,,Wir arbeiten dafür, Bayern weiter zu stärken!“

Im Blizz spricht Ministerpräsident Dr. Markus Söder (CSU) über Freie Wähler, Grenzpolizei und Fußball

Von PETER MASKOW

Blizz: Herr Dr. Söder, Ihre Vereidigung zum Bayerischen Ministerpräsidenten ist ziemlich genau einen Monat her. Welche Punkte packen Sie denn jetzt an?
Dr. Markus Söder: ,,Wir haben in Rekordzeit eine neue stabile Regierung gebildet und, anders als in Berlin, nicht mit öffentlicher Begleitung, sondern hinter verschlossenen Türen gute Arbeit geleistet. Unser Ziel ist es, Stabilität zu gewährleisten, aber auch Erneuerung zu zeigen. Das Wichtigste ist, den guten Weg in Bayern fortzusetzen, aber auch Verbesserung zu schaffen gegen Wohnungsnot, für einen besseren öffentlichen Nahverkehr und eine noch bessere Familienpolitik.“

Dr. Markus Söder (51, CSU) am Rednerpult des Bayerischen Landtags. Seit 16. März 2018 ist
er Ministerpräsident des Freistaats.

Aus der ,,Regentschaft“ von Ministerpräsident a.D. Edmund Stoiber kennt man das Motto: „Laptop und Lederhose“. Unter welchen Slogan stellen Sie Ihre Amtszeit?
,,Leistungsfähig, liebenswürdig und lebensnah. Das Entscheidende ist eine Balance, aus dem Erhalt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, der Verbesserung der Lebensqualität, aber in unserer Liebenswürdigkeit den optimistischen Ansatz stärker wählen.“

Wer hat in Ihrem Kabinett den härtesten Job?
,,Jede Aufgabe im Kabinett ist ein wichtiger Job für den Einzelnen, weil er nämlich die Möglichkeit bietet, für die Menschen in Bayern etwas zu verbessern oder zu verändern. Ich persönlich glaube, dass es ein Privileg ist, für andere Menschen arbeiten zu dürfen und etwas gestalten zu können. Ich habe mein Hobby als junger Mann zum Beruf machen dürfen und bin bis heute dankbar dafür. Ich glaube, so geht es jedem Minister oder jeder Ministerin in Bayern.“

Sie haben ein Digitalisierungsministerium ins Leben gerufen. Wie treibt man die Digitalisierung in Bayern weiter voran?
,,Wir sind mittendrin. Das Digitalisierungsministerium soll die gesamten Aktivitäten koordinieren, Strategien entwickeln. Neben Infrastruktur wie Breitband und Ausbau des Mobilfunks kommt es darauf an, Forschung voranzutreiben. Künstliche Intelligenz, Robotik, digitale Geschäftsideen, digitale Startups sind eine wichtige Voraussetzung. Darüber hinaus müssen auch die ethischen Fragen der Digitalisierung beachtet werden. Wir müssen uns mit Konzepten damit auseinandersetzen, damit nicht nur einige Datenmonopole besitzen.“

Ernennungs-Urkunde: Auf Judith Gerlach als neuer Digitalisierungsministerin für Bayern ruhen große Hoffnungen in der Staatskanzlei.

Die bayerische Grenzpolizei ist ein wichtiger Eckpfeiler!

Die E-Government-Strategie ,,Vom Blatt zum Byte“: Ämtergang per PC. Wie weit ist man dabei schon?
,,Sehr weit in Bayern. Wir haben durch ein eigenes E-Government-Gesetz die gesetzlichen Grundlagen gelegt. Das einzige, was man künftig noch ausschließlich analog machen sollte, ist heiraten.“

