„Pathologie ist für die Lebenden zuständig“

Professor Brochhausen-Delius räumt mit Vorurteilen auf und erklärt die realen Aufgaben eines Pathologen

Regensburg – „Der Mann ist seit vier Stunden tot. Genaueres nach der Obduktion. Bringen Sie die Leiche in die Pathologie.“ Beinahe jeder TV-Krimi beginnt nach Schema F und damit beginnt er falsch. Denn Pathologie und Gerichtsmedizin sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Professor Dr. Christoph Brochhausen-Delius, Pathologe der Universität Regensburg, räumt mit Klischees auf und erklärt die Hauptaufgaben seines Faches.

Von Matthias Dettenhofer

Anfangs gruselt es mich schon ein wenig. Der Gedanke an Seziertische, die großen Kühlfächer, in denen man die Verstorbenen aufbewahrt und Präparate von Organen und Extremitäten. Die Pathologie.
Jeder kennt die Pathologie aus dem Sonntag-Abend-Tatort, oder doch nicht? „Wir Pathologen sind in erster Linie für die Lebenden da. Wir sind keine Gerichtsmediziner!, erklärt Professor Dr. Christoph Brochhausen-Delius. Der stellvertretende Direktor der Pathologie der Universität Regensburg macht seinen Job mit großer Hingabe.

Täglicher Kampf gegen Krankheiten

Für die Lebenden also. Und dennoch schwingt eine gewisse Morbidität immer mit. Doch schon die genaue Definition des Wortes Pathologie verrät die eigentliche Aufgabe der medizinischen Disziplin. Denn aus dem Griechischen übersetzt bedeutet es in etwa die Lehre von der Krankheit.
„Genau das ist es auch, was wir tagtäglich tun. Wir versuchen, Krankheiten zu erforschen, Dingen auf den Grund zu gehen und unsere Patienten wieder gesund zu machen. Die Pathologie ist so etwas wie die älteste Form der medizinischen Forschung.“ Der Mediziner untersucht Gewebeproben, schaut, ob Tumore gut- oder bösartig sind und unterstützt mit seinen Ergebnissen die Kollegen, welche die Patienten auf der Station betreuen. „Wir sind so etwas wie die Lotsen im Hintergrund, die unsichtbaren Anwälte der Erkrankten.“
Und dennoch begleitet Professor Brochhausen-Delius auch der Tod in seinem Beruf. „Natürlich führen wir auch Obduktionen durch, aber eben nicht bei Mordfällen, sondern bei uns geht es häufig um Versicherungsfälle und natürlich um die Frage nach dem ‚Warum?‘. Warum ist jemand, der eigentlich morgen aus dem Klinikum entlassen werden sollte, in der Nacht verstorben?“

Der Pathologe ist Lotse, Anwalt, Forscher, Lehrer

Lotse und Anwalt, darüberhinaus Forscher und Erforscher von Krankheiten und Krankheitsbildern und natülich Lehrer und Dozent für die kommende Pathologen-Generation. Besonders wichtig ist Professor Brochhausen-Delius das Projekt „BRoTHER“ (Biobank Research on Telemedical Approaches for Human Biobanks in a European Region). Dort werden Biobanken der tschechischen Universitäten Pilsen und Brünn sowie der Technischen Uni München und der Uni Regensburg vernetzt. „Mit diesem Projekt leisten wir einen Beitrag zu einer multinationalen Forschung, um die Entwicklung der Medizin besser voranzutreiben und neue Studien durchzuführen.“
Eine Arbeit eben ganz im eigentlichen Sinn des Wortes Pathologie.

 

„PATHO-LOGISCH!“: Pathologie live erleben

Wer etwa mehr über die Arbeit in der Pathologie erfahren möchte, der sollte sich die nächste Veranstaltung „PATHO-LOGISCH! – Wenn Medizin zum Krimi wird“ nicht entgehen lassen. Auf äußerst unterhaltsame Weise schildert Professor Dr. Christoph Brochhausen-Delius zusammen mit einem Buchautor, wie sich Fiktion und Klinikalltag überschneiden können. Die nächste Veranstaltung ist für Februar geplant. Mehr dazu rechtzeitig im Blizz.