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Regensburg & Landkreis, Wissenschaft

DPG-Tagung: 5.500 Gäste und 4.520 Vorträge in 5 Tagen Wie die Universität Regensburg Europas größte Physikertagung stemmt

Bei der Arbeit: Prof. Dr. Dieter Weiss, Cordula Böll und Nicole Kellner vom Regensburger Organisationsteam der DPG-Tagung (von links nach rechts) Foto: © Universität Regensburg, Margit Scheid

Regensburg – In der ersten Aprilwoche wird Regensburg zur europäischen Physik-Hauptstadt, wenn Gäste aus aller Welt zur Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (kurz: DPG) an die Universität Regensburg kommen. Was es heißt, 5.500 Gäste, 130 Helferinnen und Helfer, 4.520 Vorträge und ungezählte Liter Kaffee sinnvoll über einen Campus zu verteilen – darüber kann das Regensburger Organisationsteam berichten.

Das Regensburger Organisationsteam

Und dieses Orga-Team ist überraschend klein, im Kern besteht es aus sechs Personen: Professor Dr. Dieter Weiss ist der örtliche Tagungsleiter, DPG-Mitglied und Inhaber des Lehrstuhls für Physik der Mikro- und Nanostrukturen. Er ist der Chef des Regensburger Teams und vor allem dann zur Stelle, wenn es darum geht, Grundsätzliches auszuhandeln, wie zum Beispiel die Kooperation zwischen dem Regensburger Verkehrsverbund und der DPG-Konferenz. Herrin über alle mit der Tagung verbundenen logistischen Herausforderungen – von der Raumverteilung über die Rekrutierung und den Einsatzplan aller Helfer bis hin zu Fragen des Caterings – ist die Tagungsorganisatorin Cordula Böll. Für die Ausstellung „Physik hautnah“, die parallel zur Tagung im Donaueinkaufszentrums gezeigt wird, ist die Bachelorstudentin Nicole Kellner zusammen mit Erich Hans und Christoph Rohrer von der Physikfakultät mit im Team. Christian Bäuml schließlich organisiert die Industrie- und Buchausstellung, die im Rahmen der Frühjahrstagung im Sammelgebäude, im Lichthof des Wirtschaft-und Recht-Gebäudes und im Audimax-Foyer stattfinden wird.

Neben diesem Kern-Team baut die Tagung auf die Unterstützung zahlreicher anderer Kräfte, etwa der 130 Helferinnen und Helfer, die während der Konferenz im Tagungsbüro helfen, sich um die Technik kümmern, Kaffee ausschenken und bei Fragen weiterhelfen werden. In irgendeiner Form ist natürlich auch die gesamte Physik-Fakultät in die Vorbereitungen involviert und spätestens in der Tagungswoche sind alle Uni-Angehörigen Mit-Gastgeber, wenn sie sich die Infrastruktur der Universität mit den Gästen aus der Physik teilen.

Was ist die DPG-Frühjahrstagung und warum findet sie in Regensburg statt?

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft veranstaltet jedes Jahr vier Frühjahrstagungen an wechselnden Tagungsorten. Diese vier Tagungen richten sich jeweils an eine bestimmte Sektion der DPG, sind also inhaltlich klar voneinander abgegrenzt. In Regensburg trifft sich alle drei Jahre die größte von ihnen, die Sektion „Kondensierte Materie“. Sie deckt eine große Bandbreite von physikalischen Forschungsbereichen ab, darunter zum Beispiel die biologische, chemische und medizinische Physik, die Halbleiter- und Vakuumphysik, die Physik der Tiefen Temperaturen, der Dünnen Schichten, die Oberflächenphysik oder auch den Magnetismus. Die Frühjahrstagungen stellen eine wichtige Plattform gerade auch für junge Nachwuchs-Wissenschaftler und -Forscherinnen dar, die hier ihre Arbeiten zum ersten Mal einem größeren Fachpublikum vorstellen können.

