Immer öfter Gewalt an Frauen In Zeiten von Corona und Isolation ist das Thema wichtiger denn je

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Regensburg – Gewalt gegen Frauen nimmt immer mehr zu. Und das seit Jahren. Die Corona-Krise verschlimmert die Situation jetzt auch noch. Das Unberechenbare: Gewalt gegen Frauen betrifft jede soziale Schicht und hat viele hässliche Gesichter. Zum Glück gibt es aber auch Hilfen.

Von Nadja Pohr

Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet. Laut aktueller Statistik des Bundeskriminalamtes wurden im vergangenen Jahr mehr als 114.000 Frauen zu Opfern von Gewalt. Im selben Zeitraum verzeichnete die Polizei Oberpfalz 1.488 Fälle – der traurige Höchststand im Zehn-Jahres-Vergleich. In Stadt und Landkreis Regensburg waren es 2019 insgesamt 448 Fälle, die gemeldet wurden. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein, bleiben doch aus Scham oder Angst der Opfer viele Gewalttaten unentdeckt.

„Gewalt an Frauen und Mädchen hat viele Gesichter: körperliche und seelische Verletzung, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Beschimpfung, Bedrohung, Demütigung, Schläge, Mobbing, Cybermobbing, Stalking“, erklärt Katja Ertl, Regionssekretärin des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Oberpfalz.
Corona und der Lockdown im Frühjahr machten die Situation nicht besser. Als (direkte) Folge der Ausgangsbeschränkung hatte auch Petra Söchting mehr zu tun. Die Leiterin des deutschlandweiten Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“: „Von April bis November hatten wir 20 Prozent mehr Beratungen.“

Mehr zu tun hatte auch Andrea Erl. Die Diplom-Sozialpädagogin und Familientherapeutin vom Regensburger Frauennotruf versucht die Mehrarbeit zu erklären: „Durch das Isoliert-sein und häufig Einsam-sein treten bei den betroffenen Frauen die eigenen Krisen, die man vielleicht vorher gut verdrängen konnte, stärker hervor. Deshalb suchen sie sich auch häufiger Hilfe.“

25. November: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Die UN-Generalversammlung verabschiedete 1999 eine Resolution ohne Abstimmung, nach der der 25. November zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, auch „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“, bestimmt wurde. Damals stellte die Generalversammlung beunruhigt fest, dass Frauen ihre Menschenrechte und Grundfreiheiten nicht vollumfänglich leben können, weil es nach wie vor nicht gelungen ist, sie vor Gewalt zu schützen.
Jedes Jahr wird mit dem internationalen Gedenk- und Aktionstag das Thema Gewalt gegen Frauen in den Fokus gerückt.

Gewalt gegen Frauen: Hier finden Sie Hilfe

■ Örtliche Unterstützung bietet das Autonome Frauenhaus (Tel.: 0941/24000), der Sozialdienst katholischer Frauen e. V. Regensburg (Prüfeninger Schloßstraße 73e, Tel.: 0178/8662110) und der Frauennotruf Regensburg (Alte Manggasse 1, Tel.: 0941/24171).

■ Die Hilfs- und Beratungsangebote sind auch auf den Internetseiten von Stadt und Landkreis www.landkreis-regensburg.de/gewalt-gegen-frauen und www.regensburg.de/gewalt-gegen-frauen zu finden.

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