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Kultur & Freizeit, Regensburg & Landkreis

donumenta-Initiatorin Regina Hellwig-Schmid über ihr neuestes Projekt „ART LAB – Gleis 1–9“ „Kunst zu den Menschen bringen“

Regina Hellwig-Schmid im kümmert sich von ihrem Atelier am Wiedfang aus um die künstlerische Leitung der donumenta e.V.

Regensburg – Entspannt sitzt Regina Hellwig-Schmid auf dem Fensterbrett in ihrem Atelier unten an der Donau. Sie blickt verträumt zu dem Fluss hinunter, der ihr Leben maßgeblich beeinflusst. Denn als Gründerin von donumenta e. V. stellt die freischaffende Künstlerin die Kunst und Kultur der Donauländer in den Mittelpunkt. Demnächst ist ihr neuestes Projekt „ART LAB – Gleis 1-9“ am Hauptbahnhof zu bestaunen.

Von Mario Hahn und Claudia Böhm

Blizz: Das „ART LAB – Gleis 1-9“ in der früheren Unterführung im Hauptbahnhof wird am 4. Juni mit einer Performance und Installationen des Düsseldorfer Künstlers Marcus Kaiser eröffnet. Worauf können sich die Regensburger/innen freuen?

Regina Hellwig-Schmid: Erst einmal auf einen atmosphärischen Raum, der in Regensburg seinesgleichen sucht. Ein rund 60 Meter langer Tunnel, der größtenteils so erhalten ist, wie er einmal gebaut wurde. Es ist kein klassischer Ausstellungsort für Malerei, so ein Raum fordert installative Arbeiten. Von Marcus Kaiser, gerade zurückgekommen aus London, dürfen wir etwas ganz Besonderes erwarten. Er ist nicht nur ein herausragender Künstler im Sinne von bildender Kunst, er ist auch Komponist, studierte Musik, ist Cellist und hat sein ganzes Leben, sein ganzes Tun mit der Kunst verbunden. Für ihn ist alles eine Lebensrauminstallation, z. B. aus Tausenden Teebeuteln bestehend, die wie ein riesiges Kamel daherkommt. Er macht aus diesen Dingen, die andere achtlos wegschmeißen, etwas ganz Besonderes.

Wie kamen Sie auf Kaiser?

Für diese Ausstellung, in diesem tollen Raum, da muss etwas ganz Kraftvolles her, und Marcus Kaiser, der hat es. Er wird für die Dauer der Ausstellung, zwei Monate, in Regensburg sein. Er bleibt bei seiner Kunst, denn er lebt für seine Kunst. Ihm geht es darum, dass auch der Besucher teilnehmen kann, dass es nicht so getrennt ist wie im Museum. Marcus Kaiser hat viele tolle Ideen. Es wird auch Bepflanzungen geben – in gewisser Weise wird dort in der Unterführung ein Urwald entstehen und ein großer Raum der Möglichkeiten.

Für dieses Jahr sind für das ART LAB weitere Projekte mit der Bildhauerin und Fotografin Magdalena Jetelová und dem Theaterkünstler, Lyriker und Essayist Karpat Berkan geplant. Verraten Sie uns, was Sie mit den beiden vorhaben?

Foto: donumenta e.V.

Uns geht es immer darum, Schnittmengen und Überschneidungen der Kunst mit Wissenschaft und dem Alltagsleben herzustellen. Mit Karpat Berkan ist uns das gut gelungen. Er ist bekannt für irrsinnige Lichtinstallationen. Der Ausstellungstitel wird lauten: Sing mir ein Bild. Im August geht es los. Sie können neugierig sein!
Magdalena Jetelová ist die Dritte im Bunde. In Regensburg kennt jeder ihre roten Säulen (Kunstforum Ostdeutsche Galerie; Anm.d.Red.). Ich bin mit Magdalena seit vielen Jahren befreundet und habe ihr von dem Projekt erzählt. Sie hat sogleich zugesagt und hatte sofort eine Idee. Auch da haben wir etwas zu erwarten. Unsere Vorstellung: Die Kunst soll zu den Menschen kommen und der Mensch soll auch die Erwartung haben, er partizipiert daran. Ich glaube, die Zeit ist reif, dass sich Menschen einbringen und an der Kunst beteiligen. Ich glaube, dass es nicht mehr darum geht, unter der Glasvitrine etwas zu zeigen. Ich finde, was Museen machen, großartig: bewahren und erhalten. Das ist aber nicht unsere Aufgabe. Wir wollen in den Menschen Bilder erzeugen, wir wollen Gefühle erzeugen.