Regensburg ist schon seit 1990 in regelmäßigen Abständen Austragungsort einer der DPG-Frühjahrstagungen. Nach Regensburg geholt hat die Tagung der bereits 2001 emeritierte Professor Horst Hoffmann, der die Tagungsleitung 1998 an Professor Weiss übergeben hat.  Für die Regensburger Fakultät für Physik ist die Gastgeberrolle keine lästige Pflicht, sondern eine willkommene Möglichkeit, ihre Verankerung in der wissenschaftlichen Gemeinschaft weiter zu stärken. Trotz kleinerer Mankos wie dem fehlenden Flughafen oder der nicht immer leicht zu findenden Übernachtungsmöglichkeiten hat sich Regensburg als Tagungsort bewährt, denn durch die Campuslage der Universität sind alle Orte des Tagungsgeschehens innerhalb weniger Minuten zu Fuß zu erreichen. Und eine Universität mit 20.000 Studierenden kann außerhalb der Vorlesungszeit die nicht unerhebliche Zahl von 5.500 Physikerinnen und Physikern aufnehmen und dank ihrer Partner wie dem Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz und der Uni-Pizzeria Unikat auch gut versorgen. Neben der Reputation, Austragungsort der größten Physikertagung Europas zu sein, bringt die Gastgeberrolle natürlich auch Einnahmen und die Stadt kann sich über 5.500 Übernachtungsgäste mehr freuen, die ohne Physikertagung die Reise an die Donau vermutlich nicht angetreten hätten.

Wie man eine Physikertagung organisiert: Die Brezen-Formel für das Catering und Papierkram für 130 Helfer

Obwohl die Tagung schon kurz bevorsteht, macht das Orga-Team einen entspannten Eindruck. Professor Dieter Weiss und Cordula Böll sind ein eingespieltes Team, zusammen bereiten sie die Tagung nach 2013 und 2016 heuer zum dritten Mal vor. Cordula Böll sind die Herausforderungen des Veranstaltungsmanagements an der Universität Regensburg wohl vertraut, als Elternzeitvertretung war sie bereits für die Organisation zentraler Uni-Veranstaltungen verantwortlich, etwa für den Dies academicus, den Winterball, das Sommerfest und für die Vorbereitungen zum 50-jährigen UR-Jubiläum. Sie kennt also die Kolleginnen und Kollegen im Hörsaaldienst, der Raumverwaltung und im Facility Management. Dass sie selbst keine Physikerin ist, sieht sie durchaus als Vorteil, denn so kann sie sich auf das Organisatorische konzentrieren und läuft nicht Gefahr, das große Ganze durch eine faszinierende Fachdiskussion aus den Augen zu verlieren.

Doch ganz spurlos gehen die Physikertagungen auch an ihr nicht vorbei, etwa wenn sie das Catering für die Posterausstellungen nach der sogenannten Brezen-Formel organisiert (Uhrzeit < 17 Uhr: 3,5 Brezen + 5,5 Softgetränke x Anzahl der Poster; Uhrzeit ≥ 17 Uhr: 3,5 Brezen + 3,5 Bier + 2 Softgetränke x Anzahl der Poster).

Mit den Vorbereitungen für die Konferenz fängt das Organisationsteam bereits zwei Jahre im Voraus an: Sobald feststeht, dass die DPG wieder in Regensburg tagen will, werden bei der Raumvergabe die benötigten Hörsäle und Seminarräume reserviert. Etwa fünf Monate vor Tagungsbeginn geht es dann in die Feinplanung und etwa drei Monate vor dem ersten Konferenztag nimmt die Organisation richtig an Fahrt auf. Am aufwendigsten, sagt Cordula Böll, ist es, alle Helferinnen und Helfer zu rekrutieren – die meisten von ihnen sind Regensburger Studierende, die sich an der Universität auskennen und den Gästen bei Fragen zum Regensburger Campus weiterhelfen können. Sind alle helfenden Hände gefunden, erstellt Cordula Böll einen Einsatzplan und zieht anschließend in den Papierkrieg, denn dann gilt es 130 Verträge zu schließen und dafür zu sorgen, dass alle Unterlagen rechtzeitig vorliegen.

