„Natürlich würde ich mich mit AstraZeneca impfen lassen!“ Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer würde als „Vorbild“ dienen, wie es Söder fordert. Und wie halten es andere Politiker/innen und der Regierungspräsident der Oberpfalz?

Aktualisiert vor 3 Wochen von Mario Hahn

Regensburg – Der Europa-Start war richtig mies. Erst scheint der Impfstoff ungeeignet für die Generation Ü65, dann doch nicht, dann gibt es Probleme bei der Produktion. Nun soll er tödliche Nebenwirkungen haben. Zu Recht? Darüber urteilt die EMA. Doch je schlechter über AstraZeneca gesprochen wird, desto mehr Menschen stärken ihm den Rücken. Markus Söder fordert nun sogar alle Politiker auf, ihre Vorbildfunktion zu erfüllen und sich mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen zu lassen.

Von Mario Hahn

Am Montag setzte – neben Ländern wie Dänemark, Frankreich oder Italien – auch Deutschland das Impfen mit dem britisch-schwedischen Vakzin aus. Grund: Berichte über schwere bis tödliche Nebenwirkungen. Bei knapp einem Dutzend von 1,6 Millionen mit AstraZeneca geimpften Deutschen kam es zu Hirnvenenthrombosen. Aktuell prüft die Europäische Arzneimittelagentur das Vakzin erneut (Ergebnis bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.). Experten gehen davon aus, dass das Impfen mit AstraZeneca bald wieder losgehen könnte. Bei einer positiven Überprüfung durch die EMA sprach sich Bayerns Ministerpräsident Söder sogar dafür aus, die Impfreihenfolge zu lockern. Jeder, der den Impfstoff wolle, solle ihn bekommen. So soll Bewegung in die schleppende Impfkampagne Deutschlands kommen.

Die Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca wurden in Deutschland vorerst ausgesetzt. Foto: Nicolas Armer/dpa

Zugleich warb Söder für mehr Akzeptanz von AstraZeneca. Er sagte, er kenne viele, die sich sofort damit impfen lassen würden. „Ich würde mich auch sofort hinstellen“, betonte Söder. Sich als „Vorbild“ impfen lassen? Wie US-Präsident Biden und der israelische Premier Netanjahu? Was sagen die Regensburger Politikerinnen und Politiker und der Regierungspräsident der Oberpfalz dazu?

 

„Sobald ich an der Reihe bin, würde ich mich impfen lassen. Auch mit AstraZeneca“, erklärt Stefan Christoph, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Regensburg, auf Anfrage.

Stefan Christoph, Fraktionsvorsitzender der Regensburger Grünen

Regierungspräsident Axel Bartelt meinte: „Beim Impfen halte ich mich, wie die anderen Amtsträger in der Oberpfalz, an die von der Bundesregierung vorgegebene Reihenfolge, die in der Impfverordnung festgelegt ist.“

Axel Bartelt, Regierungspräsident der Oberpfalz

„Sollten ‚Vorbilder‘ gesucht werden, dann würde ich mich selbstverständlich mit AstraZeneca impfen lassen.“ Grundsätzlich sei der Regensburger Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer jeder Impfstoff recht, aber erst, wenn sie an der Reihe sei. „Es gibt immer noch sehr viel mehr Menschen, die die Schutzimpfung nötiger brauchen als ich.“

Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Oberbürgermeisterin der Stadt Regensburg

Freie Wähler-Stadtrat Günther Riepl ist anderer Meinung als Söder. „Politiker sind nicht wichtiger als Bürger. Politiker sind letztlich auch Bürger und daher keine Vorbilder für diese.“ Geimpft werden sollte der Reihe nach. Ob sich Riepl mit AstraZeneca impfen lassen würde, wissen wir leider nicht.

Günther Riepl, Regensburger Stadtrat der Freien Wähler

 

„Selbst wenn die EMA einen Ursachenzusammenhang zwischen dem Impfstoff und der aufgetretenen Komplikation bestätigen sollte, würde ich mich mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen“, so Bürgermeister Ludwig Artinger: „Wenn man das statistisch geringe Risiko einer Thrombose gegen den sehr hohen Schutz vor einer Covid-19 Erkrankung, zumal vor schweren Verläufen, abwägt, bin ich der Meinung, dass man sich unbedingt impfen lassen sollte!“

Ludwig Artinger, Bürgermeister der Stadt Regensburg

Mit AstraZeneca bereits einmal geimpft, daher nicht abgeneigt ist Astrid Lamby. Als Logopädin (Kinderzentrum St. Martin) wird die Stadtratsfraktionsvorsitzende der ÖDP der Priorität 2 zugeordnet.

