Herzensgüte weit über das eigene Leben hinaus Zum 30. Todestag von Stiftungsgründerin Sofie Kneitinger

Aktualisiert vor 3 Wochen von Nadja Pohr

Regensburg – Zeitzeugen beschreiben Sofie Kneitinger als pflichtbewusst, streng und gar nicht eitel. Frühmorgens sei die Frau von Johann Kneitinger III. die erste im „Mutterhaus“ am Arnulfsplatz gewesen und habe nach verrichteter Arbeit am Abend zugesperrt. Am Mittwoch, 27. Januar, jährte sich ihr Todestag zum 30. Mal. Vorausschauend hatte die kinderlose Sofie Kneitinger 1986 die „Hans und Sofie Kneitinger Stiftung“ gegründet, die bis heute die Traditionsbrauerei in der Kreuzgasse 7 betreibt und sich der Alten- und Jugendhilfe verschrieben hat.

In der Brust der 1904 geborenen Sofie Gast, verheiratete Kneitinger, schlug ein großes Herz. So hatte sie zu Lebzeiten 40 Kinderpatenschaften übernommen, zeigte sich spendabel gegenüber Familien und lud bisweilen die Auszubildenden ins gegenüberliegende Theater ein, um ihnen einen Zugang zur Kultur zu verschaffen. Neben ihrer Tätigkeit im „Mutterhaus“, das durch ihr Engagement zu einer doppelsinnigen Bedeutung heranwuchs, unterstützte sie ihren Ehemann nach Kräften in der Brauerei, die sie schließlich 15 Jahre alleine führte. Sparsamkeit prägte ihr Handeln zeitlebens. Investiert wurde nur, wenn es dringend nötig war. Ausgegeben wurde nur das Geld, das tatsächlich in der Tasche war.

Sofie Kneitinger beim traditionellen Bockbieranstich im Jahr 1988. In der Mitte der große Herr (4.v.re.) ist Bürgermeister Alfred „Jet“ Hofmaier. Der Herr ganz links mit Brille und Vollbart ist der frühere Braumeister und Geschäftsführer Hubert Fromm. Rechts und Links neben Sofie Kneitinger stehen die Pächter Ingrid Bezold und Georg Bezold.
Foto: Stadt Regensburg, Bilddokumentation

Aufgrund der Kinderlosigkeit der Ehe rief Sofie Kneitinger zum Gründungsdatum 13. Januar 1986 mit Weitblick eine Stiftung ins Leben und sicherte damit nicht nur den Fortbestand der Brauerei über ihren Tod im Jahr 1991 hinaus. In den 30 Jahren des Wirkens haben die wechselnden Stiftungsherren mittlerweile rund 700.000 Euro zu gleichen Teilen an die beiden im Stiftungszweck hinterlegten Einrichtungen abgeführt: das Bürgerheim Kumpfmühl und das Kinderheim St. Leonhard. Hatte die Stiftung mit Aufnahme ihrer Tätigkeit drei Immobilien im Eigentum, sind es mittlerweile zehn, die elfte wird im Garten des „Alten Schlosses“ in Niedertraubling errichtet. Mit der Aufhebung des Lockdowns steht auch die Eröffnung des „Kneitinger unter den Linden“ im Regensburger Stadtpark bevor. Zum 30. Todestag von Sofie Kneitinger kann ihr Weitblick auch im Sinne der Krisensicherheit attestiert werden.

 

Das „schwarze Gold“ aus der Domstadt

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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