„Corona hat deutliche Spuren hinterlassen“ Ostbayerns Handwerkskammerpräsident Dr. Georg Haber blickt „verhalten positiv“ in die Zukunft

2021 wird eine große Anzahl an Insolvenzen im Handwerk befürchtet. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Regensburg – Ostbayerns Handwerk ist angeschlagen, aber immer noch standhaft. Wissend um dessen Stärken blickt Dr. Georg Haber „verhalten positiv“ in die Zukunft. Der Präsident der Handwerkskammer (HWK) sieht aber auch die Politik in der Pflicht.

Von Mario Hahn

Corona ließ im vergangenen Jahr 2020 nicht viel Raum für andere Themen. Beispielsweise für den in Ostbayern so dringend benötigten Breit- und Mobilfunkausbau, essentiell auch für das Handwerk. „In diesen Bereichen müssen wir dringend weiterkommen. Genauso müssen wir bei der Digitalisierung, dem Bürokratieabbau und der Deckung des Fachkräftebedarfs noch mehr aufs Gas drücken“, betont Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer (HWK), im Blizz-Interview.

Dr. Georg Haber
Handwerksammerpräsident Dr. Georg Haber.
Foto: HWK

Mario Hahn: 2021 kann doch nur besser werden: Wie ist die Prognose der HWK?

Dr. Georg Haber: Als Handwerkskammer blicken wir verhalten positiv in das neue Jahr. Durch den neuerlichen Lockdown sind einige Handwerkszweige sehr akut von Corona und den damit einhergehenden Bestimmungen betroffen, dennoch zeigen sich wieder einmal – wie in jeder bisherigen Krise – klar und deutlich die Stärken des Handwerks. Anpassungsfähig, flexibel, kreativ und pragmatisch reagierten die Betriebe im letzten Jahr auf die neue Situation: Sie etablierten teilweise neue Geschäftsmodelle oder führten Lieferdienste ein. Vor allem aber hielten sie weiter an ihren Mitarbeitern fest, statt sie zu entlassen, und stellten die Nahversorgung der Region sicher. Wir sind davon überzeugt, dass sich diese Stärken des Handwerks auch 2021 weiter bewähren werden und das Handwerk das nötige Rüstzeug besitzt, um diese Krise zu meistern.

2021 wird eine große Anzahl an Insolvenzen befürchtet.

Ostbayerns Handwerk offenbart sich in der Corona-Krise eindeutig als Stabilitätsanker für die Region. Aber: Die Pandemie war und ist nach wie vor eine Situation ohne Drehbuch, der Blick in die Glaskugel fehlt. Klar ist: Damit das Handwerk seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufgabe weiterhin nachkommen kann, brauchen wir die richtigen Rahmenbedingungen. Daher fordern wir ein umfangreiches Wirtschaftsprogramm, das den weiteren Prozess in der Corona-Krise flankieren, Liquidität sichern und den Handwerkern Perspektiven bieten soll. Entscheidend wird auch sein, ob das Handwerk nach wie vor Aufträge bekommt. Deshalb mein Appell an die öffentliche Hand und alle Verbraucherinnen und Verbraucher: Halten Sie dem Handwerk die Treue! Beauftragen Sie Ihren Handwerksbetrieb vor Ort, kaufen Sie regionale Waren und Dienstleistungen.

Hat die Corona-Krise auch positive Entwicklungen angestoßen bzw. beschleunigt?

Die Corona-Krise hat einmal mehr gezeigt: Mobiles Arbeiten ist unerlässlich. Leider gibt es in Ostbayern erhebliche Mängel bei der digitalen Infrastruktur, die aufgrund der Krise nun hoffentlich schnell behoben werden. Grundsätzlich hat das Krisen-Jahr 2020 einmal mehr klargemacht, wie wichtig das Handwerk für die Wirtschaft, die Gesellschaft und letztlich die Region ist. Das beeinflusst die öffentliche Wahrnehmung des Handwerks sicherlich positiv. Auch ist diese Verlässlichkeit ein starkes Signal für viele junge Menschen. Wer nach einem krisensicheren Job sucht, in dem er sich kreativ ausleben sowie selbstbestimmt und nachhaltig arbeiten kann, der ist im Handwerk genau richtig.

“Das Handwerk in Ostbayern braucht weiterhin Aufträge”

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