Regensburg – Mit Christian Janele sitzt seit Juni 2015 ein durchaus streitbarer Mann im Regensburger Stadtrat, dem es „nicht um Parteipolitik, sondern um die Bürgerinnen und Bürger“ geht. Insbesondere für die „Schwachen unserer Gesellschaft“ setzt sich der 53-jährige Familienvater ein. Die „aktive Beteiligung der Menschen“ ist dem Vorsitzenden der Christlich-Sozialen Bürger (CSB) ein wichtiges Anliegen, denn nur so funktioniere eine „gerechte Kommunalpolitik“. Sein politisches Ziel ist seit jeher eine „erfolgreiche Weiterentwicklung Regensburgs“. Ein Jahr vor der Kommunalwahl erklärt der glühende Demokrat im Blizz-Interview, wie er dies erreichen will.

Von Mario Hahn

Blizz: Herr Janele, vor wenigen Wochen haben Sie im Stadtrat eine Rede zum Haushalt 2019 gehalten. Eines Ihrer Themen war das Regensburger Kultur- und Kongresszentrum. Was werfen Sie der aktuellen Stadtregierung in Sachen RKK vor?
Christian Janele: Die CSB hat sich ja von Anfang an gegen ein RKK am Keplerareal ausgesprochen. Letztes Jahr hat mir die Bürgermeisterin vorgehalten, dass ich der Einzige sei, der gegen das RKK sei. Der Bürgerentscheid jedoch hat gezeigt, dass sich 62 Prozent der Regensburger gegen dieses kostspielige Prestigeobjekt an diesem Platz entschieden haben. Das Ergebnis hat mich nicht verwundert, weil die Standortvoraussetzungen nicht gegeben sind und Regensburg über genügend Veranstaltungsräume verfügt. Dies hat auch der Bürger so erkannt. Schon die Einstiegsfrage bei der Bürgerbefragung empfanden die Bürger als blanken Hohn. Fragt man doch tatsächlich nach 40 Jahren RKK-Planung, unendlichen Diskussionen und drei Bürgerentscheiden: „Haben Sie schon mal von einem RKK gehört?“ Auch bei anderen Themen habe ich den Eindruck, dass die jetzige Stadtregierung den Bürgern Transparenz verspricht, aber sie letztlich nicht bei wichtigen Entscheidungen miteinbezieht. In der Sache RKK hat die Stadtführung dafür vom Bürger eine große Klatsche bekommen.

Blizz: Es ist kein Geheimnis, dass es in der Domstadt an allen Ecken und Enden an bezahlbarem Wohnraum mangelt. Sie befürchten eine „gespaltene Gesellschaft“…
Christian Janele: Ich erinnere an die Wahlversprechen von SPD und Grünen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Passiert ist in den letzten fünf Jahren NICHTS! Im Gegenteil, es wird zugelassen, dass dringend benötigter günstiger Wohnraum auf dem Keplerareal mit 222 Wohnungen abgerissen wird. Es werden zwar Wohnghettos aus dem Boden gestampft, bei denen die Infrastruktur vergessen wird, aber es entsteht ausschließlich teurer Wohnraum, bei dem selbst gut verdienende Akademiker mittlerweile Probleme haben, weil die Immobilienpreise in dieser Stadt kräftig am Familienbudget nagen. Daher läuft Regensburg Gefahr, dass sich seine Gesellschaft spaltet. Wohnungsnot ist ein soziales Problem, zu dessen Lösung die Gesellschaft und damit die Politik verpflichtet ist!

