Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies Der Märchenkönig singt im Theater am Bismarckplatz

Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies Der Märchenkönig singt im Theater am Bismarckplatz

Regensburg – Von oben herab sinkt der Märchenkönig in die Tiefe einer dunklen Unterwasserwelt. Unten auf der Bühne zieht in Sequenzen sein Leben noch einmal an ihm vorbei. Dramatisch und eindrucksvoll beginnt „Ludwig II. – Sehnsucht nach dem Paradies“, das seit 7.12. als Neufassung in Regensburg gezeigt wird. Das Musical von Franz Hummel inszeniert den Kampf des Königs gegen das Kabinett und für die Kunst in einer politisch angespannten Zeit.

Von Claudia Böhm

Gut zwei Stunden dauert die gestraffte Neufassung des Stücks, dessen Premiere am vergangenen Samstag für einen vollen Theatersaal sorgte. „Ludwig II.“ erzählt die Geschichte eines unverstandenen Herrschers. 2000–2003 haben mehr als 1,5 Millionen Zuschauer das Musical über die schillernde bayerische Identifikationsfigur im Theater in Füssen gesehen. Das Theater Regensburg hat anlässlich des 80. Geburtstags des Komponisten Franz Hummel eine eigene Fassung beim Jubilar und seinem Librettisten Stefan Barbarino in Auftrag gegeben.

Der Schöpfer von Schloss Neuschwanstein erlebte dessen Fertigstellung nicht
Ludwig II, gespielt von Johannes Mooser. Foto: Christina Iberl

Mit nur 19 Jahren bestieg Bayerns Märchenkönig Ludwig II. den Thron. Sein Interesse galt aber weniger der Diplomatie als den schönen Künsten. Er wurde zum großzügigen Förderer von Künstlern und Musikern, allen voran von Richard Wagner.Doch der erhoffte Dank blieb aus.

Verbittert zog er sich zurück und kümmerte sich kaum noch um die Regierungsgeschäfte. Nur in seiner Cousine Elisabeth von Österreich fand er eine Seelenverwandte, die zu ihm hielt. Doch auch ihr gelang es nicht, den obsessiven Träumer davor zu bewahren, an der Wirklichkeit zu zerbrechen. Er verlobte sich mit Sissis Schwester Sophie, beauftragte riesige Bauten.

Seine visionären Traumschlösser verschlangen Unsummen. Aufgrund seiner angeblichen „Verschwendungssucht“ wurde er für geisteskrank erklärt und entmachtet. Bis heute ranken sich Legenden um Leben und Tod des bayerischen Märchenkönigs.

Ludwig-Darsteller Johannes Mooser brillierte bei der Premiere

Ein „ewiges Rätsel“ wird der tragische Herrscher der Welt bleiben. Ebenso rätselhaft blieb dem Premierenpublikum aber auch, was an dem Stück nun genau ein „Musical“ war. Unter populärem Musiktheater dürfte sich manch einer anderes vorgestellt haben.
Abgesehen von den nicht ganz so eingängigen Komposititionen – technisch traf das Städtische Orchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Chin-Chao Lin jeden (unharmonischen) Ton.

Johannes Mooser in der königlichen Hauptrolle und Vera Semieniuk als Sophie,

Foto: Christina Iberl

Prinzessin von Bayern, sangen und spielten herausragend. Letztere amüsierte mit gezielt falsch intoniertem Offenbach. Einen humoristischen Akzent setzten auch die vier Kabinettsmitglieder und – ungewollt amüsant – der Versuch einiger Darsteller, in bayerischer Mundart zu singen.

Insgesamt macht das perfekte Bühnenbild und die tolle Lichtinszenierung aus dem Stück zwei Stunden gute Unterhaltung. Für Königstreue Theaterfreunde ein Stück vom Paradies.

Bis Juni 2020 auf der Bühne am Bismarckplatz

Weitere Aufführungen: 10, 13. 16. Dezember, 12. ,18., 29. Januar. Mehr Infos, weitere Termine und Karten unter www.theater-regensburg.de.

Sara Maria Saalmann (Sissi, Kaiserin von Österreich), Arpad Vulkan (Kaiser Franz Joseph von Österreich), Opernchor. Foto: Christina Iberl
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Claudia Böhm

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