Corona wackelt an bayerischen Grundfesten Wirtshäuser und Biergärten geschlossen, Volksfeste abgesagt - Brauereien in der Bier-Krise

Regensburg – Jetzt wird‘s persönlich. Nun wackelt Corona auch noch an unseren bayerischen Grundfesten. Dem sakrischen Virus haben wir es zu verdanken, dass Gaststätten geschlossen sind, auch Biergärten – und ein Volksfest nach dem anderen wird zum Deifi g‘schickt. Viele Brauereien geraten dadurch in arge Sorgen.

Von Mario Hahn

„Corona zwingt Traditionsbrauerei in die Knie.“ So titelte eine Zeitung aus Franken diese Woche. Die Krise hatte ihr nächstes Opfer. Der Brauerei sind auf einen Schlag zwei Standbeine fast komplett weggefallen: die Belieferung von Veranstaltungen, die abgesagt wurden oder noch werden, und die Gastronomie. Nach mehr als 400 Jahren muss die Brauerei Werneck schließen.

Buchbinder Legionäre und die Brauerei Bischofshof
Susanne Horn und Thomas Neiswirth von der Brauerei Bischofshof
Foto: Stefan Müller

Die Krise spüren auch die hiesigen Brauereien. Bischofshof-Marketingleiter Thomas Neiswirth: „Die aktuellen Maßnahmen, die die Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus eindämmen sollen, treffen uns doppelt hart. Zu den dramatischen Umsatzausfällen beim Bier durch geschlossene Gastronomie-Betriebe, abgesagte Volksfeste und gestrichene Sportveranstaltungen kommt die Schließung des ‚Bischofshof am Dom‘.“ Auch das Traditionsrestaurant mit Hotel – ein wahrer Touristenmagnet in der Welterbestadt – hat geschlossen.

„Für die gesamte Brauwirtschaft in Deutschland und auch für die Brauerei Bischofshof ist die derzeitige Situation eine enorme Herausforderung.“ (Bischofshof-Geschäftsführerin Susanne Horn)

Aber ab wann dürfen Gaststätten und Biergärten wieder Gäste empfangen? Dafür gibt es bislang keine Perspektive. Zu groß sei dort das Infektionsrisiko, so die Einschätzung der Bayerischen Staatsregierung. Ministerpräsident Söder stellte unlängst Pfingsten als frühesten Termin in Aussicht, also Ende Mai. Das aber nur, sollte sich die Corona-Lage bis dahin stark verbessert haben.

Martin Sperger
Foto: Kneitinger

„Eine weitere Verzögerung wäre hinsichtlich der Gastronomie eine große Herausforderung“, betont Martin Sperger, Geschäftsführer der Brauerei Kneitinger. Tatsächlich sei es so, dass die Gastronomen derzeit nicht umsonst ihr Leid klagen, eine Verlängerung würde sicherlich einige finanziell bedingte Schließungen nach sich ziehen. „Dass hierbei die Brauereien im Allgemeinen nicht ohne Verluste wegkommen, versteht sich hier von selbst. Für uns als Kneitinger wäre es ebenfalls eine große Herausforderung, die finanziellen Lücken zu schließen.“

Weniger Bierdurst

■ Seit 1993 hat sich der Bierabsatz in Deutschland um 2,0 Milliarden Liter oder 17,8 Prozent verringert.
■ Wurden 1993 noch 11,2 Milliarden Liter Bier abgesetzt, waren es 2019 nur noch 9,2 Milliarden Liter.
■ Laut Statistischem Bundesamt sank der Bierabsatz im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr 2018 um 1,9 Prozent bzw. 177,9 Millionen Liter.
■ Um den Abwärtstrend zu stoppen, hofften die deutschen Brauereien auf eine gute Fußball-Europameisterschaft 2020.
■ Da alle Großereignisse (u. a. auch das Oktoberfest) wegen Corona abgesagt wurden, werden die Brauereien mit einem historisch schlechten Jahr 2020 rechnen müssen.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

X