Schule: Ferienfrühstart und Wechselunterricht in Hotspots Viele Eltern sehen das kritisch

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München (dpa/lby) – Die steigenden Corona-Infektionszahlen haben den Schulbetrieb im Freistaat weiterhin im Griff. Die Weihnachtsferien werden in diesem Jahr coronabedingt verlängert und starten schon am 21. Dezember, um das Infektionsrisiko zu senken. Doch viele Eltern sehen das kritisch.

Unterdessen stimmte die Staatsregierung Eltern, Schüler und Lehrer in besonderen Corona-Hotspots erneut auf Wechselunterricht ein. Das Verwaltungsgericht Würzburg hat derweil entschieden, dass bei einem Corona-Fall nicht zwingend eine ganze Schulklasse in Quarantäne muss.

Heuer haben die Schüler nicht erst vom 23. Dezember an frei, sondern ihr letzter Schultag wird der 18. Dezember sein, wie am Dienstag bekanntwurde. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nannte das Vorziehen der Ferien um zwei Tage sinnvoll. Es gebe dann ein bisschen mehr Zeit und zeitlichen Abstand, bevor man beispielsweise die Großeltern an Weihnachten treffe. Und insgesamt habe man dann etwa drei Wochen Ferien, «so dass man dann auch schön zuhause bleiben kann», erklärte er am Rande einer Landtagssitzung.

Vielen Eltern bereitet die kurzfristige Ferienverlängerung aber Sorgen: Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, verwies etwa auf einen bereits vor Monaten entstandenen Lernrückstand, der noch immer nicht aufgeholt sei. «Nun verschenkt man ohne Not weitere Schultage. Überdies überlässt man wieder einmal den Eltern, irgendwie die Kinderbetreuung zu organisieren.»

Auch erkenne der Verband nicht die Logik hinter der Entscheidung: Aktuelle Untersuchungen von Kinderärzten hätten erneut belegt, dass Kinder beim Corona-Infektionsgeschehen keine große Rolle spielten, betonte Paede. «Warum also schließt man dann die Schule vorzeitig? Eher müsste man Erwachsene vor den Weihnachtsferien weitergehend als bisher in ihren Kontakten beschränken, um sich wenigstens während dieser Tage keine Infektion einzufangen.»

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) stellte für die zwei außerplanmäßigen Ferientage am 21. und 22. Dezember eine Notbetreuung für Schüler in Aussicht, deren Eltern arbeiten müssen. Wie genau das Angebot aussehen werde, müsse in den nächsten Tagen noch geklärt werden, sagte er. Es sei aber geplant, dass die Lehrkräfte an beiden Tagen im Dienst seien und so zur Verfügung stünden.

Die unionsregierten Länder hatten sich für eine entsprechende Ferienverlängerung ausgesprochen – zunächst war Nordrhein-Westfalen in Vorlage gegangen. In den meisten Bundesländern ist der 18. Dezember aber ohnehin planmäßig der letzte Schultag vor Weihnachten.

Söder sagte außerdem, in besonderen Corona-Hotspots denke man ab den siebten Klassen über Wechsel- oder Hybridunterricht nach – also die parallele Übertragung von Unterrichtsstunden. «Da werden die Konzepte gerade erarbeitet.» Grundschüler, Fünft- und Sechstklässler sowie Abschlussklassen sollen nach Worten Söders aber ausgenommen sein.

Kultusminister Piazolo sprach sich für eine konkrete Hotspot-Strategie für den Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht aus: «Entscheidungen werden sicher vor Ort fallen müssen, aber eine Linie muss vorgegeben werden.» Details ließ er mit Verweis auf das für Mittwoch geplante Bund-Länder-Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) offen.

In Würzburg hat unterdessen das Verwaltungsgericht einem Schüler Recht gegeben, der sich nach einem Corona-Fall in seiner Schulklasse gegen die angeordnete Quarantäne gewandt hatte. Der Antragsteller habe glaubhaft darlegen können, dass er nach den Kriterien des Robert Koch-Instituts keinen engen Kontakt mit der positiv getesteten Schülerin oder dem Schüler gehabt habe, teilte das Gericht am Dienstag zu der Entscheidung vom Vortag mit. Damit sei ein Abstand beider von weniger als 1,5 Meter über mindestens 15 Minuten gemeint.

Mitte November hatte das Gesundheitsamt die Klasse des Zwölfjährigen in 14-tägige häusliche Quarantäne geschickt, nachdem ein Kind positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden war. Weitere Kriterien wie die Größe und Beschaffenheit des Klassenraumes, die Anzahl der darin befindlichen Menschen und vor allem die tatsächliche Lüftungspraxis hatte es dabei nicht geprüft. Die Entscheidung gilt nur für den Jungen, nicht für die gesamte Klasse. Gegen sie kann Beschwerde am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt werden. (Az. W 8 S 20.1793)

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