Coronavirus: Wie gut sind die Regensburger Krankenhäuser vorbereitet? Uniklinikum führt Tests im Container durch

Angesichts der Corona-Pandemie fragte Blizz bei Krankenhäusern in Regensburg und der Region nach: Wie stellt sich die Situation aktuell für sie konkret dar? Wie gut sind sie vorbereitet? Und was raten die Krankenhäuser Bürgerinnen und Bürgern, die sich gern auf das Virus testen lassen würden?

Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg

Geschäftsführer Dr. Andreas Kestler:
  • Unser Krankenhaus ist gut vorbereitet. Wir haben durch die jährlichen Influenza-Epidemien gewissermaßen eine regelmäßige Übung mit einem größeren Anfall infektiöser und teils schwer erkrankter Patienten. Es gibt für die aktuelle Corona-Infektionswelle ein schriftliches standardisiertes Vorgehen, wie mit einem Patienten zu verfahren ist, das regelmäßig gemäß nationaler und internationaler Empfehlungen angepasst wird. Dieser Standard ist für alle Mitarbeitenden einsehbar. Ergänzend finden Schulungen statt. Für die Region Regensburg bietet das Gesundheitsamt zudem eine Kommunikationsplattform zum Thema Coronavirus an, um die Patientenversorgung möglichst koordiniert zu bewerkstelligen. Unsere Vorräte an Desinfektionsmittel, Masken u. Ä. sind ausreichend. Als großer Bestandskunde erhalten wir auch weiterhin regelmäßig Lieferungen.
  • Der ärztliche Rat an alle Bürgerinnen und Bürger ist, die allgemeinen Hygienerichtlinien zu beachten, die gut unter www.infektionsschutz.de/hygienetipps dargestellt sind. Unter www.infektionsschutz.de finden sich auch gute allgemeinverständliche Informationen zur Corona-Infektion.

Caritas-Krankenhaus St. Josef

Priv.-Doz. Dr. Sylvia Pemmerl (Internistin, Notfallmedizinerin), Stv. Ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme und Ärztliche Leitung der Hygieneabteilung im St. Josef:
  • Kommt oder kam es auch in Ihrem Hause vor, dass Personen mit Verdacht auf Corona direkt in Ihre Klinik kommen? 
    Wir haben bereits Personen mit Verdacht auf eine SARS-CoV2-Infektion bei uns getestet. Die Testung führen wir allerdings immer nur dann durch, wenn ein dringender Verdachtsfall besteht (s. Frage 3). Zudem sollte die Indikation für eine stationäre Behandlung bei dem Patienten bestehen, so dass eine Genesung im häuslichen Umfeld nicht oder nur schwer möglich ist. Dieses Vorgehen ist mit den anderen Kliniken in der Region und dem Gesundheitsamt abgestimmt. Dazu findet ein enger Austausch zwischen diesen Parteien statt.
  • Wie wird in Ihrem Hause damit umgegangen?
    Für die Testung von Verdachtsfällen beziehungsweise die Behandlung von Covid-19 Fällen existiert eine festgelegte Arbeitsanweisung, in die selbstverständlich alle Mitarbeiter eingewiesen wurden. Zudem haben wir in unserer großangelegten Pandemieübung im Januar den Ernstfall geprobt und fühlen uns sicher im Umgang mit diesen Patienten und den Gegebenheiten. Das Vorgehen wird gegebenenfalls angepasst und engmaschig mit allen anderen Kliniken der Region und dem Gesundheitsamt nach Maßgaben des Robert-Koch-Institutes abgestimmt.
  • Ist Ihre Klinik gut ausgerüstet und auf einen möglichen „Ansturm“ an Infizierten vorbereitet? Wir sind vorbereitet für einen möglichen „Ansturm“ und haben vorsorglich Schutzmaterial bevorratet. Aber selbstverständlich sind auch wir von Lieferengpässen, die sich deutlich abzeichnen, betroffen und füllen unsere Bestände, so gut es uns möglich ist, auf.
  • Sind Maßnahmen der Art „Corona-Drive-In“ (Schnelltest auf dem Parkplatz vor Kliniken, z.B. in Hessen) bei Ihnen denkbar oder geplant?
    Aktuell sind derartige Maßnahmen nicht geplant, da unser Versorgungsauftrag in erster Linie für stationäre und nicht für ambulanten Patienten gilt. Diese werden dann meist in der Notaufnahme betreut.
  • Wozu raten Sie Personen, die Anzeichen für Corona bei sich feststellen oder befürchten, sich mit dem Virus angesteckt zu haben?
    Das ist laut den aktuellen Vorgaben des Robert Koch-Instituts dann gegeben, wenn Symptome wie Husten, Halsschmerzen, Fieber vorliegen und der Patient innerhalb der letzten 14 Tage in einem der Risikogebiete war oder Kontakt zu einer Person hatte, die nachgewiesenermaßen mit dem Coronavirus infiziert ist.
    In diesem Fall kann sich der Patient mit seinem Hausarzt TELEFONISCH in Verbindung setzen oder eine der hierfür eingerichteten Hotlines anrufen. Das ist in erster Linie der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 (rund um die Uhr erreichbar) oder das Bayerische Gesundheitsministerium unter Tel. 09131/6808-5101.

