Bayern wird zum „Land der Nichtschwimmer“

Mehr als 50 Prozent aller Kinder im Freistaat können nicht sicher schwimmen.

Regensburg – Im Sommer ist nichts so erfrischend wie ein Sprung ins kalte Nass. Und in unserer Region ist das auch ziemlich einfach. Es gibt tolle Schwimmbäder und Baggerseen. Doch Vorsicht: Für viele ist der Badespaß ganz schön gefährlich – sie können gar nicht oder nur schlecht schwimmen. Die Folge: viel zu viele Badetote jedes Jahr.

Von Mario Hahn

Mehr als 530 Badetote waren es 2016 in Deutschland. Spitzenreiter mit 91 Fällen war Bayern. Im letzten Jahr ertranken – aufgrund des schlechteren Wetters – „nur“ noch etwas mehr als 400 Menschen. Mit 62 Opfern stand der Freistaat erneut ganz oben in der bundesweiten Statistik.

Bayern – ein „Land der Nichtschwimmer“ also? Ja!

Herumtollen im kühlen Wasser ist bei Kindern sehr beliebt. Leider können die wenigsten richtig schwimmen Foto: Fotolia/Miredi

Einer Studie im Auftrag der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zufolge kann die Mehrheit der zehnjährigen Kinder im Freistaat nicht richtig schwimmen; und besitzt folglich kein Schwimmabzeichen. Die Jugendlichen und Erwachsenen gehen dabei mit keinem guten Vorbild voran: Von ihnen besitzt auch nur etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) ein Schwimmabzeichen; deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 46 Prozent. Michael Förster von der DLRG: „Die Bayern sind ‚Schwimmabzeichenmuffel’“.

Viele Badetote sind die Folge

Dabei ist ein Schwimmabzeichen das Kriterium, ob jemand ein sicherer Schwimmer ist oder nicht. Als sicherer Schwimmer gilt laut DLRG-Definition, wer in tiefem Wasser für 200 Meter höchstens 15 Minuten braucht. Und man muss in zwei Metern Tiefe etwas vom Boden an die Wasseroberfläche holen können.

Warum aber gelingt das immer weniger Kindern? DLRG-Experte Förster kennt die Gründe: „Erstens: Manche Eltern sind total überfordert damit, ihrem Kind das Schwimmen beizubringen bzw. ihm einen Schwimmkurs zu ermöglichen. Oder sie legen einfach keinen Wert darauf.“ Zweitens: Weil viele Kommunen immer weniger Geld zur Verfügung haben, werden immer mehr öffentliche Schwimmbäder geschlossen. Seit 2004 waren es allein in Bayern 63 Stück. (Die gute Nachricht: In unserer Region scheinen keine Bäder von einer Schließung betroffen. Anm.d.Red.) Die traurige Folge: Für immer mehr Grundschüler fällt der Schwimmunterricht flach. Dabei lernen Kinder in diesem Alter Schwimmen am besten. Je älter man ist, desto länger dauert es, bis man lernt, sich im Wasser sicher zu bewegen.

Übrigens: Im Westbad wurde im letzten Jahr ein Lehrschwimmbecken eröffnet. Auf einer Größe von acht auf 12,5 Metern und einem abgeschrägten Boden können Schwimmkurse gut durchgeführt werden. Im Lehrschwimmbecken finden die ganze Woche über von Montagfrüh bis Sonntagabend Kurse in besonders angenehmer, ruhiger Atmosphäre statt.

Mehr Infos unter www.westbad.de.

Landkreis Regensburg schafft zusätzliche Angebote für Schwimmkurse

Schwimmkurse für Kinder sind wichtig                  Foto: Fotolia/MICROGEN@GMAIL.COM)

Überraschend viele Kinder können nicht mehr schwimmen. Insgesamt beläuft sich die Anzahl der Schüler/innen an den Landkreisschulen, für die ein entsprechender Bedarf besteht, auf 206. Das sind vier Prozent aller Schüler/innen. In Kooperation mit verschiedenen Hallenbädern und der Wasserwacht hat die Landkreisverwaltung freie Kapazitäten ermittelt sowie Konzepte für zusätzliche Schwimmlernangebote entwickelt. Insgesamt konnten so bis zum Schuljahresende 2017/18 zusätzliche 117 Schwimmkursplätze angeboten werden. Für das Schuljahr 2018/19 ist geplant, weitere Kursangebote zu schaffen, damit auch den restlichen Schüler/innen ein Schwimmlernangebot gemacht werden kann. Dafür wurden insgesamt 12.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Darin sind alle Kosten für die Benutzung der Bäder, die Schwimmlehrer, die Busfahrt sowie die Betreuer enthalten.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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