Astrid Lamby, Fraktionsvorsitzende der ÖDP Regensburg

Bürgermeisterin Astrid Freudenstein: „Ich persönlich würde mich jederzeit mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen – ich bin nur leider noch nicht an der Reihe.“

Astrid Freudenstein, Bürgermeisterin der Stadt Regensburg

Brücke-Fraktionsvorsitzender Joachim Wolbergs: „Selbstverständlich würde ich mich jederzeit mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen, sobald ich an der Reihe bin. Ich würde mich überhaupt mit allen bisher und zukünftig zugelassenen Impfstoffen impfen lassen, weil ich den Zulassungsbehörden voll vertraue.“

Joachim Wolbergs, Fraktionsvorsitzender der Brücke Regensburg

 

 

Deutschland hat die Impfung mit dem Impfstoff AstraZeneca wegen möglicher Risiken vorerst ausgesetzt. Wie bewerten Sie die Entscheidung der Bundesregierung?

Stefan Christoph (Grüne): “Ich denke, eine solcher Impfstoffstop muss auf wissenschaftlichen Grundlagen basieren und nicht als rein politische Entscheidung; ob das im vorliegenden Fall passiert ist, vermag ich nicht genau zu beurteilen. Bedauerlich ist es auf jeden Fall, dass damit jetzt wieder deutlich weniger Impfdosen zur Verfügung stehen.”

Regierungspräsident Axel Bartelt: “Eine Bewertung des Impfstoffs AstraZeneca wird in Deutschland durch die dazu zuständigen Fachleute aus dem Gesundheitsbereich vorgenommen, in unserem Fall durch das Paul-Ehrlich-Institut, siehe Bundesregierung setzt AstraZeneca-Impfungen aus. Auf dieser Grundlage hat die Bundesregierung ihre Entscheidung getroffen. Als Regierungspräsident steht mir keine Kommentierung oder Bewertung von Entscheidungen der  Bundesregierung oder der Bayerischen Staatsregierung zu.” Übrigens: Die Regierung der Oberpfalz hat in ihrer Zuständigkeit die Entscheidung der Bundesregierung unverzüglich an die Kreisverwaltungsbehörden und an die Impfzentren weitergegeben, damit ein Impfstopp sofort vollzogen werden konnte.

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD): “Es ist wichtig und richtig, dass hier in Deutschland der Impfstoff nochmal geprüft wird. Hier zählt Sicherheit! Dennoch führt dieser Stopp zu einer Verzögerung bei den Corona-Schutzimpfungen und hat Auswirkungen auf die bayerische Impfkampagne, die ja vorsieht, auch niedergelassene Ärzte zeitnah mit einzubinden.”

Bürgermeister Ludwig Artinger (Freie Wähler): “Es war für die Bundesregierung sicher eine sehr schwierige Entscheidung, die Impfung mit Astrazeneca vorerst auszusetzen, weil dadurch natürlich zum einen das Vertrauen in diesen Impfstoff, das ja bereits vorher etwas angekratzt war, noch mehr beeinträchtigt worden ist und zum anderen, weil sich die Durchimpfung der Bevölkerung deutlich verzögern wird.”

Astrid Lamby (ÖDP): “Zunächst handelt es sich ja um einen zugelassenen Impfstoff, also ist grundsätzlich nichts gegen das impfen mit Astra Zeneca einzuwenden. Jetzt hat man Hinweise auf möglich Komplikationen, da ist es schon sinnvoll, diesen nachzugehen und eine Impfpause zu machen. Nun muss genau geprüft und abgewogen werden: stehen die Komplikationen in direktem Zusammenhang mit der Impfung? Wie oft treten sie als Nebenwirkung auf? Wie oft treten bei einer Covid-19-Erkrankung Komplikationen und schwere Verläufe auf? Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Vorteile der Impfung überwiegen und wir die (vermutlich seltenen) Nebenwirkungen in Kauf nehmen können. Das tun wir im Übrigen bei zahlreichen zugelassenen Medikamenten ständig. Man muss nur einmal die Beipackzettel genau lesen… Daher finde ich die Entscheidung der Bundesregierung für den Moment richtig und hoffe auf eine schnelle und hoffentlich positive Prüfung.”

Joachim Wolbergs (Brücke): “Ich kann die Vorsichtsmaßnahme der Bundesregierung, den Impfstoff AstraZeneca vorerst auszusetzen, verstehen, hätte aber auf der Grundlage der Informationen, die mir zugänglich sind, wohl anders entschieden.”

 

Wie sicher sind die Impfstoffe?

 

 

 

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.