Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages

Blizz Leserreporter, Kultur & Freizeit, On Tour, Regensburg & Landkreis

Blizz Leserreporter Glück auf! Ein Besuch im Schmuckbergwerk Kittenrain

Bild von alusruvi auf Pixabay

Der Juni verwöhnt uns mit Rekordhitze und die Erderwärmung bekommt plötzlich eine reale Dimension. Ist es nur ein außergewöhnlich heißer Sommer oder erster Vorbote der kommenden Katastrophe? Wer kann bei 34 Grad im Schatten schon denken? Also entschließen wir uns zu einer Flucht unter die Erde ins Schmucksteinbergwerk Kittenrain im beschaulichen Bach an der Donau.

Eine spannende Reise in die Unterwelt

Schon beim Betreten der Vorhalle wird klar, man tut gut daran, warme Kleidung und vor allem auch festes Schuhwerk mitzubringen – im Inneren herrschen konstante 8 Grad. Unsere Führung beginnt mit einer kurzen Erzählung über die 500 jährige Geschichte des Oberpfälzer Flussspatbergbaus. Exemplare des Minerals, auch als Fluorit oder Calciumfluorid bekannt, werden herumgereicht und begeistern die Besucher. Es sind farbenprächtige, glitzernde Halbedelsteine, die man schon vor 300 Jahren zu Tischplatten, Schalen und Schmuckstücken verarbeitet hat, als die Fürsten von Thurn und Taxis hier noch schürfen ließen. Ausgestattet mit Helm und einer Taschenlampe machen wir uns auf zu einer faszinierenden Führung unter Tage. Die Stimmung ist gelöst. Auch wenn der Boden nass und sandig ist, die Gänge sind breit angelegt und gut erleuchtet, sodass Platzangst erst gar nicht aufkommt. Und wer sich wirklich unwohl fühlt, kann bei einer kleinen Statue der heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute, eine kurze Fürbitte halten.

Der Mann neben mir macht fleißig Fotos. Ob er wohl ahnt, dass seine Kameralinse ohne Flussspat durch Lichtbrechungen entstehende Abbildungsfehler hätte? Beim ersten Halt bestaunen wir intakte Bergbaumaschinen, mit denen man das kostbare Gestein aus der Erde holte. Den Lärm müssen die Männer mit jeder Faser ihres Körpers gespürt haben. Dazu die Enge, die Kälte, die Nässe, das Bergwerk ist beklemmendes Zeugnis, dass die Erde ihre Schätze nur widerwillig hergibt. Eine Eisenstange wandert von Hand zu Hand und die meisten stöhnen unter dem Gewicht. Was für eine Schinderei, damit Löcher für Dynamitstangen ins harte Gestein zu bohren! Und während heute die reine Luft eine Wohltat ist, können wir nur ahnen, wie sich der durch die Explosion hervorgerufene Staub brennend in den Lungen festsetzte.

Wir kommen an einem unterirdischen Fluss vorbei, erfahren etwas über die Gefahren von Wassereinbrüchen. Tag und Nacht müssten hier Pumpen laufen, wollte man das kristallklare Wasser im Zaum halten. Es ist eine kuriose Schönheit: Von vielen Erdschichten gefiltert, ist es zu rein zum Trinken! Wir laufen über enge Stege, bestaunen Tropfstein an den Wänden. Beeindruckend auch die hohen Abbauhöhlen; wie Hochhäuser ragen sie vor uns auf und geben Zeugnis, wie tief unter der Oberfläche wir uns befinden. So spannend und beeindruckend die Führung ist, wir sind froh, dem allem nach einer dreiviertel Stunde wieder entfliehen zu können und wissen die Sonne umso mehr zu schätzen.

