Der „Bier-Heiner“ vom Adlersberg – fast täglich auf dem „Bock“ Heinrich Zenger werkelt seit 60 Jahren ununterbrochen für die „Prössls“ – jetzt als Bierfahrer

Adlersberg – Als Heiner Prössl 2007 einen neuen „Hanomag“ für seinen Heimdienst-Fahrer Heinrich Zenger kaufte, dachte er eigentlich, dass beide miteinander „in absehbarer Zeit in Rente“ gehen würden. Doch weit gefehlt. Der Lastwagen schnurrt nach 13 Jahren immer noch wie eine Katze. Das Unikat in dieser Besetzung ist allerdings der Fahrer: Heinrich Zenger ist 80 Jahre alt, fährt Woche für Woche von Montag bis Donnerstag seine Touren und bringt „seinen“ Kunden 20 Kilometer rund um den Turm der Klosterkirche Bier vom „Prösslbräu Adlersberg“ vor den Toren von Regensburg. Am 20. Juli feiert der „Bierheiner“, wie ihn die Menschen von Wolfsegg bis Hainsacker nennen, ein besonderes Dienstjubiläum: Seit 60 Jahren arbeitet er durchgängig für die Familie Prössl, zuerst in der Landwirtschaft, dann nach erfolgreicher Lehre als Brauer und jetzt als Bierfahrer mit seinem 120 PS starken Zweiachser.

Heinrich Zenger ist seit 60 Jahren ununterbrochen bei der Familie Prössl auf dem Adlersberg beschäftigt
Foto: Hans-Christian Wagner

Heinrich Zenger werkelt nicht nur Tag für Tag auf dem Adlersberg, sondern wohnt hier auch seit 1974. Jetzt im Hotel über dem früheren, mittlerweile umgebauten Kuhstall mit Kost und Logis als Bestandteil seines Lohnes. In der ganzen Zeit sei er nur zwei Mal krank gewesen, einmal wegen eines Leistenbruches und dann, als er nach einem Oberschenkelhalsbruch vor einigen Jahren eine neue Hüfte gebraucht hat. Als er 1960 in der mittlerweile nicht mehr betriebenen Landwirtschaft in die Dienste von Heinrich Prössl senior trat, musste erst einmal das Namens-„Problem“ gelöst werden, da es fortan drei „Heinrich“ in der alten Klosteranlage gab. „Heinrich“ wurde der Senior gerufen, Zenger selbst „Heiner“ und der ein Jahr und neun Monate alte Dreikäsehoch „Heini“. Verwechslungen, wer was zu erledigen hatte, waren somit ausgeschlossen.

Der Arbeitstag von Heinrich Zenger beginnt um 6.30 Uhr mit dem Laden seines Fahrzeugs. Zwei volle Kisten – eine links, eine rechts – packt er immer noch. Von 7 bis 14.30 Uhr fährt er dann auf seinen selbst ausgeklügelten Routen über die Dörfer und kennt seine Abnehmer natürlich persönlich. Die Bestellung und Auslieferung ist meist selbsterklärend. Das Leergut steht vor der Türe und wird entsprechend durch volle Kästen ausgetauscht.

Die 80 Lebensjahre sieht man dem „Bier-Heiner“ vom Adlersberg nicht an – arbeiten hält jung
Foto: Hans-Christian Wagner

Auch die Bezahlung funktioniert einfach. Meist ist das Geld – das „Tragl“ kostet 15,90 Euro – an einem vereinbarten Ort oder zwischen zwei Kisten versteckt. Und wenn einmal ein Kunde nicht liquide ist, „dann legt der Heiner das Geld schon einmal bis zu einem halben Jahr aus“, erzählt Braumeister Willi Riedhammer. Hauptsache die Abrechnung in der Brauerei stimmt am Ende der Tour.

Einmal hatte er Glück im Unglück, als ihn ein Langholztransporter bei Mariaort rammte. „Ich hab´ nichts dafür gekonnt“, erinnert er sich. Auf einmal habe es „einen Schepperer getan, und als ich in den Rückspiegel geschaut habe, war die Bordwand weg“. Mit der Bordwand allerdings auch die Ladung, die sich über die Straße verteilt hatte. Die im unfallbedingten Stau stehenden Autofahrer nutzen die Gunst der Stunde und halfen beim „Aufräumen“. Die unversehrten Kästen verschwanden in Windeseile in den Kofferräumen.

22 Hasen, zehn Gockel, Puten, Hühner, Rösser und Sauen auf dem Adlersberg zählen zu einem der drei Hobbies des gebürtigen Heitzenhofeners. Der Junggeselle ist eines von 17 Geschwistern, von denen sechs noch leben. 15,5 Liter „Haustrunk“, also Biersteuer freier Gerstensaft steht ihm gemäß Tarifvertrag der Brauer zu, weit mehr, als er selbst trinken kann. Die Geschwister und vor allem die Schwager freuen sich, wenn der Heinrich zu Besuch kommt. Die zweite Leidenschaft erkennen alle Besucher des Adlersberg auf den ersten Blick: Blumenschmuck, Dekoration und auch die florale Gestaltung der Kirche zählen zu den gerne übernommenen Aufgaben von Heiner Zenger. Wenn dann noch Zeit ist, widmet die „lebende Dorfchronik“ sich einem der zehn Vereine, in denen er Mitglied ist. Eine besondere Leidenschaft liegt dabei auf dem Stammtisch der Brieftaubenzüchter in Wolfsegg.

Zum 60-jährigen Dienstjubiläum spendierte Chef Heiner Prössl (links) einen Reisegutschein nach Rom für seinen dienstältesten Mitarbeiter Heinrich Zenger. Für die Belegschaft gratuliert Braumeister Willi Riedhammer (rechts)
Foto: Hans-Christian Wagner

Zum Jubiläum hat sich der „Prössl Heiner“ ein besonders passendes Geschenk für seinen streng gläubigen Mitarbeiter, der sich auch um die Kirchenpflege am Adlersberg kümmert, einfallen lassen: Zusammen mit seiner Schwester Marianne darf er im September kurz vor seinem 81. Geburtstag am 2. Oktober mit dem Reisebus in die „ewige Stadt“ Rom fahren. Dafür, dass in dieser Zeit keiner seiner Heimdienstkunden, Durst leiden muss, hat der „Bier-Heiner“ sicherlich schon einen Plan. (Quelle: H.C. Wagner)

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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