Blizz: Herr Janele, Sie sind seit über 30 Jahre als Immobilienkaufmann tätig und kennen daher den hiesigen Wohnungsmarkt ganz genau. Jetzt haben Sie ein „Regensburger Modell“ vorgeschlagen. Was hat es damit auf sich?
Christian Janele: Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, stelle ich mir bei der Stadtbau ein „Regensburger Modell“ vor. Bei den ortsüblichen Mieten, die derzeit bei knapp 9 Euro pro Quadratmeter liegen, sollten 15 bis 20 Prozent abgezogen werden, so bleiben also 7,20 bzw. 7,50 Euro übrig. Bei der jetzigen Niedrig-Zins-Phase und bei einen Überschuss von acht Millionen Euro ist dies ohne Weiteres zu realisieren. Auch muss die Stadtbau finanziell besser ausgestattet werden, zum Beispiel durch unentgeltliche Grundstücksübertragungen. Die Stadtbau muss wieder sozialer werden und den Menschen mit geringerem Einkommen ein bezahlbares Dach über den Kopf schaffen. Die neue Geschäftsleitung sollte daher auch Erfahrung im sozialen Wohnungsbau mitbringen. Ich hoffe, dass bei der Personalentscheidung auf diese wichtige Kompetenz geachtet wird.
Des Weiteren brauchen wir günstige Grundstücke für Familien, hier könnte die Stadt ein spezielles Zuschussprogramm entwickeln oder städtischen Baugrund preisgünstig zur Verfügung stellen. Auch Genossenschaftsmodelle sind denkbar.

Familie steht an erster Stelle: Christian Janele mit seinen Kindern

Blizz: Als Familienvater liegt Ihnen natürlich das Wohl der Kinder am Herzen. Und deren Zukunft. Haben Sie auch deshalb den „Sanierungsstau an unseren Schulen“ kritisiert?
Christian Janele: Ja, es gibt derzeit einen hohen Sanierungsstau an unseren Schulen und wir können auf Dauer weder Schülern noch Lehrern Unterricht in maroden Gebäuden oder sogar Containern zumuten! Derzeit befinden sich einige dieser Bauten in einem katastrophalen baulichen Zustand: Da lösen sich, wie beim Werner-von-Siemens-Gymnasium, Teile der Fassade. Der Bauzaun, der die Kinder schützt, ist eigentlich für eine kurze Zeit vorgesehen. Hier aber scheint er für die Ewigkeit aufgestellt. Ich sehe diesen Zustand als Versäumnis der derzeitigen Stadtregierung an.
Laut Bürgermeisterin fehlen des Weiteren 1.000 Betreuungsplätze in dieser Stadt. Das ist ein Skandal, zumal wir von dem Zuzug nicht von heute auf morgen überrascht wurden. Wir dürfen die In-frastruktur nicht außer Acht lassen und die fängt bei der Betreuung unserer Jüngsten an. Weiter fehlt es an Grund- und Mittelschulen. Für die dringend benötigte Schule im Süd-Osten ist noch nicht einmal ein Grundstück gefunden. Die Umsetzung steht demnach noch in den Sternen.

Blizz: Eines der größten Themen in der Stadtpolitik ist die Diskussion um einen besseren ÖPNV. Wie würden Sie dieses Problem angehen?
Christian Janele: Mit drei Euro für eine Einzelfahrt locke ich niemanden vom Steuer seines PKW in den Bus. 1,50 Euro fühlt sich da schon besser an. Grundsätzlich muss das Preisgefüge beim RVV auf den Prüfstand. Darüber sollten wir diskutieren. Es besteht dringender Handlungsbedarf in der Verkehrsplanung.
Hier halte ich für den richtigen Weg: Wir müssen weg vom Individualverkehr und hin zu einem attraktiven öffentlichen Personennahverkehr. Damit meine ich, eine kurze Taktung, ein engmaschiges Liniennetz und attraktive Preise. Dafür bitte ich, von der viel diskutierten Stadtbahn Abschied zu nehmen!
Die Straßenbahn wird voraussichtlich 450 Millionen Euro kosten. Auch bei einer Förderung von 80 Prozent bleiben die Kosten sehr hoch. Zudem: Wir können nicht zuwarten, bis das für eine Förderung notwendige Aufkommen nachzuweisen ist. Bis dahin vergehen ja noch Jahre eines unzumutbaren Verkehrsaufkommens mit dem täglichen Verkehrschaos. Stattdessen sollten wir Doppelgelenkbusse auf stark frequentierten Linien einsetzen. Der Bund hat den Fördertopf um eine Milliarde Euro erhöht. Und wir sollten jetzt handeln, sonst verschlafen wir solche Förderungen. Somit wäre dieses dringende ÖPNV-Problem spätestens in einem bis eineinhalb Jahren gelöst. Und das ohne hohen finanziellen und baulichen Aufwand. Die Umstellung auf Elektro-Antrieb ist zudem ein wichtiger Beitrag, um unser Ziel im Masterplan für saubere Luft zu erreichen.
Wir brauchen dringend auch ein gut ausgebautes Netz an Radlwegen.