Kreisklinik Wörth a.d. Donau

Krankenhausdirektor Martin Rederer:
      • Kommt oder kam es auch in Ihrem Hause vor, dass Personen mit Verdacht auf Corona direkt in Ihre Klinik kommen?Nein, nicht vorgekommen
      • Gibt es noch ausreichend Vorräte an Desinfektionsmitteln und Mundschutz?Vorräte sind von den Lieferanten kontingentiert
      • Ist Ihre Klinik gut ausgerüstet und auf einen möglichen „Ansturm“ an Infizierten vorbereitet?Was ist Ansturm? eine stationäre Aufnahme ist nur bei klinischen Symptomen nötig; die Kliniken haben jede stationäre Aufnahme auf ihre Notwendigkeit hin zu prüfen
      • Wie viele Quarantäne-Patienten können Sie versorgen? – Wir haben maximal 6 Isolierzimmer, die aber auch für Influenza Patienten benötigt werden
      • Sind Maßnahmen der Art „Corona-Drive-In“ bei Ihnen denkbar oder geplant?Nein, sind derzeit nicht geplant
      • Wozu raten Sie Personen, die Anzeichen für Corona bei sich feststellen oder befürchten, sich mit dem Virus angesteckt zu haben? Die 116 117 (KVB-Bereitschaftsdienst) anzurufen

Uniklinikum Regensburg

Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) hat eine Beratungsstelle zum Vorscreening bei Patienten mit Verdacht auf Coronavirus eingerichtet. Getestet werden nur tatsächliche Verdachtsfälle.

Das UKR reagiert auf die deutschlandweit zunehmende Zahl an Erkrankungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 und hat im Außenbereich der interdisziplinären Notaufnahme eine Beratungsstelle eingerichtet, in dem Erstkontakte zu Verdachtsfällen stattfinden und Proben entnommen werden. Damit werden die Notaufnahme und die Ambulanzen entlastet sowie mögliche Ansteckungswege reduziert.

  • Wer wird getestet und wer nicht?
    Grundsätzlich gilt, dass auch weiterhin nur Personen getestet werden, bei denen der begründete Verdacht besteht, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben. Das Robert-Koch-Institut (RKI) macht klare Vorgaben, wer als Verdachtsfall gilt und bei wem ein Abstrich durchgeführt wird. Getestet werden demnach zwei Personengruppen:
    1. Personen, die direkten Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall hatten, auch wenn sie selbst keine Krankheitssymptome entwickelt haben.
    2. Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben und typische Krankheitssymptome (Husten, Schnupfen, Fieber) aufweisen.
    Das heißt auch: Personen, die in einem Risikogebiet waren, aber keine Krankheitssymptome aufweisen, werden ebenso wenig getestet wie Personen, die nur Krankheitssymptome aufweisen, nicht aber aus einem Risikogebiet kommen und auch keinen Kontakt zu einer bestätigt infizierten Person hatten.
    Diese Abgrenzung ist notwendig, weil die Kapazitäten für die Tests (Reagenzien und Labore) begrenzt sind und denjenigen Patienten vorbehalten werden müssen, die als tatsächliche Verdachtsfälle einzustufen sind.Weiterhin gilt, dass Personen mit einem begründeten Verdacht zuerst telefonisch Kontakt mit dem Hausarzt aufnehmen sollten. Dieser schätzt die Symptomatik medizinisch ein und informiert über die weitere Vorgehensweise. Zudem gilt nach wie vor, dass es sinnvoll ist größere Menschenansammlungen zu vermeiden und auf eine gute Hand-Basishygiene, regelmäßiges Händewaschen mit Seife, zu achten. Weitere Informationen stellen das Robert-Koch-Institut, das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie die Gesundheitsämter täglich aktuell zur Verfügung.
  • Wie ist das UKR vorbereitet?
    Das Universitätsklinikum Regensburg ist auf eine steigende Zahl an Erkrankten vorbereitet. Die Labore arbeiten intensiv, um alle Coronavirus-Tests, die auch von anderen Krankenhäusern in Bayern eingereicht werden, auszuwerten. Stationäre Behandlungsmöglichkeiten stehen im UKR bereit, darüber hinaus stimmt sich das UKR auch mit den Krankenhäusern der Region ab. Die Mitarbeiter des UKR wurden im Umgang mit infektiösen Patienten im Einklang mit den Richtlinien des RKI nochmals geschult und werden hierzu ständig auf dem Laufenden gehalten. Das UKR verfügt derzeit noch über Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel, hat aber auch Vorkehrungen getroffen, damit diese ausschließlich der Patientenversorgung zur Verfügung stehen.

Bezirksklinikum/medbo

Lissy Höller, Pressesprecherin medbo KU:
  • Da die medbo ausschließlich Fachkliniken (Neurologie und Psychiatrie) betreibt, sind wir kein Ansprechpartner für Erkrankungen mit dem Corona-Virus. Es wurden bei der medbo bereits in den vergangenen Wochen umfangreiche Maßnahmen zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern eingeleitet.
  • Zu Ihrer Frage wie Sie sich Personen, die Anzeichen für Corona bei sich feststellen oder befürchten, sich mit dem Virus angesteckt zu haben, verhalten sollen, kann sich jeder über die >> Internetseite des Robert-Koch-Instituts mit weiterführenden Informationen aus erster Hand versorgen.

Claudia Böhm

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

X