Bald wieder mehr Gastro und Kultur? Mehr Tests, mehr Corona-Lockerungen - das „Tübinger Modell“: Stadt und Landkreis Regensburg bewerben sich für Modellprojekt.

Aktualisiert vor 3 Wochen von Mario Hahn

Regensburg – Mehr Tests und stattdessen mehr Lockerungen? So wie es Tübingen derzeit vormacht? Viele Städte wollen diesen Weg gehen. Auch Regensburg hat sein Interesse an einer Modellstadt signalisiert.

Von Mario Hahn

Am Dienstag hat Ministerpräsident Söder angekündigt, dass es nach dem 12. April erste regionale Öffnungsschritte geben soll. In mehreren ausgewählten Modellregionen soll das „Tübinger-Modell“ getestet werden. Erprobt werden soll dort, wie unter strengen Schutzmaßnahmen und mit einem Testkonzept für die Dauer von 14 Tagen einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens geöffnet werden können. So sollen Erkenntnisse gewonnen werden, wie Öffnungsschritte für den Einzelhandel, für die Gastronomie oder für Kulturveranstaltungen auch bei höheren Inzidenzwerten möglich gemacht werden können. Aufgrund der engen Verflechtungen haben sich jetzt Stadt und Landkreis Regensburg für das Öffnungsschritte-Modellprojekt beworben.

Der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer unterstützt das Vorhaben aktiv: „Es ist Zeit für innovative, kreative Lösungen.“ Das „Tübinger Modell“ schaffe die Möglichkeit, Gastronomie, Einzelhandel sowie Kultureinrichtungen wieder zu öffnen und sei der „langersehnte Lichtblick zum Weg aus der Krise“. Wichtig dabei: Regensburg biete im Hinblick auf Größe und Struktur bei Einzelhandel, Gastronomie und Kultur ideale Voraussetzungen. Größere Städte wie München, Nürnberg und Augsburg haben von Söder bereits eine Abfuhr bekommen.

„Öffnen mit Sicherheit“

In Tübingen läuft seit dem 16. März das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“. Seitdem dürfen die Außengastronomie sowie Kunst- und Kultureinrichtungen wie Theater, Kinos und Bibliotheken wieder für den Publikumsverkehr öffnen.
Zugangsberechtigt sind alle Personen, die ein „Tagesticket“ (Nachweis über einen negativen Corona-Schnelltest) vorweisen können. Testen lassen können sich die Menschen an insgesamt neun Teststationen, unter anderem in der Tübinger Altstadt. „Die dort eingesetzten nasalen Schnelltests sind schmerzfrei und kostenlos“, heißt es auf der Webseite der Universitätsstadt.
Die wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts übernimmt in Tübingen das Universitätsklinikum. Das vorläufige Fazit von Prof. Peter Kremsner im „Tübinger Tagblatt“: „Nach hiesiger Einschätzung liegen weiterhin gute Voraussetzungen vor, um das Modellvorhaben fortzusetzen.“ Die Unternehmen und die Besucher freut’s, die beispielsweise am Wochenende bei frühlingshaftem Wetter die Innenstadt zahlreich bevölkern. Vielleicht auch bald wieder im UNESCO-Weltkulturerbe Regensburg?

 

Vorbild Tübingen?

Die Universitätsstadt Tübingen verfolgt als eine der wenigen deutschen Kommunen eine eigenständige Strategie in der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Sie ist mittlerweile bundesweit als „Tübinger Weg“ bekannt. Die Ziele sind:
■ die besonders gefährdeten Risikogruppen zu schützen
■ die zur Bekämpfung der Pandemie notwendigen Mittel schnell und unbürokratisch zur Verfügung zu stellen
■ insbesondere in den Bereichen Bildung, Einkaufen und Gastronomie so viel Normalität wie möglich zuzulassen. Mit dieser Strategie ist es Tübingen seit Beginn der zweiten Corona-Welle bisher gelungen, den Inzidenzwert dauerhaft niedrig zu halten und Todesfälle in den Alten- und Pflegeheimen weitestgehend zu vermeiden.