Großer Tierfreund: Markus Söder beim Spaziergang mit seinen Hunden Fanny,
einer Labrador-Hündin, und Bella, der quirligen Zwergpinscher-Dame.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Freien Wählern denn bisher?
,,Sehr gut. Wir haben ein hohes Maß an Übereinstimmung. Auch persönlich funktioniert es auf einer sehr guten, vertrauensvollen Basis. Das hat sich schon in den ersten Wochen der Koalitionsverhandlungen deutlich gezeigt. Wir sind eine bürgerliche Koalition, die sich gut ergänzt. Die Bayern Koalition wird dafür arbeiten, Bayern weiter zu stärken.“

Bleibt es mit den Freien Wählern bei der bayerischen Grenzpolizei?
,,Ja, wir haben das klar vereinbart. Unser Ziel ist immer die richtige Mischung aus Humanität und Ordnung. Die bayerische Grenzpolizei ist ein wichtiger Eckpfeiler der Sicherheitsarchitektur in Bayern.“

Der Ministerpräsident mit seinem Kabinett. Markus Söder: ,,Es ist jünger und weiblicher. Die
richtige Mischung aus Erfahrung und Erneuerung.“

Einen starken Herbst legt in der Zweiten Liga gerade der SSV Jahn Regensburg hin, seit zehn Spielen ohne Niederlage…
,,In der Tat hat die Mannschaft bislang Beachtliches geleistet. Ich hoffe sehr, dass sich der Weg so fortsetzt und natürlich ein guter Platz in der Zweiten Liga drin ist.

Ich bin gespannt, ob sie am Ende vor Fürth liegen.“

Shrek, Punker, Marilyn Monroe: Ihre Kostüme im Fasching sind legendär. Wird man Sie weiter in Verkleidung sehen?
,,Schwierige Frage. Aus der Bevölkerung gibt es viele Wünsche, dass ich wieder in Verkleidung auftrete. Das staatliche Protokoll rät mir eher davon ab. Ich weiß noch nicht, welche der beiden Seelen in meiner Brust gewinnt.“

Viele wollen, dass ich mich auch künftig im Fasching verkleide…

Vor der Landtagswahl haben Sie einen Marathon durch Bayerns Bierzelte gemacht, waren auch auf der Regensburger Dult. Wie lange wollen Sie jetzt erstmal kein Bierzelt mehr von innen sehen?
,,Auf jeden Fall bis zum Frühjahr, weil es keine Bierzelte im Winter gibt. Da wäre es zu kalt. Aber das Bierzelt bietet auch immer viele Begegnungen mit den Menschen. Ich werde das fortsetzen und viel im Land unterwegs sein. Aber anders als im Wahlkampf. Denn das ist schon eine sehr verdichtete Zeit. Jetzt muss manches zur Ruhe kommen und sich gut in Bayern entwickeln.“

Power-Paar aus Nürnberg: Markus Söder und seine Frau Karin Baumüller-Söder.

 

Söder – sein langer Weg an die Spitze

Dr. jur. Markus Thomas Theodor Söder (geb. am 5. Januar 1967 in Nürnberg) ist seit dem 16. März 2018 Ministerpräsident des Freistaats Bayern.
Seine Eltern Max und Renate betrieben eine Baufirma. Ab 1977 besuchte er das Dürer-Gymnasium in Nürnberg. Als Jugendlicher bewunderte er Franz Josef Strauß, wurde 1983 Mitglied der CSU und JU. Nach dem Abi 1986 (Schnitt 1,3) leistete er im Transportbataillon 270 den Wehrdienst, studierte ab 1987 Jura in Erlangen als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung. 1992 bis 1993 absolvierte er ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk, arbeitete bis 1994 als Redakteur in München. Seit 1994 gehört er dem Landtag, seit 1995 dem Präsidium der CSU an. Von 2003 bis 2007 war er Generalsekretär, 2007 bis 2008 Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten, 2008 bis 2011 für Umwelt und Gesundheit, 2011 bis 2018 Minister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. Söder ist verheiratet mit Diplom-Kauffrau Karin Baumüller-Söder, hat vier Kinder.