Gesundheit & Fitness, Regensburg & Landkreis

Nach alarmierender Häufung von Masernfällen diskutieren Politiker über Konsequenzen Kommt Impfpflicht in Deutschland?

Die meisten Impfungen werden im frühen Kindesalter durchgeführt. Aber auch für Jugendliche und Erwachsene gibt es Impftermine, die eingehalten werden sollten Foto: fotolia/Di Studio

Regensburg – Masern sind hochinfektiös – sogar ansteckender als Ebola – und potenziell tödlich. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder. Ob eine verpflichtende Impfung die Lösung sein kann, bleibt fraglich, sagen Regensburger Experten.

Von Claudia Böhm

Die Verweigerung von Impfungen wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO im Januar als eines der zehn größten globalen Gesundheitsrisiken eingestuft. Verunsicherung durch zu wenig Wissen oder aber zu viele teils widersprüchliche Informationen führen dazu, dass zwei bis fünf Prozent der Deutschen Impfungen generell ablehnen.
Frankreich und Italien haben bereits eine Impfpflicht. Dort drohen Eltern Bußgelder, wenn diese ihre Kinder nicht impfen lassen. Um die Impfquoten auch hierzulande zu erhöhen, startete die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zuletzt die Kampagne „Deutschland sucht den Impfpass“ und betreibt Aufklängsarbeit.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit

Experten gehen davon aus, dass sich Masern nicht ausbreiten können, wenn mehr als 95 Prozent der Bevölkerung dagegen geimpft sind. In Bayern liegt die Quote für die zweite Masern-Impfung der Kinder im Alter von 24 Monaten laut Robert-Koch-Institut (www.vacmap.de) beim Geburtsjahrgang 2014 bei 75,7 Prozent und damit etwas über dem Bundesdurchschnitt von 73,9 Prozent.
Im Stadtgebiet Regensburg sind 73,6 Prozent der Zweijährigen gegen Masern geimpft, im Landkreis 74,9 Prozent, wobei ein leichter Rückgang zum Geburtsjahrgang 2013 zu beobachten ist.

Information und Aufklärung statt Verpflichtung

 

Guido Judex, Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit Regensburg
Foto: privat

Guido Judex, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin im Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit Regensburg, führt in seiner Praxis häufig Gespräche mit verunsicherten Patienten. Da viele Eltern fehl- oder zu wenig informiert sind, müssten sich Ärztinnen und Ärzte mit den Argumenten für und wider Impfungen auseinandersetzen. Für umfassende Aufklärung fehle aber oft die Zeit. Auch in der ärztlichen Ausbildung werde das Thema bisher vernachlässigt. „Das Letzte, was ich will, ist ein maserntotes Kind“, so Judex. Statt auf eine Impfpflicht setzt er auf umfassende Information und findet, jedes Kind sei die investierte Zeit wert.

Professor Dr. Bernd Salzberger, Universitätsklinikum Regensburg
Foto: UKR/Referat UK4

Ganz ähnlich sieht das Professor Dr. Bernd Salzberger, Leiter der Abteilung Infektiologie am Uniklinikum Regensburg. Es bräuchte zwar höhere Impfraten – vor allem bei Masern, aber auch bei anderen Infektionskrankheiten. Ob die Impfpflicht dafür der richtige Weg ist, bezweifelt er. „Gesetze erzeugen Widerstand oder die Suche nach Schlupflöchern beginnt“, so Salzberger. Nicht verpflichten solle man Unentschlossene, sondern aufklären und überzeugen.

Offizielle Impfempfehlungen und einen Impfcheck gibt es auf www.impfen-info.de.

Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt!

Schreibe eine Antwort

Theme von Anders Norén