SARS-CoV-2 breitet sich in Europa aus Prof. Dr. Bernd Salzberger vom Uniklinikum Regensburg über den Coronavirus in Italien

Regensburg – Das Coronavirus ist in Europa angekommen. Besonders schlimm hat es Italien getroffen. Im Norden des Landes wurden ganze Regionen abgeriegelt. Es gab auch schon Todesfälle. Mittlerweile soll sich SARS-CoV-2 auch auf einer beliebten spanischen Urlaubsinsel ausgebreitet haben. Blizz hat mit dem Infektiologen Bernd Salzberger von der Uniklinik Regensburg über die aktuelle Situation gesprochen.

Von Mario Hahn

Im Norden Italiens gibt es bereits mehr als 200 bestätigte Fälle von infizierten Menschen. Sechs starben bereits an dem Coronavirus. Der Karneval in Vendig wurde abgesagt, Fußballspiele sollen vor leeren Rängen ausgetragen werden.
Auf der Kanaren-Insel Teneriffa soll ein Besucher aus Italien positiv auf das SARS-CoV-2 getestet worden sein. Dies berichtete das Fernsehen in der Nacht zum Dienstag unter Berufung auf die örtlichen Gesundheitsbehörden.
Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet damit, dass sich das neue Virus auch in Deutschland ausbreiten könnte. Allerdings sei Deutschland bestmöglich vorbereitet. Deutschland verfüge über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, das Jahr für Jahr auch die Grippewellen erfolgreich bewältige.
Die Regensburger Wochenendzeitung Blizz sprach mit Prof. Dr. med. Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg über die neue Lage. Der Experte leitet seit über 18 Jahren die Infektiologie am Uniklinikum und ist seit kurzem Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

Professor Bernd Salzberger, Infektiologe an der Uniklinik Regensburg
Foto: UKR/Klaus Völcker

Blizz: Wie wahrscheinlich ist eine Ausbreitung auch in unsere Region?
Prof. Dr. Salzberger: Wie wahrscheinlich? Das kann man sehr schlecht einschätzen. Ein Ausbruch mit mehr als 200 Infizierten in Norditalien erhöht aber sicher die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus auch über die Alpen zu uns ausbreitet. Andererseits haben die Italiener jetzt strenge Massnahmen eingeleitet, die auch zur Eindämmung des Ausbruchs führen können.

Italien hat ganze Städte isoliert. Ist so etwas auch bei uns denkbar?
Prinzipiell sind solche Absperrungen bzw. Kontakteinschränkungen im Notfall auch bei uns denkbar.

Meist wird eine Infektion mit Coronaviren als harmlos eingestuft. Gibt es aber auch Risikogruppen, z.B. ältere Menschen, Schwangere?
Infektionen mit dem neuen Coronavirus können harmlos oder mit milden bis mäßigen Symptomen verlaufen, wie bei den meisten bisher in Deutschland erkannten Fällen (16), insbesonders bei Älteren und Menschen mit chronischen Erkrankungen besteht aber ein höheres Risiko für Komplikationen, vor allem Lungenentzündungen oder Lungenversagen.

Was ist mit Kindern?
Kinder sind nicht immun, es haben sich auch Kinder mit dem neuen Coronavirus infiziert, sowohl in China wie auch in Deutschland. Komplikationen sind allerdings bei Kindern bisher extrem selten.

Helfen Schutzmasken, um sich vor dem Coronavirus zu schützen?
Der beste Schutz vor einer Infektion ist, Abstand zu halten von Menschen, die husten oder niesen und regelmäßiges Waschen der Hände. Schutzmasken sind nur in bestimmten Situationen hilfreich: infizierte Menschen sollten eine Schutzmaske tragen, um die Verbreitung des Virus zu minimieren, medizinisches Personal sollte bei Kontakt mit infizierten Patienten Schutzmasken benutzen. Im Strassenverkehr sind Schutzmasken sinnlos: das Risiko einer Infektion ist sehr gering und kann durch eine Schutzmaske auch kaum mehr verringert werden.
Und derzeit ist trotz aller Sorgen um das Coronavirus die Influenza für die Menschen die größere Gefahr.

Kommt bald
Coronavirus – Reale Gefahr oder nur Panikmache
Reine Panikmache 218 ( 41.29 % )
Reale Gefahr 310 ( 58.71 % )

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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