Brutale Dürre: Existenzen bedroht / Bayerische Bauernverband ist froh über die Finanzspritze, fordert aber ein Umdenken

340 Millionen Euro-Spritze für Ernteausfälle

Bund und Länder unterstützen Landwirte / Bauernverband fordert langfristige Lösungen für Notlagen

Regensburg – Das Bayerische Landesamt für Statistik hat am Mittwoch die Bilanz für die Getreideernte 2018 vorgestellt. Insgesamt 6,2 Millionen Tonnen (ohne Mais) konnten die Landwirte von ihren Feldern holen. Ein Minus gegenüber dem Vorjahr von 10,8 Prozent. Schuld sind Dürre und Unwetter. Bundeslandwirschaftsministerin Julia Klöckner hat nun ein Bund-Länder-Hilfsprogramm angekündigt. Insgesamt werden den Bauern bundesweit 340 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Von Matthias Dettenhofer

Verbrannte Felder, ausgetrocknete, bröselige Maiskolben und von der Hitze aufgerissene Böden. „Wir brauchen dringend Regen“, sagt Johann Mayer, Kreisobmann des Bauernverbandes in Regensburg und selber Landwirt. Zwar kann der Regen die verlorene Ernte nicht mehr gutmachen, doch auch hier gilt, nach der Ernte ist vor der nächsten Ernte. „So brutal wie in diesem Jahr war es vielleicht noch im Sommer 2003, aber es ist schon schlimm und viel zu trocken.“ Und in den kommenden Wochen müssten die Landwirte etwa Raps für das kommende Jahr säen. Wichtig wäre es, dass es einmal kontinuierlich regnet. Nicht schüttet wie aus Kübeln, sondern ruhig dahin- regnet, damit die Böden das Wasser aufnehmen können. Sonst droht der nächste Super-Gau, wenn auch die jetzt gesetzten Zwischenfrüchte kaputtgingen. Das würde wiederum die Existenzen bedrohen.

Von der Sonne verbrannte Maisfelder gehören zum Anblick in diesem Sommer. Viele Landwirte kämpfen wegen der Ernteeinbußen um ihre Existenz. Nun helfen Bund und Länder mit 340 Millionen Euro
Foto: juergen 1965/fotolia.com

Hatte es in den vergangenen Jahren durch Unwetter häufig die Wald- und Obstbauern erwischt, so sind es in diesem Jahrhundertsommer vor allem der Futterbau (Grünland), Kartoffel- und Zuckerrübenbauern, die unter der extremen Dürre leiden müssen. „In der Region haben wir einen Ernteausfall von 30 Prozent oder noch deutlich darüber“, erklärt Mayer. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Bund und Länder den Landwirten finanziell unter die Arme greifen. „Lebensmittel oder Tierfutter sind einfach verdorrt, und dennoch ist ein Bauernhof keine Fabrik, wo man die Bänder einfach einige Zeit abschalten kann und Tiere sind keine Maschinen, die man an- und abstellen kann“, ergänzt Markus Peters, Pressesprecher des Bayerischen Bauernverbandes.
Schnelle, unbürokratische Hilfe ist also gefragt, „Ziel muss es sein, dass die Bauern Futter kaufen können, so ihre Tiere versorgen können, um einer drohenden Insolvenz zu entkommen“, so Peters weiter. Denn so weit wie in Teilen Norddeutschlands, dass durch Schlachtung Rinderbestände reduziert werden mussten, weil die Landwirte kein Futter mehr bezahlen konnten oder ihre Vorräte aufgebraucht waren, dürfe es nicht kommen.

Johann Mayer, Landwirt und Kreisobmann des Bauernverbandes in Regensburg
Foto: Bayerischer bauernverband

Die Zuwendungen seien kurzfristige Hilfsleistungen, um die Liquidität zu sichern, aber auf lange Sicht müsse sich grundlegend etwas ändern. Denn auch in Zukunft sind solche Dürreperioden durchaus erwartbar. Johann Mayer und der Bauernverband fordern deshalb, eine Risikoversicherung für Landwirte einzuführen. „Diese Versicherung müssen wir Bauern mit dem Staat abschließen und auch Geld einbezahlen, um im Notfall Hilfe erhalten zu können.“
Zwar wissen die Landwirte, dass sie natürlich von den Launen der Natur abhängig sind, aber ein wenig Sicherheit für den Ernstfall könne nicht schaden. „Landwirtschaft heißt nun einmal Leben mit der Natur“, sagt Mayer.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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