 

Offener Brandbrief an die bayerische Regierung

 

Pressemitteilung der Stadt Regensburg:

 

Stadt bewirbt sich für das Modellprojekt in Bayern

Die Stadt Regensburg bewirbt sich für das Modellprojekt in Bayern – idealerweise gemeinsam mit dem Landkreis Regensburg.

Ein Schreiben der Oberbürgermeisterin ging noch heute (24.3.21; Anm.d.Red.) an das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, um das Interesse an dem Modell-Versuch zu bekunden.

Im Rahmen eines Modellprojekts werden bis zu drei Theater-, Konzert- oder Opernhäuser in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit einer 7-Tages-Inzidenz von über 100 vom Freistaat ausgewählt, um unter strengen Schutz- und Hygienemaßnahmen die Wirksamkeit insbesondere von umfassenden Testkonzepten zu untersuchen. Darüber hinaus können nach den Osterferien im Rahmen von Modellprojekten drei Städte mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 mit strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept für die Dauer von 14 Tagen einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens öffnen, um die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten unter Nutzung insbesondere eines konsequenten Testregimes zu untersuchen.

„Wir haben unterschiedliche gastronomische Betriebe, einen vielfältigen Einzelhandel und verschiedene Kultureinrichtungen, die alle passgenaue Test- und Schutzkonzepte realisieren könnten. Es gibt Schulen, die schon jetzt an Gurgeltest-Studien teilnehmen, und wir können das Modellprojekt wissenschaftlich begleiten – das Universitätsklinikum hat dies bereits zugesagt“, so Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer.

Hintergrund:

Die Durchführung eines Modellprojekts für Bayern wurde im Beschluss der Kabinettssitzung des Bayerischen Ministerrats am 23. März 2021 beschrieben.

Könnte das „Tübinger Modell“ dafür sorgen, dass in die Regensburger Altstadt wieder mehr Leben einkehrt?
Foto: Blizz-Archiv

 

Pressemitteilung des Landratsamtes Regensburg:

 

Stadt und Landkreis Regensburg bewerben sich für Öffnungsschritte-Modellprojekt

Stadt und Landkreis Regensburg bewerben sich für das Modellprojekt des Freistaats Bayern für Corona-Teststrategien. Der Ministerrat hatte in seiner Sitzung am 23. März beschlossen, nach den Osterferien mehrere Regionen als Modellprojekte auszuwählen. Erprobt werden soll dort, wie unter strengen Schutzmaßnahmen und mit einem Testkonzept für die Dauer von 14 Tagen einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens geöffnet werden können. So sollen Erkenntnisse gewonnen werden, wie Öffnungsschritte für den Einzelhandel, für die Gastronomie oder auch für Kulturveranstaltungen auch bei höheren Inzidenzwerten möglich gemacht werden können.

Aufgrund der engen Verflechtungen von Stadt und Landkreis in vielen Bereichen, so Landrätin Tanja Schweiger, sei es naheliegend, auch hier gemeinsam zu agieren und in enger Kooperation innovative Wege im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie auf kommunaler Ebene zu erproben. Zudem erstrecke sich der Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes auf beide Gebietskörperschaften, so dass eine gemeinsame Initiative auch unter diesem Gesichtspunkt naheliegend und sinnvoll sei.

Landrätin Tanja Schweiger brachte in einem Schreiben an Gesundheitsminister Klaus Holetschek zum Ausdruck, dass es generell einer Strategieanpassung bedürfe. „Wir müssen effektive und zielgerichtete Maßnahmen erarbeiten, die uns einen Umgang mit dem Coronavirus ermöglichen.“, so die Landrätin.

 

Regensburg: Kostenlose Schnelltests in Apotheken

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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