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Regensburg & Landkreis

Geht uns wirklich bald das Trinkwasser aus? Wasser wird zur umkämpften Ressource. Peter Ach von der REWAG erläutert die Situation in Regensburg

Regensburg – Auch wenn die ersten Juliwochen uns nach einer extremen Hitzephase eine kleine Verschnaufpause verschafft haben, steht fest: Es wird wärmer. Nicht nur in Regensburg und der Region, nein, weltweit heizt sich das Klima auf. Das alles hat Folgen für die urbane Infrastruktur, meinen Forscher. So müssten sich beispielsweise die Wasserversorger auf die Herausforderungen des Klimawandels einstellen. In Regensburg und der Region wird das Trinkwasser aber auch in der größten Hitze nicht knapp, versichert Peter Ach von der REWAG.

Von Claudia Böhm

Im Vergleich zum Monatsmittelwert für die Sommermonate der Jahre 1981 bis 2010 war es in Regensburg 2017 um 1,6 Grad wärmer. Letztes Jahr waren es im Sommer 2,4 Grad mehr als im Vergleichszeitraum und alleine der Juni diesen Jahres (die Werte für Juli liegen noch nicht vor) zeigt ein Plus von 4,2 Grad. Eine deutliche Kurve nach oben.

Laut Umweltbundesamt gibt es in Deutschland bisher ausreichend Wasser. Wahr ist aber auch, dass es regionale Unterschiede in der Wasserverfügbarkeit gibt. Dies hat sich 2018 gezeigt. Nach einer langen Trockenperiode kam es zu lokalen oder regionalen Engpässen. Das Problem waren unter anderem zu hohe Nitratwerte – in der Regel ein Ergebnis zu intensiver landwirtschaftlicher Düngung – aufgrund derer nicht auf zusätzliche Ressourcen zurückgegriffen werden konnte. „Weitere aufeinander folgende trockene Sommer mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter hätten in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit“, so das Umweltbundesamt. „Zukünftig werden also mehr Nutzer als heute um eine knapper werdende Ressource konkurrieren.“ (www.umweltbundesamt.de)

Kein Grund zur Sorge! Wasser-Chef Peter Ach erklärt im alten Maschinenhaus des Wasserwerks Sallern, welchen Weg das Wasser zurücklegt, bevor es bei uns aus dem Hahn kommt

Peter Ach ist Fachbereichsleiter Gas, Wasser, Wärme bei der REWAG, dem größten Wasserversorger in Regensburg und der Region. Er sitzt somit direkt an der sprichwörtlichen „Quelle“ und kann die besorgniserregenden Meldungen relativieren. „Wir haben überhaupt kein Problem mit Trinkwasser“, sagt er und blickt zufrieden auf den breiten Wasserfall, über den im Wasserwerk Sallern vom Quellbecken aus Unmengen an Wasser in die Kammern des Tiefbehälters strömt.

Selbst im heißesten Sommer wird unser Wasser nicht knapp

Regensburg liegt am tiefsten Punkt eines abfallenden Jurakarstausläufers zwischen Donau, Naab und Regen, wodurch es besonders viel Grundwasser gibt. 350 Liter Wasser werden im Wasserwerk Sallen pro Sekunde gefördert. Technisch wäre noch viel mehr möglich, aber es reicht auch so problemlos aus, um die rund 185.000 Menschen zu versorgen, die an das Trinkwassernetz der REWAG angeschlossen sind. Dreizehn über die ganze Stadt verteilte Wasserspeicher sorgen dafür, dass auch zu Spitzenzeiten immer genug Trinkwasser zur Verfügung steht.
Im Gegensatz zu anderen Regionen, wie beispielsweise dem Chamer Raum, die Oberflächenwasser fördern und somit auf Regen angewiesen sind, kommt unser Trinkwasser aus bis zu 167 Metern Tiefe. Zum Vergleich: Der Regensburger Dom ist 105 Meter hoch.

