Kommende Woche fällt das Urteil im Regensburger Korruptionsprozess um Oberbürgermeister Joachim Wolbergs Schuldig oder nicht schuldig?

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Regensburg – Das Justiz-Spektakel geht zu Ende. Nächste Woche spricht das Landgericht in der „Regensburger Korruptionsaffäre“ sein Urteil. Dem suspendierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und den drei Mitangeklagten drohen Haftstrafen.

Von Mario Hahn

Schuldig oder nicht schuldig? Das ist hier die Frage! Die Meinungen hierzu gehen – welche Gruppe man gerade befragt – weit auseinander. Die Wolli-Anhänger sehen in ihrem Schützling natürlich ein Justiz-Opfer, das zu Unrecht auf der Anklagebank sitzt. Der (nicht gerade kleine) Rest wiederum will, dass der Ex-Sonnyboy der Regensburger SPD im eigenen Saft schmort und hinter schwedische Gardinen kommt. Am Ende wird die blinde Justitia entscheiden.

Joachim Wolbergs

Die durfte sich in den letzten Monaten viel anhören. Seit Herbst sitzen nämlich Joachim Wolbergs, der Bauträger Volker Tretzel, sein Ex-Mitarbeiter Franz W. und der ehemalige SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Hartl im Sitzungssaal 104 des Landgerichts Regensburg vor Gericht; flankiert von zahlreichen Top-Anwälten.
Bei diesem Mammut-Prozess mit rund 60 Verhandlungstagen geht es um mehrere Vorwürfe. Unter anderem um das Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne (hier soll Tretzel bevorzugt worden sein, auch Hartl soll seine Finger mit im Spiel gehabt haben), um Investitionen beim Jahn (auch hier soll Tretzel wieder seine Finger im Spiel gehabt haben) sowie um gestückelte Parteispenden von Tretzel-Angestellten (Franz W. soll ein firmeninternes Spendensystem koordiniert haben).
Die Staatsanwältinnen Christine Ernstberger und Ingrid Wein sind jedenfalls überzeugt von der Schuld Wolbergs‘ und seiner Mitangeklagten. Sie forderten in ihren Plädoyers vier Jahre und sechs Monate Haft für den 47-Jährigen: wegen Vorteilsannahme in elf Fällen, wegen fünf Verstößen gegen das Parteiengesetz – und wegen Bestechlichkeit in zwei Fällen (obwohl die Wirtschaftsstrafkammer des Gerichts den Vorwurf der Bestechlichkeit nicht zugelassen hatte). Immobilienunternehmer Tretzel soll die gleiche Strafe wie Wolbergs erhalten. Die Staatsanwaltschaft will Franz W. für drei Jahre in Haft schicken. Norbert Hartl drohen sechs Monate auf Bewährung.
Joachim Wolbergs und seine Mitangeklagten haben in ihren Plädoyers – wie schon die gesamte Zeit des Prozesses über – auf ihre Unschuld hingewiesen und werfen der Staatsanwaltschaft grobe Fehler in ihren Ermittlungen vor. Die Verteidiger plädierten daher vergangenen Montag auf Freispruch.
Richterin Elke Escher wird kommende Woche das Urteil im größten Prozess der jüngeren Regensburger Geschichte verkünden. Dafür hat sie zwei Tage vorgesehen, den Mittwoch und Donnerstag.

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