von Kindern ist bislang sehr dünn.“
Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt sieht noch Klärungsbedarf. Natürlich wäre es hilfreich, möglichst vielen noch vor Beginn des nächsten Schuljahres ein Impfangebot machen zu können. „Aber wir haben uns immer für eine Impfstrategie ausgesprochen, die wissenschaftliche Sorgfalt vor Geschwindigkeit setzt.“

Das sagen die Befürworter:

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte Kritik an den Stiko-Überlegungen, den Biontech-Impfstoff nach seiner erwarteten Zulassung für 12- bis 15-Jährige nur für Jugendliche mit Vorerkrankungen zu empfehlen.
Auch SPD-Chefin Saskia Esken drängt auf ein schnelles Impfangebot für Minderjährige. „Kinder und Jugendliche haben jetzt weit über ein Jahr auf vieles verzichten müssen und leiden besonders unter den Einschränkungen in der Pandemie“, sagte sie. „Wenn sichergestellt ist, dass die Impfstoffe ausreichende Wirksamkeit haben und keine schweren Nebenwirkungen auftreten, plädiere ich deshalb dafür, Kindern über zwölf Jahren und allen Eltern zügig ein Impfangebot zu machen.“
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) reagierte mit Unverständnis auf die Signale der Stiko. „Kinder und Jugendliche können sich infizieren und das Virus weitergeben, deshalb müssen sie ein Impfangebot bekommen – sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden“, so Weil.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hat sich zurückhaltend zum Thema Impfungen für Kinder und Jugendliche geäußert. Man höre von der Stiko, dass es wohl keine einhellige Empfehlung geben werde, Kinder und Jugendliche zu impfen, „und das nehme ich schon ernst und das muss man auch abwägen“, sagte er am Mittwochabend im Bayerischen Fernsehen.

Zudem betonte Holetschek, er wolle nicht, dass der Impfstoff „dann wieder bei anderen abgezogen wird“, um ihn umzuverteilen. Wenn es aber zusätzlichen Impfstoff gebe und Kinder und Jugendärzte einbezogen würden, dann müsse man über das Thema diskutieren. (dpa)

Landkreis Regensburg: Impfungen schreiten voran

Nadja Pohr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.