In die Kammern des Tiefbehälters im Wasserwerk Sallern gelangt das Wasser, nachdem es mittels Aktivkohle gefiltert wurde. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn das Grundwasser, das tief aus dem Boden hinaufgepumpt wird, hätte bereits Trinkwasserqualität

Auch was die Nitratbelastung betrifft, müssen wir uns keine allzu großen Sorgen machen. Das haben Peter Ach und sein Team im Blick. Für das Wasserschutzgebiet rund um die Wasserwerke in Sallern (von dort stammen 80 Prozent des Regensburger Wassers) und am Oberen Wöhrd gibt es eine Vereinbarung mit den ansässigen Landwirten. Sie düngen die entsprechenden Flächen nicht oder nach bestimmten Vorgaben und erhalten dafür Ausgleichszahlungen. Der Nitratwert betrage in etwa 30 Miligramm pro Liter und liege damit unter dem zulässigen Grenzwert von 50 Miligramm pro Liter, so Peter Ach. Außerdem ist die REWAG Teil einer Organisation, die sich für den Trinkwasserschutz im gesamten Donaueinzugsgebiet engagiert, also weit über die Tore Regensburgs hinaus.
11 Millionen Kubikmeter Wasser werden in Regensburg pro Jahr benötigt. Und obwohl die Stadt wächst, ist der Verbrauch in den letzten Jahren nicht gestiegen. Das bedeutet, die Bürger/innen gehen bewusst mit der knappen Ressource um, auch wenn sie nicht direkt vom Mangel betroffen sind.

Wassersparen zahlt sich für alle aus

„Moderne Geräte helfen beim Wassersparen“, erklärt Peter Ach. Perlatoren in neuen Armaturen beispielsweise mischen dem Wasser mehr Luft bei und verringern so den Verbrauch. Man kann als Einzelner aber noch mehr tun, um für eine weiterhin gute Trinkwasserqualität und -verfügbarkeit zu sorgen: Waschmaschine und Geschirrspüler nur anschalten, wenn sie voll beladen sind. Besser duschen statt baden und beim Einseifen das Wasser abdrehen. Die „Spül-Stopp-Taste“ am WC benutzen. Damit spart man bei jeder Spülung bis zu 40 Prozent Wasser.

Weil unser Wasser durch viele mineralische Gesteinsschichten hindurch in die Erde gesickert ist, bevor es schließlich in unser Trinkwassersystem eingespeist wird, ist es besonders „hart“. „Das ist besonders gut für den Menschen“, weil viele gesunde Mineralien im Wasser enthalten sind, „aber weniger gut für Maschinen“, erklärt Peter Ach und spielt auf den Kalk an, der sich in Rohren absetzt. Im Sinne des Umweltschutzes appelliert er an Privathaushalte, Wasch- und Geschirrspülmittel richtig zu dosieren.

Gießen ohne schlechtes Gewissen

Wer einen Balkon oder Garten hat, sollte besser in den Morgen- oder Abendstunden gießen. In der prallen Sonne verdunstet das Wasser nur. Alternative: Regenwasser in einer Tonne auffangen und damit gießen. Aber selbst bei anhaltender Trockenheit müssen Pflanzenfreunde kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie Wasser aus der Leitung nehmen. Von den rund 121 Litern Wasser, die ein Deutscher im Schnitt pro Tag verbraucht, sind es nur etwa 7 Prozent, die für Gartenbewässerung aufgewendet werden (siehe Infobox).

Auch wenn die Zeichen für Regensburg und die Region positiv sind, kann Peter Ach nicht ganz ausschließen, dass die Wasseraufbereitung in Zukunft schwieriger und damit teurer wird. „Es wird aufwändiger werden, wenn wir nicht vorher reagieren“, sagt er. Noch ein Grund mehr, um ein paar der Wasserspartipps zu beherzigen.


Wie viel Wasser verwenden wir wofür?

Jeder Deutsche verbraucht im Schnitt rund 121 Liter Wasser am Tag. Doch wie viel Wasser benutzen wir wofür?

  • 42–50 Liter für Körperpflege (Baden, Duschen)
  • 31–35 Liter für Toilettenspülung
  • 11–17 Liter für Wäschewaschen
  • 7–9 Liter für Raumreinigung, Garten
  • 6–8 Liter für Geschirrspülen
  • 4–7 Liter für Essen, Trinken

Wer noch mehr wissen will: Die REWAG bietet Führungen im Wasserwerk in Sallern an. Anfragen per E-Mail an fuehrungen@rewag.de.

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