Das darf man, wenn man vom Arzt krank geschrieben ist! Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Riedel klärt auf

Regensburg – Nach dem extrem warmen Sommer sind wir endgültig in der nasskalten Jahreszeit angekommen. Influenza, Erkältungen oder sogar die Lungenentzündung machen wieder die Runde. Die Folge: ein gelber Zettel vom Arzt. Krank geschrieben. Arbeitsunfähig. Doch ist ein Attest gleichzeitig die Verbannung aus dem öffentlichen Leben? Darf ich trotzdem aus dem Haus gehen? Dr. Maximilian Riedel, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei v. Düsterlho, Rothammer & Partner kennt die Antworten.

Von Matthias Dettenhofer

Blizz: Wenn man krank geschrieben ist, bedeutet das, dass man auf jeden Fall zu Hause bleiben muss? Oder darf man trotzdem in die Arbeit gehen?

Dr. Maximilian Riedel, Fach-anwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei v. Düsterlho, Rothammer & Partner Foto: Kanzlei v. Düsterlho, Rothammer & Partner

Dr. Maximilian Riedel: Natürlich darf man in die Arbeit gehen. Jeder Arbeitnehmer muss für sich entscheiden, ob er arbeiten geht oder nicht. Aus Sicht des Arztes sollte man das zwar nicht tun. Und so etwas, wie sich gesund schreiben zu lassen, gibt es nicht.

Es ist also Ermessenssache jedes einzelnen?

Genau. Wenn man als Arbeitgeber jedoch seine Fürsorgepflicht wahrnehmen möchte oder die anderen Kollegen vor Ansteckung schützen möchte, dann kann man den Angestellten auch nach Hause schicken.

Bekommt der Arbeitnehmer kein Problem mit seiner Krankenkasse, wenn er trotz Attest in die Arbeit geht?

Nein, denn das geht auf die eigene Kappe des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber hat ja nicht gesagt, dass er in die Arbeit kommen muss.

Der bekannte „Gelbe Zettel“. Was darf ich tun, wenn ich krank geschrieben bin?
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Krank bedeutet nicht gleich krank. Eine Grippe unterscheidet sich doch sehr von einem gebrochenen Bein. Was darf man tun, wenn man vom Arzt krank geschrieben wurde?

Grundsätzlich gilt, dass man alles tun kann, was einer Genesung nicht im Wege steht. Es besteht keine Verpflichtung, in den eigenen vier Wänden zu sein. Klar ist, mit einem gebrochenen Fuß darf man nicht Fußball spielen (lacht). Das erklärt sich von selbst. Was jedoch geht, ist ein Besuch der Oma in einer anderen Stadt. Mit einer Grippe oder Erkältung darf man natürlich einkaufen oder spazieren gehen. Von einem Disco-Besuch würde ich jedoch abraten, denn wenn einen dort der Arbeitgeber antrifft, gerät man schon arg in Erklärungsnot. Aber sollte jemandem, der eine psychische Krankheit hat, ein Besuch in einer Disco gut tun, dann darf er das sicherlich auch.

Herr Dr. Riedel, vielen Dank, dass Sie sich für den Blizz Zeit genommen haben.