Mit der Rasenskulptur „PerspektivWechsel“ 2008 am Donaumarkt, der Rufnummer für Frauen in Not, die seit 2000 gegenüber den Arcaden steht, und jetzt neu, der Installation am Hauptbahnhof, machen Sie den öffentlichen Raum für Bürger/innen in gewissem Sinne „nutzbar“. Bewusstes Ziel oder Zufall?

Ich konzentriere mich bewusst auf Kunst, die zu den Menschen kommt. Ich stelle zwar auch in Museen aus, frage mich aber, wo kann ich die meisten Menschen erreichen, und das ist der öffentliche Raum. Wenn ich an diese Rasenskulptur von damals denke – ich habe damals noch im Osten gewohnt und bin jeden Tag daran vorbeigelaufen – da habe ich mir überlegt: Am schönsten wäre es, wenn ich das Ganze über Nacht in eine grüne Wiese verwandeln könnte. Damals waren dort ja noch viele Bauruinen, und Müll lag herum. Mit der Idee bin ich dann losgezogen, habe Sponsoren aufgetrieben, und sogar die Stadt hat mitgemacht. Das Stadtgartenamt wollte sich damals für die Entente Florale bewerben, sonst hätte ich das gar nicht geschafft. Rollrasen verlegen wäre alleine vielleicht noch gegangen, aber die ganzen Altlasten mussten entfernt werden.

Die Unterführung am Hauptbahnhof in Regensburg – dank donumenta und Regina Hellwig-Schmid endlich wieder zugänglich. Foto: donumenta e.V.

Sie hatten 2002 die Idee, donumenta zu gründen. Wie sehr profitierte Regensburg davon?

Da würde ich jetzt mit Stolz sagen: unendlich! Weil ich gar nicht weiß, was vorher an internationalen Dingen war. Es waren ganz tolle Galerieleiter zwischendrin, es gab einige tolle Ausstellungen, aber ich behaupte, etwas Vergleichbares wie die donumenta gab es absolut nicht. Die donumenta ist landauf, landab bekannt, vielleicht anderswo bedeutender als in Deutschland, weil die Donau ist ja doch sehr gebunden. Die Münchner können mit der Donau nicht mehr viel anfangen, die Berliner schon gleich gar nichts mehr. Das Anliegen der donumenta war, ein Ankerplatz der Kunst- und Kultur der Donauländer zu werden. Das ist uns brillant gelungen. Zehn Jahre haben wir die Donauanreinerstaaten, von der Ukraine bis herauf nach Deutschland, in der ganzen Bandbreite präsentiert. Es ging dabei nicht nur um die bildende Kunst; wir haben Filme gebracht, Theater, Literatur, dabei immer mit der Uni zusammengearbeitet – auch jetzt. Man kann ein Land, Menschen und auch die Kunst der Menschen aus einer bestimmten Region nicht verstehen, wenn man nicht ein bisschen was über die Geschichte und die Sozialisation dieser Menschen weiß. Gerade in diesem Kulturraum, wo die Menschen kommunistische oder sozialistische Zeiten hinter sich haben, da hat die Kunst schon einen anderen, stellenweise auch höheren Stellenwert.


  • Das ART LAB Gleis 1-9 erfüllt den Anspruch der donumenta, Kunst zu Menschen zu bringen.
  • Tunnel für die Kunst: Bis 2004 eilten täglich Reisende durch die Unterführung im Hauptbahnhof. In den letzten 15 Jahren wurde der Tunnel als Lagerraum benutzt. Für donumenta wird er wieder geöffnet.
  • Auf 60 Metern Länge bietet die Ausstellung auf kurzer Distanz maximales Reiseerlebnis.
  • Eröffnung: 4. Juni um 12 Uhr
  • Ausstellungszeitraum: 1. Ausstellung von 4. Juni bis 28. Juli mit Installationen des Düsseldorfer Künstlers Marcus Kaiser, weitere Ausstellungen folgen.
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr, Donnerstag 14 bis 22 Uhr
    Mehr Infos unter www.donu menta.de/art-lab-gleis-1-9

Regina Hellwig-Schmid …

ist die künstlerischen Leiterin von donumenta e. V., gegründet 2002 in Regensburg. Die donumenta trägt wesentlich zum Profil der Welterbe-Stadt als Ort zeitgenössischer Kunst bei und fungiert als Drehscheibe des internationalen Kulturaustauschs mit den Ländern an der Donau.

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  1. Sehr geehrte Frau R.Hellwig-Schmid
    Der Kunstkreis Regensburger Sonntagsmaler : Besteht seid 1975 wir sind eine feste Institution in Regensburg. Darf ich an Sie herantretten mit der Frage ob für uns die Möglichkeit besteht in dem Bahnhofstunnel unter ihrer Leitung auszu -stellen.

    Mit freundlichen Grüßen Hannelore Wimmer Vorstand Kunstkreis Regensburger Sonntagsmaler

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