Jüdische Gemeinde in Regensburg bekommt eine neue Synagoge Ein Tag für die Geschichtsbücher

Regensburg – „Heute ist ein großer Freudentag für uns alle im Freistaat“, so Kultusminister Michael Piazolo bei der Eröffnung der neuen Synagoge in Regensburg. 81 Jahre nach Zerstörung durch die Nationalsozialisten steht der größten jüdischen Gemeinde Bayerns endlich wieder ein neues Gotteshaus zur Verfügung. Somit hat der 27. Februar 2019 seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicher.

Von Mario Hahn

Der Allmächtige strahlte und sandte Sonnenstrahlen durch die Lichtkuppel. Der Mittwoch war ein wunderbarer Tag, passend zu dem „wunderbaren Ereignis“, wie der Regensburger Rabbiner Josef Chaim Bloch bei seiner Ansprache vor den geladenen Gästen betonte.

Zahlreiche Gäste kamen zur Eröffnung des neuen jüdischen Gotteshauses

Weil aber die Einweihung einer Synagoge ein Freudenfest ist und es dabei mehr um die Thorarollen als um das Gebäude geht, wurden die drei Thorarollen der Gemeinde mit den handgeschriebenen Texten der Thora (die fünf Bücher Mose) singend und tanzend in das neues Gotteshaus getragen, wo sie dann der Rabbiner im Thoraschrein verstaute.

„Das sakrale Dreieck (katholischer Dom, protestantische Neupfarrkirche und jüdische Synagoge) ist wiederhergestellt.“ (Ilse Danziger)

Das imponierte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer dermaßen, dass er – nachdem er sich lange vor dem Thoraschrein verneigt hatte – erklärte: „Es hat mich tief beeindruckt, als Sie (Rabbiner Bloch) gleichsam als offizielles Zeichen der Eröffnung der Synagoge die Thorarollen in den dafür vorgesehenen Schrein getragen haben. Sie haben die Rollen umarmt wie ein geliebtes Kind. Die Rollen sind gekrönt wie ein König, wie die Königin Esther. Welch ein Zeichen!“
Auf die Geschichte ging Ilse Danziger in ihrer Rede ein. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg erklärte: „Heute stehe ich hier, 500 Jahre nach der ersten Vertreibung der Juden aus der Stadt im Jahr 1519 und 81 Jahre nach der Vertreibung der Juden durch die Nazis.“ Das Datum war bewusst gewählt: Denn fast auf den Tag genau vor 500 Jahren, am 21. Februar 1519, beschloss der Rat der Stadt, dass die Juden ihre damalige Synagoge räumen und die Stadt verlassen mussten. Das jüdische Viertel wurde damals dem Erdboden gleichgemacht.
Auf den aktuellen Antisemitismus, der sich derzeit in ganz Europa ausdehnt wie eine Plage, wies Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hin. Es dürfe niemals wieder eine so schreckliche Zeit kommen, wie wir sie unter der Herrschaft der Nationalsozialisten hatten.

 

Neue Synagoge am Brixener Hof
Synagoge aus der Luftperspektive Foto: Stadt Regensburg
Gebetsraum der Synagoge Foto: Stadt Regensburg

Regensburg – Die neue Synagoge der jüdischen Gemeinde Regensburg befindet sich am Brixener Hof. Und zwar an derselben Stelle, an der im Jahr 1912 die frühere Jugendstilsynagoge mit ihrer imposanten Kuppel errichtet worden war. In der Nacht des 9. November 1938, in der die Nationalsozialisten in ganz Deutschland systematisch jüdische Synagogen brandschatzten und zerstörten, ging auch das Gotteshaus in der Domstadt in Flammen auf. Die neue Synagoge bietet Platz für 200 Menschen. Aktuell zählt die Jüdische Gemeinde etwa 1.000 Mitglieder.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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