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Regensburg & Landkreis

Der „Heinze“ ist wieder da Das Regensburger Original steht wieder im Kiosk. Jetzt in Kumpfmühl.

„Wer den ‚Heinze‘ nicht kennt, kennt Regensburg nicht.“: Karl-Heinz Huf (mi.) mit seinem „sehr guten Freund“ Fritz (li.) und seinem „alten Schulfreund Manfred“

Regensburg – Mann, was war das für ein großes Ding, damals, vor knapp vier Jahren, als es hieß, der „Heinze vom Neupfarrplatz“ hört auf. Schon wieder ein Original weg, der letzte richtige Kioskmann von Regensburg sagte „Habe die Ehre“. Doch jetzt ist er wieder da, der Karl-Heinz Huf, wie er bürgerlich heißt: und zwar in Kumpfmühl bei Lotto Königsberger. „I‘m back“, sagt die Frohnatur. Die Auszeit hat ihm sichtlich gut getan.

Von Mario Hahn

Mit „Hast Du gehört“, fing es an… Der „Heinze“ solle angeblich wieder arbeiten, flüsterte mir ein Bekannter ins Ohr. Der „Heinze“, der in ganz Regensburg eine Institution war, bekannt wie ein bunter Hund, im positiven Sinn natürlich. Der „Heinze“, der zehn Jahre lang das kleinste Unternehmen der Stadt (Kiosk Huf am Neupfarrplatz) führte, dort, wo er jeden Gast wie einen Freund behandelte und sich auch Zeit für einen kleinen „Schmatz“ nahm. Auch mit mir. Diesen „Heinze“ wollte ich natürlich wiedersehen. So machte ich mich an einem Mittwoch auf in den Süden der Stadt, zu Lotto Königsberger. Dort arbeitet der „Heinze“ jeden Mittwoch, von 6 bis 12 Uhr, ehrenamtlich, wie er betont: „Ich mach‘ es nicht wegen des Geldes, sondern weil ich es will.“

Es gäbe noch ein Leben vor dem Tod

Und weil er es vermisst hat, wie er bei meinem Besuch erklärt. Ende Dezember 2015, als er seinen Kiosk in der Altstadt aufgab, war er „irgendwie ausgelaugt“. Es gäbe noch ein Leben vor dem Tod, sagte er sich damals. Also zog „Heinze“ die Reißleine, ließ es sich gut gehen, ging auf Reisen („Südtirol und Österreich“) – so lange, bis der Akku wieder aufgeladen war. „Dann fragte mich ein guter Freund, ob ich nicht wieder Lust hätte, zu arbeiten. Ich sagte sofort zu.“ Jetzt arbeitet „Heinze“ dort, wo er beinahe vor 20 Jahren schon gelandet wäre. „Diesen Kiosk, der früher die Buchhandlung Friedl war, wollte ich kaufen. Das Geschäft kam aber nie zustande.“

Jetzt ist er endlich da, und es hat sich nicht viel verändert zu früher. Noch immer kommen die Leute in Scharen, kaufen ihre Zeitungen und Zigaretten, ihr Eis und ihre Brotzeit. Sogar Klopapier und Lebensmittel („das Nötigste“) gibt es. Vor allem aber unterhalten sie sich. Genauso wie am Neupfarrplatz hat sich bei Lotto Königsberger ein Mikroklima sozialen Lebens etabliert.
Da ist zum Beispiel der Manfred, der stets dort seine Lottoscheine abgibt. Mit ihm war der „Heinze“ gemeinsam in der Schule. „Der Mane ist in der Siedlung aufgewachsen, ich in Roahausen.“ Mit der Siedlung ist natürlich die Konradsiedlung gemeint, mit Roahausen der Stadtteil Reinhausen.

Alle freuen sich, dass “Heinze” zurück ist

“Heinze” an seinem neuen Arbeitsplatz bei Lotto Königsberger

Da ist auch der Fritz. Er ist da, „weil der Karl-Heinz da ist“. Ein „sehr guter Freund“, urteilt der „Heinze“ über den Fritz. Am Laden huscht gerade der „Fräser“ vorbei, sagt kurz Servus, sieht mich, den Reporter, und meint: „Wer den ‚Heinze‘ nicht kennt, kennt Regensburg nicht. Gut, dass Du über ihn schreibst. Der hat‘s verdient.“
Schon ist der „Fräser“ wieder weg. Dafür kommt um die Ecke eine junge Frau. „Hast Du Sahne im Sortiment“, fragt sie den 66-Jährigen. Der überlegt kurz, verneint, und die junge Dame ist schon wieder auf und davon. Wie sie heißt, will ich wissen. „Das fällt mir jetzt gerade nicht ein, aber ich habe ihr vor kurzem einen Job im Spitalgarten verschafft“, informiert er mich. Wie er das geschafft habe? „Ganz einfach, ich hab den Willi angerufen, auch ein Klassenkamerad von früher. Schon hat‘s geklappt. Der Willi ist ein Guter. Der hat mehr erreicht als wir.“ Der „Willi“ ist übrigens der frühere Spitalmeister Willibald Koller.

„Es macht mir wahnsinnig viel Spaß, wieder unter meinen Leuten zu sein“, verrät mir der „Heinze“ zum Schluss meines Besuchs. Bei Lotto Königsberger werde er noch lange weitermachen. Außer, es kommt etwas Unerwartetes dazwischen. So wie die Frau Müller, der letzte Gast, es ist schon kurz vor zwölf Uhr. „Der ‚Heinze‘ ist gut, der würde mir schon gefallen“, sagt die nette Dame, fügt aber sofort hinter: „…wenn ich nicht schon einen Mann hätte.“

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