Donauidylle oder Partyzone? Spannungen zwischen Anwohnern und Feiernden in Regensburg wachsen

Regensburg – Bismarckplatz, Villapark, Jahninsel, Grieser Spitz und das Donauufer rund um die Steinerne Brücke. Eine Aufzählung von Sehenswürdigkeiten für Welterbe-Touristen? Ja. Aber zugleich auch eine Liste der aktuellen Party-Hotspots in der Domstadt. Während Bars und Clubs von Corona-Maßnahmen betroffen sind, suchen sich feierfreudige Jugendliche und Junggebliebene alternative Treffpunkte – zum Leidwesen von Anwohnern. Die Stadt steht unter Druck und zieht harte Maßnahmen in Erwägung.

Von Claudia Böhm

An zwei Seiten von Wasser umgeben, baumbestanden und ohne Bebauung, ist die Grünfläche Grieser Spitz am östlichen Ende von Stadtamhof einer der vielen idyllischen Flecken der Stadt. Besonders bei gutem Wetter kann man es hier aushalten und geltende Abstandsregeln einhalten. Wenn nicht gerade Ausnahmezustand wegen Corona herrscht, finden auf der Wiese am „Rockzipfel“ beliebte Feste wie das Mittelalter-Event Spectaculum oder das Jahninselfest statt.

Anwohner beklagen Lärm und Müll

Wer Vorschriften der Grünanlagensatzung zuwiderhandelt, kann einen Platzverweis bekommen

Die im Gegensatz zur Innenstadt relativ wenigen direkten Anwohner kennen sich also mit Feiernden aus. Doch in den letzten Wochen haben immer mehr junge Leute den Gries zu ihrer Party-Location auserkoren. Leere Flaschen, Pizzakartons und Dönerpapier bleiben zurück – wie überall, wo es zu wenige Mülleimer für zu viele Menschen gibt. Weil mit steigendem Alkoholpegel oft auch die Lautstärke zunimmt, kommt es immer öfter zu Beschwerden. Auch dass dringende Bedürfnisse hinter Hecken und parkenden Autos erledigt werden (müssen), sorgt für Spannungen.

Zu wenige öffentliche Toiletten

Die Not mit der Notdurft ist eines der Themen, die die grüne Stadtratsfraktion aufgreift. „Viele Kneipen und Bars, die aktuell nur ToGo-Verkauf anbieten, dürfen niemanden in den Innenbereich lassen – auch nicht, um sie kurz auf die Toilette gehen zu lassen“, so Stadtrat Michael Achmann. „Die Öffnungszeiten der öffentlichen Toiletten müssen verlängert werden und an Orten, an denen sich viele Menschen treffen, muss es Ausgleich für fehlende Toiletten geben.“

Grüne fordern Konzept von der Stadt

Grundsätzlich vermissen die Grünen ein Konzept, wie man mit dem Regensburger Nachtleben umgehen wolle. Ob ein Betretungsverbot für den Grieser Spitz, wie es die Stadtspitze derzeit diskutiert, eine gute Lösung ist? „Wenn der Gries gesperrt werden sollte, sind die Leute ja nicht plötzlich weg“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Stefan Christoph.

Offiziell um für die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen zu sorgen, patroullieren Regensburger Polizeibeamte und der Kommunale Ordnungsservice (KOS) der Stadt seit einem Monat zwischen Jahninsel und Grieser Spitz. Die meisten Nachtschwärmer verhielten sich rücksichtsvoll in Bezug auf die Abstandsregeln und auf die Anwohner, heißt es vonseiten der Polizei. Schwarze Schafe gibt es aber immer und überall.


Grünanlagensatzung der Stadt Regensburg

Es ist u.a. verboten, auf öffentlichen Grünflächen …

  • Musikinstrumente oder Lautsprecherboxen zu gebrauchen (22-7 Uhr auf Jahninsel und Grieser Spitz)
  • sich in einem Rausch- oder ähnlichen Zustand aufzuhalten
  • die Notdurft außerhalb der Toilettenanlagen zu verrichten
  • Ball zu spielen

>> Link zur Grünanlagensatzung

Am Grieser Spitz in Regensburg, Stadtamhof

 

Claudia Böhm

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