Glücklose Schufterei

Es ist eine eigene Welt da unten, die nachdenklich macht. Welches Leben führten die Männer unter Tage? Der Mangel an Sonnenlicht, die Kälte, die Nässe, der Staub, die schwere Arbeit, da wundert es nicht, dass im 16. Jahrhundert die Lebenserwartung allgemein bei 35 Jahren lag, die von Bergleuten hingegen nur bei rund 25 Jahren. Und eines der ältesten Exemplare arbeitsmedizinischer Literatur, verfasst von Paracelsus Mitte des 16. Jahrhunderts, bezog sich auf typische “Bergmannskrankheiten”. Schon damals wusste man, dass die Arbeit unter Tage durch die Nässe zu Gelenkschmerzen und durch den Staub zu Lungenschäden führt.

Wir leben im 21. Jahrhundert, genießen die Annehmlichkeiten der modernen Welt. Kaum zu glauben, dass die Arbeitsbedingungen der Bergleute sich kaum verändert haben. Sie riskieren immer noch weltweit unter zum Teil katastrophalen Bedingungen ihr Leben für unsere Rohstoffe. Vor allem toxische Substanzen wie der Einsatz von Quecksilber bei der Silber- und Goldgewinnung sind ein Problem. Sie machen zwar den Abbau rentabel, kosten aber Menschenleben.

Ein unverzichtbarer Rohstoff

Auch wenn der Flussspat wenig bekannt ist, er spielt heute nicht nur weiterhin in der Schmuckindustrie eine Rolle, sondern auch in der Leicht- und Schwerindustrie, wo er kaum durch einen anderen Rohstoff ersetzt werden kann. In der Glas- und Keramikindustrie wird er bei der Produktion von optischen Linsen eingesetzt. In der chemischen Industrie ist er Ausgangsmaterial für die Herstellung verschiedener anorganischer und organischer Fluorverbindungen. Auch bei der Herstellung verschiedenster Stähle und Leichtmetalle ist er unverzichtbar, darunter auch das derzeit extrem gefragte Aluminium. Es ist ein wenig kurios.

Wenn Präsident Trump seine Botschaften vom Handelskrieg in die Welt twittert, ist er dabei auf Flussspat aus China angewiesen, denn mittlerweile kommt geschätzt 60 Prozent der weltweiten Förderung von dort. In der EU steht der Flussspat aufgrund der politischen Situation auf der Liste der kritischen Rohstoffe. Damit ist Kittenrain auch ein Symbol für weltweite wirtschaftliche Vernetzung.

Am Ende der Kluft

Über die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit und Recycling wird heiß diskutiert. Das Schmuckbergwerk in Bach zeigt auf eindringliche Weise, dass Rohstoffe endlich sind und nur mit großer Kraftanstrengung gefördert werden können. Es macht demütig, denn wir alle sind auf die Arbeit der Bergleute angewiesen. Noch heute kann man die faszinierenden und vielfältigen Farbenspiele des Flussspats bestaunen. Die Ader entlang der Wand ist nicht viel breiter als der Ast eines Baums. Der Fluoritabbau muss diesen Gängen, die meist nur einige Meter dick sind, folgen; und immer wieder verlieren sie sich im Nichts.

Der Bergmannsgruss “Glück auf” segnet nicht etwa die gesunde Rückkehr an die Oberfläche, wie viele denken, tatsächlich wünscht er dem Bergmann, dass sich seine Kluft wieder weitet und die Ader zu weiterem Rohstoff führt.

Eine Reise wert

Von Donaustauf aus der Landstraße folgend, kommt man problemlos in das idyllische Bach an der Donau mit seiner schlichten Kirche, dem BaierWeinMuseum und den gut besuchten Weinstuben (nehmen Sie am besten den Bus, Linie 5 fährt stündlich von der Albertstraße aus).

Auch empfehlenswert ist am Wochenende das Hofcafé mit exzellentem Kuchenangebot mitten in einem Rosenmeer (hier sollte man reservieren)

Öffnungszeiten:
März-November, Sonn- und Feiertags stündlich Führungen von 11-16 Uhr http://www.schmucksteinbergwerk.de

Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt!

Schreibe eine Antwort

Datenschutz
X