Blizz: Was wäre denn in Ihren Augen noch für die Radlfahrer zu verbessern?
Christian Janele: Wir von der CSB setzten ganz stark auf eine Fahrradstadt. Was wir brauchen, ist ein Fahrradbeauftragter, dessen Aufgabe es ist, die Stadt fahrradfreundlicher zu entwickeln und sich für die Anliegen dieser wichtigen Zielgruppe einzusetzen. Leider wurde unser Antrag von Ladestationen für E-Bikes von der Stadtführung, SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern abgelehnt. Damit hätte die Stadt ein Zeichen für alternative Mobilität und Flexibilität gesetzt. Aber auch hier geht nichts voran!

Blizz: Die Bürgermeisterin will die Parkgebühren in unserer Stadt deutlich erhöhen. Was sagen Sie dazu?
Christian Janele: Die „CSB – Wir für Regensburg“ ist gegen Erhöhung der Parkgebühren und Abschaffung der kostenfreien Parkzeit in den Parkhäusern. Das sind bürger-unfreundliche Maßnahmen. Ich will nicht, dass die Altstadt zu einer Souvenirmeile verkommt und noch mehr Läden und Geschäfte im Zentrum leer stehen oder zumachen. Um die Attraktivität der Altstadt zu erhalten, sollten wir günstige Parkhäuser rund um das Zentrum mit kostenfreien öffentlichen Verkehrsmitteln schaffen.

Seit 15 Jahren glücklich verheiratet und ein starkes Team: Christian Janele mit seiner Ehefrau Andrea
Alle Fotos: privat

Blizz: Die Kassen sind prall gefüllt, finanziell steht die Stadt blendend da. Damit es aber erfolgreich weitergeht, braucht es vernünftige Investitionen. Welche würden Sie tätigen?
Christian Janele: Wir müssen in Schulen, Kitas und bezahlbaren Wohnraum investieren. JETZT! Und nicht in ein paar Jahren. Wir brauchen auf jeden Fall einen parallel verlaufenden Übergang zur Pfaffensteiner Brücke zur Entlastung für die Stadtbewohner. Des Weiteren müssen wir Gewerbeflächen ausweisen, die rar werden, damit uns Unternehmer und Handwerker nicht abwandern.
Bei all den Projekten dürfen wir nicht die älteren Mitbürger vergessen. Ich denke da vor allem an die, deren Rente kaum zum Leben reicht. Die sich nur mit einem Mini-Job über Wasser halten. Was ist mit ihnen, wenn sie gar nicht mehr können? Hier brauchen wir Konzepte.

Blizz: Zum Schluß noch eine Frage: Wie sehen Sie die derzeitige Situation der Stadtführung?
Christian Janele: Seit mehr als zwei Jahren wird diese Stadt verwaltet, aber nicht regiert, weil der Oberbürgermeister fehlt. Die Korruptionsaffäre, in welche die großen Regensburger Parteien verstrickt sind, ist beschämend und untragbar. Das hat Regensburg nicht verdient. Wir brauchen wieder eine ordentliche Stadtführung und einen Oberbürgermeister, sonst steuern wir einem gefährlichen Stillstand entgegen, der dem Ruf Regensburgs, aber auch der Attraktivität für mögliche Investoren und damit dem wirtschaftlichen Wachstum schadet. Ich begegne vielen Unternehmern und Geschäftsleuten aus unterschiedlichen Sparten, die es für absolut dringlich halten, dass kluge Entscheidungen getroffen und wichtige Weichen gestellt werden.