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Regensburg & Landkreis

Krankenhäuser sollen schließen Kliniken aus Regensburg und Landkreisen beziehen Stellung zu Bertelsmann-Studie

Regensburg – Geht es nach einer aktuellen Studie, die führende deutsche Krankenhausexperten im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt haben, sollte jedes zweite Krankenhaus in Deutschland geschlossen werden. Das würde die Versorgungsqualität für Patienten verbessern und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern. Die Idee hat Befürworter wie Kritiker gleichermaßen. Doch was halten die Kliniken in Regensburg und der Region davon? Blizz hat nachgefragt.

Von Claudia Böhm

Eine Neuordnung der Krankenhauslandschaft sei eine Frage der Patientensicherheit – zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung

Im europäischen Vergleich gibt es in Deutschland eine hohe Zahl an Kliniken, Krankenhausbetten und Operationen. Doch wie viel ist zu viel? „Mit weniger als der Hälfte der Krankenhäuser wären Patienten in Deutschland besser versorgt“, fasst die Bertelsmann Stiftung das Ergebnis einer aktuellen Studie zusammen.
Viele Krankenhäuser seien zu klein und würden oftmals nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall angemessen zu behandeln. Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Konzentration auf deutlich unter 600 statt heute knapp 1.400 Kliniken vermeiden. Ebenso gingen damit eine bessere Ausstattung, eine höhere Spezialisierung sowie eine bessere Betreuung durch Fachärzte und Pflegekräfte einher.

Weitere Wege für bessere Versorgung

Was sich einerseits gut und richtig anhört, hat natürlich auch eine Kehrseite. Würden tatsächlich mehrere kleine Krankenhäuser geschlossen, müssten Patienten aus ländlichen Gebieten weitere Wege auf sich nehmen, um eine adäquate Behandlung zu bekommen. Es heißt also: Qualität contra Erreichbarkeit.
Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, hält dagegen: „Wenn ein Schlaganfallpatient die nächstgelegene Klinik nach 30 Minuten erreicht, dort aber keinen entsprechend qualifizierten Arzt und nicht die medizinisch notwendige Fachabteilung vorfindet, wäre er sicher lieber ein paar Minuten länger zu einer gut ausgestatteten Klinik gefahren worden.“

20 Krankenhäuser der Stufen I–III für die Oberpfalz

Wie es ist, wenn ein kleines Krankenhaus schließt, daran erinnern sich noch viele Regensburger. So war es ein herber Verlust, als das Evangelisches Krankenhaus am Emmeramsplatz Ende 2016 geschlossen wurde. Die Belegschaft war damals in der Prüfeninger Straße, im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, untergekommen, Notfälle werden seitdem auf andere Häuser verteilt.

Neben den Kliniken in der Stadt, die auf Grund- und Regelversorgung ausgelegt sind, wie das Caritas-Krankenhaus St. Josef und das Uniklinikum, gibt es auch in den umliegenden Landkreisen eine gute Versorgungslage – noch.

Blizz hat bei einigen Kliniken angefragt und um eine Stellungnahme zur Bertelsmann-Studie gebeten. Das Universitätsklinikum Regensburg, die Goldberg-Klinik in Kelheim, das Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara Schwandorf und die Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf haben geantwortet. Auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hat sich geäußert.

Die ausführlichen Interviews mit allen Kliniken und der Ministerin als PDF jetzt lesen:


Örtliche Kliniken halten Versorgungslage für „noch“ sehr gut

Blizz: Das Ergebnis der Bertelsmann-Studie, eine Reduzierung der Klinikanzahl würde zu einer besseren medizinischen Versorgung führen, halte ich für …

Dagmar Reich, Geschäftsführerin Goldberg-Klinik Kelheim GmbH: … eine sehr gewagte und wenig differenzierte Aussage, weil hier eine Analyse in einem Ballungsgebiet durchgeführt wurde und es sehr wohl Unterschiede zwischen der Sicherstellung der Versorgung mit Krankenhausleistungen in Ballungsgebieten und in ländlichen Regionen gibt.

Blizz: Unser Haus wäre im Falle einer Reduzierung unverzichtbar, weil ….

