Die Stimme der ostbayerischen Wirtschaft: Michael Matt, der neue IHK-Präsident, im Blizz-Redaktionsgespräch Optimist aus Überzeugung

Aktualisiert vor 2 Jahren von Mario Hahn

Regensburg – Seit einem Dreivierteljahr ist Michael Matt (59) Präsident der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Der erfolgreiche Optik-Unternehmer füllt sein Ehrenamt mit großem Engagement aus. Themenfelder gibt es ja genug. Im Gespräch mit dem Blizz-Redaktionsleiter plaudert der Familienvater aber auch über Privates.

Von Mario Hahn

Blizz: Herr Matt, was hat Sie dazu bewogen, das zeitintensive Amt des IHK-Präsidenten anzunehmen? Als Geschäftsführer von Matt Optik haben Sie doch bestimmt einen straffen Terminkalender.

Michael Matt: Naja, erstmal handelt es sich um ein Ehrenamt und wenn einem so etwas angetragen wird, meine ich, kann man nicht so einfach absagen. Denn es ist eine große Ehre, als Kandidat überhaupt in Frage zu kommen. Außerdem sehe ich es als Unternehmer schon als gesellschaftliche Verpflichtung an, dass man sich engagiert. Sehr gern übernehme ich die Verantwortung für die Region und freue mich, die Zukunft Ostbayerns aktiv mitzugestalten. Es ist ein horizonterweiterndes Amt, das wird spannend.

Haben Sie sich auch Tipps von Ihrem Vorgänger geholt?

Nein, von Gerhard Witzany habe ich mir keine Tipps geholt. Ich habe ihn fünf Jahre als Präsidenten erlebt und wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Aber es ist schon ein sehr persönliches Amt, da geht jeder etwas anders ran.

Sie wollen also praktisch ihre „eigene Duftmarke“ setzen?

Ja. Wichtig ist mir dabei, dass sich die Menschen wohlfühlen. Und dass ich meine Arbeit gut mache. Da hat mich sehr mein Vater geprägt. Der sagte immer: ‚Wenn Du etwas machst, dann mach‘ es richtig!“

Michael Matt: „Wenn du etwas machst, mach‘ es richtig.“
Foto: Knorr/IHK

Das Amt ist auf fünf Jahre ausgelegt. Welche Herausforderungen sehen Sie in dieser Zeit für den IHK-Bezirk?

Die Herausforderungen sind schon vielfältig und auch weit-gehend bekannt. Da sind zum Beispiel die Mobilität und Infrastruktur, der Fachkräftemangel und die Digitalisierung, die uns bei der IHK umtreiben. Aber es ist auch wichtig, aus erster Hand zu erfahren, was die Unternehmer in der Region umtreibt und was sie sich in den nächsten Jahren von ihrer IHK erwarten. Speziell dafür haben wir im November einen Ehrenamtsworkshop durchgeführt. Die Ergebnisse werden bei der nächsten Vollversammlung im April präsentiert und bestimmen dann unsere Arbeit für die nächsten fünf Jahre.

Auch das „Aussterben der Innenstädte“ ist ein Thema.

Ja, auch hier suchen wir Lösungen. Aber klar ist: Der stationäre Handel muss neue Wege gehen und das letzte Pfund ausspielen, das er noch hat: die emotionale Seite. Zudem muss der Handel neben dem Vorort-Sortiment auch die Sortimente des Internets nutzen, um die Kundenwünsche erfüllen zu können.

Was ist ihr persönliches Ziel für die nächsten fünf Jahre?

Mein persönliches Ziel ist es, das Thema IHK vor Ort auch weiterhin im Fokus zu haben. Nach den sehr interessanten Jubiläumsveranstaltungen in der Region stehen nun die Betriebsbesuche an, die mich in interessante Betriebe führen. Ich freue mich bereits jetzt auf die Gespräche.

