Im Einsatz für unser Leben Pflege und Geburtshilfe in Bayern und der Welt unter besonderem Druck

Regensburg – Applaus für Klinikpersonal und 500 Euro „Pflegebonus“ vom bayerischen Gesundheitsministerium auf der einen Seite, fehlende Schutzausrüstung und Fachkräftemangel auf der anderen. Welche zentrale Rolle das Gesundheitswesen in einer Gesellschaft spielt, ist spätestens während der Corona-Pandemie jedem klar geworden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2020 zum Jahr der Pflegekräfte und Hebammen erklärt, 200 Jahre nach der Geburt von Florence Nightingale, die die Prinzipien der modernen Krankenpflege und Krankenhaushygiene festlegte.

Von Claudia Böhm

 

Hebammen, Pflegende und viele weitere Berufsgruppen leisten in der Corona-Krise Tag für Tag Außerordentliches. Und dies trotz der Versäumnisse der Vergangenheit, welche nun besonders sichtbar werden. „Wer für unsere Gesellschaft systemrelevant ist, zeigt sich weltweit gerade mit großer Wucht“, stellt Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes klar. „Wir alle können den Millionen Menschen, welche uns durch die Krise helfen, nicht genug danken. Aber deutlich wird auch mehr denn je: Das bisherige Wertesystem spiegelt nicht wider, welche Berufsgruppen für ein gesundes und sicheres Zusammenleben notwendig sind. Das muss sich ändern. Eine Rückkehr zur alten Normalität ist für mich keine Option.“

Eine Hebamme betreut im Schnitt drei Frauen

Auch ohne Corona haben es Hebammen in Deutschland nicht leicht: Schlechte Bezahlung, mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine hohe Arbeitsbelastung zählen zu den Herausforderungen des Berufs. 2019 betreute eine Hebamme pro Schicht im Schnitt drei Frauen und 1,8 Entbindungen. Die Eins-zu-eins-Betreuung während der Geburt, eigentlich wichtig für Mutter und Kind, ist häufig nicht möglich.
Auch für freiberufliche Hebammen haben sich die Arbeitsbedingungen unter der Corona-Krise verschlechtert. Für sie gibt es nicht genügend Schutzkleidung, was Hausbesuche bei Müttern mit Neugeborenen erschwert. Zwar können sie zeitlich befristete Zuschläge zu den Materialpauschalen erhalten, doch an der generellen Situation ändert das wenig.

 

 

Seit 1. Januar ersetzt die generalistische Pflegeausbildung die Ausbildung zum Altenpfleger
Foto: Photographee.eu/Adobestock

Altenpfleger/innen ​dringend gesucht

Die Auswirkungen des Sparkurses im Gesundheitswesen hat nicht nur die Geburtshilfe geprägt. Auch die Situation in Pflegeheimen ist prekär. Die demografische Entwicklung wie auch der medizinische Fortschritt haben dazu geführt, dass der Bedarf an Pflegepersonal in der Kranken- und Altenpflege gestiegen ist. Bereits jetzt herrscht ein bundesweiter Fachkräftemangel. Im 10-Jahres-Vergleich hat sich die Zahl gemeldeter Stellen für Pflegekräfte mehr als verdoppelt.
Vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Krankenhäusern (zum Beispiel Gesundheits- und Krankenpfleger/innen) verdienten im Jahr 2019 im Durchschnitt 3.502 Euro brutto im Monat. Fachkräfte in Altenheimen (zum Beispiel Altenpfleger/innen) kamen auf 3.116 Euro.

 

Foto: stokkete/Adobestock

Neue Pflegeausbildung

Mit der neuen Pflegeausbildung, die zum 1. Januar 2020 eingeführt wurde, will die Regierung nun gegensteuern. Statt der bisher drei Pflegefachberufe („Altenpflege“, „Gesundheits- und Krankenpflege“ und „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“) soll die neue Ausbildung zur „Pflegefachfrau“ oder zum „Pflegefachmann“ die notwendigen Kompetenzen zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen und den flexiblen Einsatz in allen Versorgungsbereichen ermöglichen. Auch die Hebammenausbildung wurde reformiert. Ein duales Studium verbindet nun ein wissenschaftliches Studium mit einer beruflichen Ausbildung.
Vielleicht fördern diese Maßnahmen die Anerkennung von Pflegenden und Hebammen in der Gesellschaft, bevor ihre Leistung nach Corona wieder in Vergessenheit gerät.

 

Zahlen und Fakten

■ In Deutschland sind rund 1,6 Millionen Pflegekräfte in der Kranken- und Altenpflege beschäftigt
■ 24.000 Frauen üben den Beruf der Hebamme aus
■ Ein Großteil der Beschäftigten ist weiblich. Teilzeitbeschäftigung ist weit verbreitet
■ Bei Altenpflegefachkräften besteht ein bundesweiter Fachkräftemangel

 

Florence Nightingale

Florence Nightingale – Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege und Reformerin des Sanitätswesens

Florence Nightingale, britische Krankenschwester und Pionierin der modernen Pflege, wurde vor fast genau 200 Jahren, am 12. Mai 1820, geboren. Damals war die Situation für Kranke und alte Menschen eine völlig andere als heute. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wandelten sich die „Siechenhäuser“ durch Fortschritte in Diagnostik und Therapie in Krankenhäuser im heutigen Sinne. Heilungssuchende begannen, gezielt Krankenhäuser aufzusuchen, um sich behandeln zu lassen. Unter der Leitung Nightingales wurden während des Krimkriegs Verwundeten- und Krankenpflegestationen eingerichtet, die auf hygienischere Bedingungen und gesündere Ernährung der Verwundeten setzten. So konnte die Sterblichkeitsrate gesenkt werden.
Die später von Florence Nightingale gegründete Pflegeschule „Nightingale School of Nursing“ am St. Thomas‘ Hospital in London wurde zur Keimzelle dieser Professionalisierung. Nightingale legte darin den Grundstein für den Pflegeberuf und forderte eine kontinuierliche Weiterbildung, Spezialisierung und Anerkennung der Rolle der Krankenpflege im Gesundheitsbereich und in der Gesellschaft.
Am 13. August starb Nightingale im Alter von 90 Jahren in London. Zu ihren Ehren findet seit 1967 an ihrem Geburtstag der „internationale Tag der Pflege“ statt.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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