Geplante Flutpolder in Eltheim und Wörthof stoßen auf harsche Kritik

Flutpolder: Sylvia Stierstorfer erinnert nun Horst Seehofer an seine Versprechen

Regensburg – Das nächste große Hochwasser kommt bestimmt. Um ihre Bürger und deren Hab und Gut zu schützen, plant der Freistaat bei Wörthhof und Eltheim gigantische Flutpolder. Die Vorbehalte gegen das Milliardenschwere Projekt im östlichen Landkreis sind groß; ein Anstieg des Grundwasserspiegels wird befürchtet. Eine Kritikerin der ersten Stunde istC. Die Landtagsabgeordnete erinnert nun den bayerischen Ministerpräsidenten an seine Versprechen.

Von Mario Hahn

Im Rahmen des Programms „Hochwasserschutz 2020plus“ plant die Bayerische Staatsregierung Flutpolder in Eltheim und Wörthhof (beide Gemeinde Barbing). Flutpolder sind Wasserrückhaltegebiete, die bei Hochwasser gezielt geflutet werden können. Das soll bewirken, dass der Flutpegel flussabwärts sinkt. Im Idealfall könnten so Hochwässerschäden verhindert oder wenigstens verringert werden.

Aufregung um Mega-Projekt

Im südöstlichen Landkreis stößt das Polder-Projekt auf harsche Kritik. Nicht wenige fragen sich: Warum sollen wir am Oberlauf unsere Äcker und Wiesen freiwillig fluten, damit die anderen flussabwärts ihren Vorteil daraus ziehen können? Noch dazu, wenn die künstlich gestauten Wassermassen an den eigenen Häusern Schäden verursachen können? Nicht zu Unrecht, das ergaben Messungen, befürchten die Anwohner im Bereich der geplanten Flutpolder einen weiteren Anstieg des Grundwasserspiegels. Der habe sich bereits durch den Donauausbau negativ verändert. Die alles entscheidende Frage also lautet: Wer will Wasser im Keller haben?

Zur Chef-Sache erklärt

2015 hat Horst Seehofer das Polder-Projekt zur Chef-Sache erklärt. Im Oktober desselben Jahres waren betroffene Anwohner und lokale Politiker zum Gespräch mit dem Ministerpräsident in die Staatskanzlei gereist. In München wurden vier Punkte vereinbart. Erstens: Der Hochwasserschutz wird so gestaltet, dass Katastrophen vermieden werden. Es wird aber nichts gebaut, was Schaden zufügt. Des Weiteren sollte noch einmal geprüft werden, ob die Polder an den geplanten Stand-orten Wörthhof und Eltheim im Rahmen des Hochwasserschutzes überhaupt notwendig sind. Drittens: Gutachter sollen analysieren, welche Auswirkungen diese Polder auf den Grundwasserspiegel hätten. Sollten durch sie negative Beeinträchtigungen für die Bürger entstehen, werden sie nicht gebaut. Viertens: Die Ergebnisse des Gutachtens werden frühzeitig an die Teilnehmer übermittelt.

Versprechen gebrochen?

Bei dem Gespräch mit Horst Seehofer war Sylvia Stierstorfer anwesend. Die Landtags-abgeordnete erinnerte kürzlich in einem offenen Brief, „in ernster Sorge, dass die Bürgerinnen und Bürger meiner Heimatregion unseren Aussagen nicht weiter Glauben schenken“, den Ministerpräsidenten an seine Zusagen. Denn einige der vereinbarten Punkte seien bisher nicht eingehalten worden. Die Politikerin, die in dem betroffenen Dorf Griesau in der Gemeinde Pfatter wohnt, erklärt: „Weder gibt es bis zum heutigen Tag eine transparente Kosten-Nutzen-Analyse, noch die nachvollziehbare Prüfung der Sinnhaftigkeit dieses Großprojekt. Beim (jüngst stattgefundenen) Hochwasserdialog hat das Wasserwirtschaftsamt Regensburg aber detaillierte Bauplanungen für die Flutpolder vorgestellt, die Frage nach weitergehenden Untersuchungen blieb unbeantwortet.“ Dass Bürger „massiv verärgert“ seien, könne sie „absolut“ nachvollziehen. „Es entsteht der Eindruck, dass die Polderpläne massiv vorangetrieben werden, wohingegen weitergehende Untersuchungen zu Rückhalt in der Fläche, zu dezentralen Maßnahmen, und zu Staustufenmanagement nicht stattfinden, obwohl diese fest zugesagt wurden.“

Hausaufgaben erledigt

Egal wie man zum Polder-Projekt steht – man darf bei allen Überlegungen nicht außer acht lassen, dass der östliche Landkreis den Donauausbau geschultert und somit einen 100-jährlichen Hochwasserschutz hat. Für den Bereich von Straubing bis Passau muss ein solcher erst noch umgesetzt werden. Stierstorfer: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Für die Menschen in meiner Heimat ist es daher unverständlich, dass vor allem im städtischen Bereich entlang der Donau bei Baugenehmigungen selbst in potentiellen Überschwemmungsgebieten gerne mal ein Auge zugedrückt wird, um der Nachfrage nach Raum für Wohnen und Gewerbe Rechnung zu tragen. Es kann nicht sein, dass der ländliche Raum die gesamte Last zu tragen hat und für die Versäumnisse der Städte herhalten muss.“

Politische Entscheidung nicht vor 2019

Das Polder-Projekt ist nicht der einzige Zankapfel, der im östlichen Landkreis für massive Verärgerung sorgt. Die Bürger müssen zudem den Bau der Stromtrasse SuedOstLink schultern. Geplant ist auch, den Kiesabbau bei Pfatter auszuweiten. Beides wird viel Fläche kosten. Genauso wie der geplante Steinbruch in der Gemeinde Wiesent. „Dieses Zusammentreffen vieler, von einer Mehrheit als negativ wahrgenommenen Vorhaben, sorgt für eine außerordentliche, explosive Stimmung unter den Bürgern“, warnt die Landtagsabgeordnete.

Bis die Flutpolder in Wörthhof und Eltheim aber tatsächlich gebaut werden, fließt noch eine Menge Wasser die Donau hinab. „Noch ist nichts entschieden“, so Stierstorfer. Mit einer politischen Entscheidung vor 2019 rechnet niemand.

Polder-Projekt ist ein Mega-Projekt

                                                                                                     Quelle: Landratsamt Regensburg

Der geplante Flutpolder Eltheim umfasst eine Fläche von ca. 590 Hektar und soll ca. 16 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten können. Der geplante Flutpolder Wörthhof umfasst eine Fläche von ca. 760 Hektar und soll bei einem sehr großen Hochwasserereignis ebenfalls ca. 16 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten können.

Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg hat mehrere Varianten vorgelegt, die zeigen, dass über die Größe der Flutpolder noch nicht entschieden ist. So könnten die Polderdämme, die das Wasser zurückhalten sollen, in der Maximalvariante bis zu neun (!) Meter hoch werden. In dieser Variante würden die Dämme 38 Kilometer umfassen. Für den Dammbau wären 190 Hektar notwendig, das entspricht etwa 270 Fußballfeldern. Zum Vergleich: Das BMW-Werk hat eine Fläche von 140 Hektar.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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