Herr Matt, kürzlich erklärten Sie, die Konjunktur im IHK-Bezirk verliere an Dynamik. Wie sehr spielt hier die internationale Politik eine Rolle?

Eins vorneweg: Wir „jammern“ auf sehr hohem Niveau. Aber natürlich wirkt sich die Weltpolitik sehr stark auf Ostbayern aus. 55 Prozent unserer Güter gehen ins Ausland. Aber egal, ob Trump mit seinen Autozöllen oder der Brexit – die Situation ist nun mal so, wie sie ist. Wir müssen damit umgehen.

Welche Rolle spielt China?

Nun ja, Sie wissen sicher von der neuen Seidenstraße, die von China bis nach Duisburg verläuft, dem weltgrößten Binnenhafen. Die Chinesen haben sich entlang der Strecke schon die wesentlichen Häfen und Bahnkreuze gesichert. China wird eine große Macht werden. Für uns Europäer wird es wichtig sein, dass wir uns auf unsere Stärken konzentrieren und weiter innovativ handeln. Aber ich habe keine Angst vor der Zukunft. Im Gegenteil: Ein Wettbewerb kann oft fruchtbar sein. Man muss immer weiter denken, muss vital bleiben und kann sich nicht ausruhen.

Europa muss mit einer Stimme sprechen, oder?

Zu 100 Prozent. Ja.

Unsere Leser/innen wollen auch den „Menschen Michael Matt“ kennenlernen. Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Es fällt mir nicht leicht, über mich selbst zu sprechen. Aber es ist schon so, dass ich ein sehr positiver Mensch bin, ein Optimist, der im Menschen immer erst das Gute sieht, ganz ohne Vorurteile. Ich versuche, jedem erst mal die Chance zu geben, sich zu beweisen und seine Gedanken umzusetzen. Auch wenn das im Unternehmen oft nicht einfach ist. Und wenn es dann mal nicht so läuft wie gedacht,, ist es auch nicht so schlimm. Aus Fehlern lernt man. Nur sollte man denselben Fehler nicht allzu oft machen.

Wer prägte Sie am meisten?

Neben meinem Vater ganz klar meine Ehefrau Birgit.

Wie verbringen Sie Ihre wenige Freizeit?

Am allerliebsten verbringe ich die mit meiner lieben Birgit und sehr gern verbringen wir unseren Urlaub mit dem Wohnmobil in Skandinavien. Das lassen wir uns nicht nehmen. Apropos Wohnmobil: Da steigt man ein und ist sofort im Urlaubsmodus. Der Urlaub geht praktisch schon vor der Haustüre los.

Was ist Ihnen im Leben besonders wichtig?

Meine Familie und der Kontakt zu unseren Freunden sind mir besonders wichtig.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden.

Vita und Unternehmen

■ Michael Matt ist seit 35 Jahren mit seiner Ehefrau Birgit verheiratet. Auch ist er Vater zweier erwachsener Kinder.

■ Als Geschäftsführer von Matt Optik GmbH & Co. KG mit Sitz in Regensburg ist der 59-Jährige Chef von 450 Mitarbeitern und 75 Auszubildenden in 86 Filialen. Über Bayern hinaus bietet sein Unternehmen Brillen, Kontaktlinsen und Hörgeräte an.

■ Geprägt haben Michael Matt sein Elternhaus und das Familienunternehmen. Nach der Ausbildung und dem Studium zum Augenoptiker in Berlin trat Michael Matt im Jahr 1986 ins elterliche Unternehmen ein. 1996 übernahm er die Firma und baute sie zusammen mit seiner Frau Birgit weiter aus.

■ Michael Matt ist seit 2001 Mitglied des Rotary Clubs. Bei der Freiwilligen Feuerwehr ist er seit 1996 aktiv, bis Ende Dezember 2018 war er sogar Feuerwehr-Gruppenführer. Michael Matt war zudem bis Oktober 2018 Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sehhilfe und ist Vizepräsident und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Opticland.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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