Den Römern sei Dank! Zweiter Welterbetitel für Regensburg! Die Unesco hat den Donaulimes geadelt. Von der römischen Außengrenze finden sich geschichtliche Zeugnisse auch in der Domstadt.

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Regensburg – Dass unsere Domstadt eine ruhmreiche Vergangenheit hat, weiß jedes Kind. Neben der Bedeutung im Mittelalter wurde die Stadt jetzt auch für ihre Rolle in der Römerzeit geehrt – als Teil des Donaulimes erhält Regensburg seinen zweiten Unesco-Welterbetitel!

Von Mario Hahn

Im Mittelalter war die Domstadt ein politisches Zentrum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation – von 1663 bis 1806 tagte hier der Immerwährende Reichstag – und ein blühendes europäisches Handelszentrum. Zudem hat Regensburg bis heute den deutschlandweit am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern – das alles bewog die Unesco im Jahr 2006 dazu, die Altstadt mit Stadtamhof zum Welterbe zu machen. Titel Nummer 1. Titel Nummer 2 folgte jetzt.

Kürzlich tagte im chinesischen Fuzhou das Unesco-Komittee. Dabei kamen die Experten zu dem Entschluss, die Welterbestätte „Grenzen des römischen Reichs“ – neben dem Obergermanisch-Raetischen Limes, also die römische Landgrenze zwischen dem Rhein und der Donau bei Eining – mit dem Donaulimes zu erweitern. Und weil Regensburg ein Teil davon ist, können wir mit Stolz sagen: Wir sind erneut Welterbe!

Neben Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer („Ich bin total begeistert und sehr glücklich!“) jubilierte auch Bayerns Kulturminister Bernd Sibler: „Wir haben es geschafft. Der Donaulimes wird Welterbe! Ich bin stolz auf diese großartige Auszeichnung!“

Das „document Legionslagermauer“ unter dem Parkhaus am Dachauplatz: Hier wird an das antike Weltreich erinnert.
Foto: Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser

Der deutsche Anteil am neuen Welterbe liegt ausschließlich in Bayern (und größtenteils in Niederbayern) und besteht aus folgenden Denkmälern:
■ Das Heilbad von Bad Gögging, Stadt Neustadt a.d. Donau
■ Heiligtum auf dem Weinberg bei Eining, Stadt Neustadt a.d. Donau
■ Kleinkastell Weltenburg, Stadt Kelheim
■ Kastell und Vicus (Zivilsiedlung) von Regensburg-Kumpfmühl, Stadt Regensburg
■ Kastell und Vicus (Zivilsiedlung) von Regensburg-Großprüfening, Stadt Regensburg
■ Teile des Legionslagers, der Zivilsiedlung und des großen Gräberfelds in Regensburg
■ Ostkastell und spätantikes Kastell unter St. Peter, Straubing
■ Amphitheater in Künzing
■ Altstadt von Passau, Kastell Boiotro und Wachtturm in Passau-Haibach, Stadt Passau

 

Grenze der Römer im Herze Europas

Die Zeit der Römer war prägend für weite Teile Europas und hat nicht nur in Bayern ihre Spuren hinterlassen. Der Limes ist hier die markanteste dieser Spuren. Bedeutende Teile der Grenze des Römischen Reichs bildeten aber die großen Ströme Rhein und Donau. Die Grenzen ziehen sie sich mit Legionslagern, Auxiliarkastellen, Wachttürmen, Brückenköpfen und zivilen Siedlungen in Europa von Schottland bis ans Schwarze Meer. Weitere Teile liegen im Vorderen Orient und ziehen sich vom Roten Meer durch Nordafrika bis an die Atlantikküste. Drei Teile der römischen Landgrenzen bilden bereits ein länderübergreifendes Welterbe: der Hadrianswall in England (Einschreibung 1987), der Obergermanisch-Raetische Limes in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz (Einschreibung 2005) und der Antoninuswall in Schottland (Einschreibung 2008). Der Donaulimes steht als Flussgrenze für ein anderes Konzept der Grenzverteidigung. Während bei den Landgrenzen physische Barrieren wie Palisaden, Mauern, Wälle oder Gräben die Grenze markierten, bildete mit der Donau der Fluss über mehr als vier Jahrhunderte die nördliche Grenze des römischen Reiches. Die Überwachungsaufgabe der römischen Soldaten bezog sich daher auch auf die wichtige Verkehrsader. An der rechten Flussseite finden sich, wie Perlen an einer Kette aufgereiht, in dem neuen Welterbe zahlreiche Militärlager auf einer Strecke von rund 600 Flusskilometern zwischen Bad Gögging bei Neustadt a.d. Donau und Iža in der Slowakei. Sie waren umgeben von zivilen Siedlungen. Zusammen bildeten diese Plätze nicht selten die Grundsteine für spätere, mittelalterliche Städte wie Regensburg oder Wien.

 

Projekt „Römerrastplatz“

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