Die Sanierung des Uni-Forums und der -Tiefgaragen stellt die Organisatoren in diesem Jahr mit Sperrungen, Umleitungen und einer Verknappung von Stellplätzen vor zusätzliche Herausforderungen. Doch mit einer durchdachten Beschilderung und mit dem Tagungsticket für den Regensburger Verkehrsverbund hofft das Team, auch diese Klippen umschiffen zu können.

Die DPG-Tagung für Nicht-Physiker: Experimente im DEZ, Einstein-Slam und Öffentlicher Abendvortrag

Mit der Beschaulichkeit, die sonst oft in der vorlesungsfreien Zeit herrscht, wird es in der ersten Aprilwoche an der Universität Regensburg vorbei sein. Stattdessen belebt sich der Campus wieder, Uni-Angehörige können die Angebote der zusätzlichen Foodtrucks ausprobieren und haben die Möglichkeit, ihr physikalisches Wissen aufzufrischen. Denn wer Physik grundsätzlich spannend findet, der kann sich folgende Veranstaltungen der DPG schon mal vormerken.

Die Ausstellung „Physik hautnah“ bringt physikalische Experimente aus der Universität in die Stadt hinein, genauer gesagt ins Donaueinkaufszentrum. Vom 4. bis zum 6. April – also von Donnerstag bis Samstag – zeigen Regensburger Studentinnen und Studenten an 14 Versuchsständen Experimente mit Verzerrspiegeln, Chladnischen Klangfiguren, den Magdeburger Halbkugeln, einem Cartesischen Taucher, einer Nebelkanone, einer HeatPipe und anderen Versuchsvorrichtungen. Eine Kinderrallye und täglich mehrmals stattfindende Bühnenshows ergänzen die Ausstellung. Der Eintritt ist frei.

Am Montagabend, dem 1. April, findet um 20 Uhr im Audimax der Universität der Einstein-Slam statt, bei dem Tagungsteilnehmer in zehn Minuten ein physikalisches Thema kreativ, charmant, witzig und vor allen Dingen verständlich erklären sollen. Als Preis für den besten Vortrag wird der „Goldene Albert“ verliehen. Der Eintritt ist frei.

Beim öffentlichen Abendvortrag am Mittwoch, dem 3. April, der ebenfalls um 20 Uhr im Audimax stattfindet, spricht Professor Dr. Gianfranco Pacchioni von der Universität Mailand-Bicocca über „Die Überproduktion von Wahrheit“. Professor Pacchioni wirft einen kritischen Blick auf die stark angestiegene Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Dieser Anstieg bringe es mit sich, dass auch Betrugsversuche, Plagiate und die angebliche Teilnahme an nicht existenten Tagungen zunehmen. Professor Pacchioni macht sich für einen entschleunigten wissenschaftlichen Ansatz stark, der mehr Wert auf Qualität als auf Quantität legt.
Vortrag in englischer Sprache, Diskussion auf Deutsch, der Eintritt ist frei.

 

Öffentliche Veranstaltungen im Rahmen der DFG-Frühjahrstagung:

Einstein-Slam
Montag, 1. April 2019, 20 Uhr

Universität Regensburg, Audimax
Eintritt frei

 

Öffentlicher Abendvortrag von Professor Dr. Gianfranco Pacchioni

“The overproduction of truth. Passion, competition, and integrity in modern science”
Mittwoch, 3. April 2019, 20 Uhr

Universität Regensburg, Audimax
Vortrag in englischer Sprache, Diskussion auf Deutsch, der Eintritt ist frei.

 

Ausstellung „Physik hautnah“

Donnerstag, 4. April bis Samstag, 6. April 2019
10 bis 19 Uhr
Bühnenshows jeweils um 10.00, 11.30, 14.00 und 16.00 Uhr
Donaueinkaufszentrum (Große Ausstellungsfläche im 2. Flur)

Eintritt frei

Besuchergruppen mit mehr als 15 Personen (insbesondere Schulklassen) werden gebeten, sich vorab bei Nicole Kellner (E-Mail nicole.kellner@ur.de) anzumelden.

 

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