Die unterschätzte Gefahr DLRG und DRK: Baden an unbewachten Gewässern kann tödlich sein

Regensburg – Noch lassen die hochsommerlichen Temperaturen hierzulande auf sich warten, doch schon jetzt mehren sich die Nachrichten über Badeunglücke mit Todesfolge. Ein Grund dafür ist, dass aufgrund der strengen Zugangsregeln in Freibädern viele Menschen auf unbewachte Seen und Flüsse ausweichen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) appellieren insbesondere an Eltern, Risiken zu vermeiden.

Von Claudia Böhm

Am 2. Juli berichtete die Polizeiinspektion Nittendorf von einem tragischen Unfall: Ein 81-jähriger Mann wollte von der sog. Naabspitz nach Mariaort schwimmen. Dabei verlor er das Bewusstsein und drohte zu ertrinken. Ein 17-Jähriger, der die Notlage bemerkte, sprang sofort in die Naab und rettete den 81-Jährigen an das Ufer. Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen verstarb der Mann später in einem Regensburger Krankenhaus.

Viele unsichere Schwimmer

Ein Einzelfall? Mitnichten. Die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung hat in den letzten Jahren nachgelassen. 2019 sind in Deutschland mindestens 417 Menschen ertrunken. Die Befürchtung liegt nahe, dass es dieses Jahr noch mehr werden könnten. Besonders ältere Mitbürger und Kinder sind gefährdet. Eine repräsentative forsa-Umfrage zeigt: 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Durch die Corona-Pandemie fand lange Zeit kein Schwimmunterricht statt, sodass viele Kinder nicht ausreichend geschult sind“, sagt Andreas Paatz, Bundesleiter der DRK-Wasserwacht. Er appelliert daher an die Eltern, auf ihre Kinder zu achten und unbewachte Gewässer zu meiden.

Andreas Schicho, stellvertretender Vorsitzender des DLRG-Ortsverbands Regensburg kennt noch eine weitere Gefahrenquelle: „Die Badegäste überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und unterschätzen die Risiken der offenen Gewässer. Insbesondere Strömung und falsche Einschätzung von Entfernungen sind riskant. Leichtsinn und Übermut (Springen von Brücken etc.) tun ihr Übriges, besonders bei jüngeren Badegästen.“ Auch er rät Eltern, ihre Kinder beim Baden nicht aus den Augen zu lassen und ergänzt: „Schwimmen lernen ist wie Fahrschule absolvieren. Nur weil man gerade den Führerschein bestanden hat, heißt es nicht, dass man gut Auto fahren kann.“ Schwimmen lernen kann man z. B. bei der DLRG, in kommerziellen Schwimmschulen und in Vereinen.
Für die Badesaison 2020 wünscht sich Andreas Schicho von den Regensburgern/innen vor allem „Vernunft und Rücksicht beim Baden und Schwimmen, Hilfsbereitschaft und Aufmerksamkeit.“

Was tun im Notfall?

Die neu gestaltete Uferpromenade am Regen bei Reinhausen (Foto) und das Donauufer unterhalb des Eisernen Stegs sind beliebte Badeorte für hitzegeplagte Stadtbewohner

Badende sollten stets aufmerksam sein, die Baderegeln befolgen, auf Warnhinweise achten und nicht in unbewachten Gewässern schwimmen. Wer im Wasser in Gefahr gerät, etwa durch eine Strömung, sollte vor allem Ruhe bewahren, sich auf den Rücken legen und mit der Strömung treiben lassen. So bleiben die Atemwege frei und der Körper bekommt Auftrieb. „Machen Sie durch Rufen und Winken auf sich aufmerksam, vermeiden Sie sonstige Bewegungen. Versuchen Sie niemals, gegen die Strömung anzuschwimmen, sondern in einem größeren Bogen an Land zu gelangen“, erklärt Andreas Paatz.

Im Ertrinkungs- oder Notfall ist die Wasserrettung Regensburg über die Integrierte Leitstelle mit der Notruf-Nummer 112 erreichbar.

Wasserqualität an deutschen Badegewässern

  • 93 Prozent aller deutschen Badegewässer wurden in der Saison 2019 von der EU-Kommission mit der Bestnote „ausgezeichnet“ bewertet.
  • 98 Prozent der Badegewässer an Seen, Flüssen und Küsten in Deutschland erfüllten die Qualitätsanforderungen der EG-Badegewässerrichtlinie.
  • Das Baden in ausgewiesenen Badegewässern ist auch während der Corona-Pandemie unter Beachtung einiger Verhaltensmaßnahmen (Abstandhalten an Land und im Wasser)relativ sicher.
  • Eine Übertragung des SARS-Cov-2 über das Wasser gilt als äußerst unwahrscheinlich.

Mehr Infos über die bayerischen Badegewässer unter www.lgl.bayern.de.

Claudia Böhm

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