Dr. Martin Baumann, Geschäftsführer am Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara Schwandorf. Foto: Claudia Seitz

Dr. Martin Baumann, Geschäftsführer am Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara Schwandorf: … weil die Bevölkerung im Landkreis Schwandorf von uns zu Recht erwartet, dass wir als Zentralversorger und größtes Krankenhaus im Landkreis die Patienten im Notfall schnell und qualitativ hochwertig versorgen. Durch die breite Abdeckung der Grund- und Regelversorgung sowie unsere sinnvollen Spezialisierungen auf bestimmte Krankheitsbilder können wir sicherstellen, dass Eingriffe in hoher Zahl und Qualität erbracht werden.

Katja Rußwurm, Pressesprecherin des Universitätsklinikums Regensburg: Das Universitätsklinikum Regensburg ist das einzige Haus der Maximalversorgung (Versorgungsstufe III) in Niederbayern und der Oberpfalz. Als solches ist es unverzichtbar für die Region, da es personell und technisch ein umfassendes und differenziertes Leistungsangebot vorhält, mit dem es auf die Versorgung von schwerstkranken und schwerstverletzten Patienten sowie auf komplexe und seltene Krankheitsbilder ausgerichtet ist. Zudem ist das Universitätsklinikum Regensburg zentrale Schnittstelle zwischen Patientenversorgung, Forschung und Ausbildung angehender Fachkräfte im Gesundheitssektor.

Blizz: Bestehenden Engpässen bei Ärzten und Pflegepersonal begegnen wir in unserem Haus mit …

Robert Betz, Vorstand Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf. Foto: Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf

Robert Betz, Vorstand der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf: …nicht mit An- oder Abwerbeprämien, sondern mit dem Selbstverständnis eines „fairen Arbeitgebers“, das wir uns auferlegt haben, um für die Mitarbeiter auf lange Sicht ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Blizz: Die Patientenversorgung in Regensburg und der Region ist …

Robert Betz: … noch … sehr gut!
Dr. Martin Baumann: … sehr gut aufgestellt. Wir können mit dem Krankenhausverbund der Barmherzigen Brüder in der Region sowohl eine sehr gute wohnortnahe Grund- und Regelversorgung als auch eine extrem hohe Spezialisierung sicherstellen.
Dagmar Reich: … gut aufgestellt und durch die enge Vernetzung der Häuser untereinander (…) auf hohem fachlichen Niveau mit guter Erreichbarkeit für Bürger und Rettungsdienste.
Katja Rußwurm: … derzeit sehr gut, so kann allein die Oberpfalz auf 20 Krankenhäuser der Versorgungsstufe I – III zurückgreifen.


Wegweiser im Gesundheitswesen

Die Weiße Liste unterstützt bei der Arztsuche und Krankenhaussuche. Patienten und Angehörige finden damit einen geeigneten Hausarzt, Facharzt oder Zahnarzt in Wohnortnähe oder ein passendes Krankenhaus. Zudem gibt es Checklisten für Pflegeheime oder Pflegedienste.

Info unter www.weisse-liste.de


Einteilung von Krankenhäusern in Versorgungsstufen

Abhängig von der Zahl der Fachabteilungen und der Betten lassen sich Krankenhäuser verschiedenen Versorgungsstufen zuordnen. Krankenhäuser der …

  • Stufe I dienen der Grundversorgung. In der Regel werden dort Fachrichtungen wie Innere Medizin und Chirurgie vorgehalten.
  • Stufe II erfüllen überörtliche Aufgaben, die spezialisierte Untersuchungsmethoden erfordern. Dort gibt es Fachrichtungen, für die es eine gewisse Abteilungsgröße und Ausstattung braucht, wie etwa Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie oder Neurochirurgie.
  • Stufe III halten ein umfassendes und differenziertes Leistungsangebot sowie entsprechende technische Einrichtungen vor und versorgen ein weit überörtliches Einzugsgebiet. Hierzu zählen auch die Universitätskliniken, die sich zudem der Forschung und Lehre widmen.

Mehr Infos über Krankenhäuser in Bayern unter www.stmgp.bayern.de


 

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