Lockdown 2.0: Die Gastronomie trifft‘s besonders hart Ab Montag, 2. November: Strenge Corona-Regeln sollen der Pandemie Einhalt gebieten

Aktualisiert vor 4 Monaten von Mario Hahn

Regensburg – Selten entfaltete eine Nachricht solche Sprengkraft, selten diskutierte Deutschland kontroverser über eine Tatsache, wie den von der Bundesregierung verordneten zweiten Lockdown. Von Montag ab und bis Ende November gelten für alle Bürger strenge Corona-Regeln. Während das Land wiederholt in den Ruhemodus gezwungen wird, steht ein Verlierer jetzt schon fest – die Gastronomie.

Von Mario Hahn

Eine zweite COVID-19-Welle schwappt über Europa. Die ist größer und stärker als im Frühjahr. Tag für Tag verkündet das Robert-Koch-Institut neue Rekordwerte. Aktuell sind allein eine halbe Million Menschen in Deutschland infiziert. „Wir sind an einem Punkt, wo wir die Infektionskette nicht mehr nachvollziehen können“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gemeinsam mit den Chefs der Bundesländer hat sie die neuen Regeln beschlossen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unser Gesundheitssystem kollabiert“, beschwört Merkel.

 

„Vier-Wochen-Therapie“

Markus Söder ruft derweil die Bevölkerung zu „Solidarität während der Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie“ auf. „Es geht nicht nur um die Freiheit, die der Einzelne hat, sondern auch darum, wie viel Schutz die Gemeinschaft den besonders Betroffenen bietet.“ Bayerns Ministerpräsident betonte, es sei wichtig, jetzt durchzugreifen und nicht länger abzuwarten. „Wir verordnen eine Vier-Wochen-Therapie, wenn man das sagen kann. Wir hoffen, dass die Dosis richtig ist, dass es erfolgreich ist.“

 

Verzweiflung, Wut, Angst

Die Reaktionen auf den zweiten Lockdown für das Gastgewerbe decken alle Facetten ab. „Sie reichen von totaler Verzweiflung, Wut, Unverständnis, Angst über Ratlosigkeit bis hin zu Hoffnung“, sagt Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern, die zugleich erläutert: „Während sich die Politik bei den Kennzahlen des Infektionsgeschehens auf das Robert-Koch-Institut (RKI) beruft, werden die Empfehlungen des RKI sowie dessen weitere Fakten ignoriert. Denn laut RKI finden lediglich 0,5 Prozent der Ansteckungen in Gaststätten statt.“ Wie keine andere Branche haben gastgewerbliche Betriebe aufwändige Hygienekonzepte erfolgreich umgesetzt, zudem werden dort die Gäste registriert, vermutlich mehr als über die Corona-Warn-App der Bundesregierung.

Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern
Foto: DEHOGA

Inselkammer: „Entschlossenes und konsequentes Handeln ist wichtig. Doch die Maßnahmen sind willkürlich, nicht nachvollziehbar und vollkommen unverhältnismäßig. Geradezu ein Hohn ist es, dabei von einem Lockdown ‚light’ zu sprechen, der allein in Bayern 447.000 Erwerbstätige vor den Ruin stellt. Hier steht nicht weniger auf dem Spiel als das Überleben einer ganze Branche, die bis März noch die zweitwichtigste Leitökonomie Bayerns und Garant für funktionierende regionale Wirtschaftskreisläufe gewesen ist.

 

Diese Regeln gelten ab 2. November. Sie sollen voraussichtlich bis Ende November 2020 gelten.

Kontakte: In der Öffentlichkeit dürfen sich nur noch Angehörige zweier Haushalte treffen. Insgesamt dürfen dabei nur maximal zehn Personen anwesend sein.
Gastronomie: Restaurants, Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen werden geschlossen. Erlaubt sind weiter Lieferdienste und Essen zum Mitnehmen. Kantinen dürfen geöffnet bleiben.
Schulen und Kindergärten bleiben geöffnet, hier soll der Betrieb bewusst weiterlaufen – die Kinder seien belastet genug, betonte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
■ Hart trifft es Kultur- und Freizeiteinrichtungen: Theater, Opern, Konzerthäuser, Messen, Kinos, Freizeitparks, Saunen, Spielhallen, Spielbanken, Wettannahmestellen, Bordelle und andere Einrichtungen, die dem Freizeitvergnügen dienen, müssen geschlossen bleiben vom 2. bis zum 30. November.
Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäde werden wieder geschlossen. Amateursport wird eingestellt, Profisport ist ohne Zuschauer zugelassen.
Reisen sind nur noch erlaubt, wenn wichtige Gründe vorliegen – Tourismus ist nicht mehr gestattet. Allgemein werden die Bürger gebeten, auf private Reisen und Verwandtenbesuche so weit es geht zu verzichten. Hotels und Pensionen dürfen keine Touristen mehr aufnehmen.
■ Bestimmte Dienstleistungsbetriebe wie Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoostudios werden geschlossen. Grund ist der Mindestabstand, der hier nicht gewährleistet werden kann. Medizinisch notwendige Behandlungen dürfen weiter durchgeführt werden – etwa beim Physiotherapeuten. Auch Friseure bleiben geöffnet.
■ Der Einzelhandel bleibt weiter geöffnet, jedoch wird es Vorschriften geben zur maximalen Anzahl von Personen in den Geschäften.

 

Corona-Regeln: Stimmung wird aggressiver

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.