Regensburg – Seit dem 1. November hat das Spital in Regensburg einen neuen, den 124. Spitalmeister. Wolfgang Lindner folgt auf Willibald Koller. Lindner übernimmt nun die Bereiche Seniorenheim, Brauerei, Forst- und Landwirtschaft und das Spitalarchiv. Im Blizz spricht er über seinen Werdegang und seine Ziele für das Spital.

Von Mario Hahn und Matthias Dettenhofer

Blizz: Herr Lindner, Sie sind der neue Spitalmeister, können Sie uns kurz Ihren persönlichen Werdegang skizzieren?

Wolfgang Lindner (44): Ich habe meine Schulzeit am Augustinus-Gymnasium Weiden verbracht, war dort auch bei den Augustinern im Internat. Nach meinem Abi-tur war ich mir nicht sicher, was ich machen sollte. Ich hatte über den Medizinertest einen Medizinstudienplatz, wusste aber nicht, ob das der richtige Beruf für mich sein wird. Deshalb habe ich in einer Herz-Kreislaufklinik dann Zivildienst gemacht und mich dann entschieden, zunächst eine Krankenpflegeausbildung am Caritas-Krankenhaus St. Josef zu machen. Im Anschluss daran habe ich an der OTH Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Personal- und Sozialwesen studiert. Während des Studiums war ich weiter in der Krankenpflege beschäftigt und konnte mir so das Studium finanzieren.

Wie würden Sie vor diesem Hintergrund den Menschen Wolfgang Lindner beschreiben? In seiner beruflichen Funktion.

(Überlegt) Als Spitalmeister, hmmm. Es gibt verschiedene Aspekte. Betrachte ich es vom Führungsstil, würde ich sagen, ich führe nach Zielen und mit ganz großem Vertrauensvorschuss. Ich vertraue generell erst einmal jedem Menschen. Zum Thema Ziele, ich gebe meinen Mitarbeitern vor, wo es zum Jahresende hingehen soll und damit sind sie weitgehend angeleitet, selbständig zu arbeiten, um dorthin zu kommen. Ich fordere Kreativität und hake aber schon auch nach. Das hat nichts mit Kontrolle, sondern mit Reflexion zu tun. Ich begleite meine Mitarbeiter, es bringt ja nichts, am Ende den Watschenbaum auszupacken, wenn jemand das geforderte Ergebnis nicht liefert, auch weil ich nicht konstruktiv mitgearbeitet habe.

Aber bedingungsloses Vertrauen ist auch fehl am Platze.

Klar, wenn ich merke, dass jemand nicht mitzieht, dann muss man sich trennen. Das ist für beide Seiten die sauberste Lösung und auch fair

„Begleiten, aber nicht kontrollieren!“

Unterscheidet sich die Führungskraft Lindner vom Privatmann Lindner?

Ja! Das geht schon los beim Schreibtisch daheim und beim Schreibtisch in der Arbeit. In der Arbeit kann ich mit Unordnung nicht leben, das wäre höchst unprofessionell. Zuhause existieren Stapel von Dingen, die warten, abgelegt zu werden Die werden nach A, für wichtig, bis C, für unwichtig, angelegt und warten dann abgelegt zu werden. Zuhause habe ich eine größere Toleranz und darum drangsaliere ich auch meine Frau und meine Kinder nicht so. Da würde ich vermutlich ein anderes Feedback als im Büro bekommen, wenn ich dort auch so auf Ordnung drängen würd.(lacht).

Aber vom Wesen unterscheidet sich der private Wolfgang Lindner nicht vom Spitalmeister. Ich bin ach in den eigenen vier Wänden ein sehr liberaler Mensch. Leben und leben lassen ist etwas ganz Elementares und danach orientiere ich mich beruflich und privat bei der Kindererziehung. Ich erwarte aber immer, dass sich jemand weiterentwickelt.

Die Brauerei gehört mit zum Aufgabenfeld von Spitalmeister Wolfgang Lindner

Sie wirken sehr aufgeräumt, ausgeglichen und kontrolliert. Wann geht Wolfgang Lindner richtig aus dem Sattel?

Gibt‘s, aber gibt‘s nicht häufig. Im Grunde bin ich der Meinung, dass alles, was sich in einem ruhigen Gespräch nicht lösen lässt, sich meist eh nicht lösen lässt. Man muss sich immer als Mensch begegnen. Allerdings, wenn ich merke, dass es substantiell wichtig ist, dann mache ich Krawall. Dann muss man mal einen auspacken und auch mal draufhauen. Das kann dann auch mal weh tun. Das ist für die eigene Selbsthygiene wichtig, man will ja morgens ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen.

Kann man also sagen „Durchs Reden kommen Leute zusammen“?

Einhundertptozentig, ja!

„Man muss sich immer als Mensch begegnen“

Sie haben den Posten des Spitalmeisters von Willibald Koller übernommen, der nach elf Jahren vom Spitalrat in den Ruhestand verabschiedet wurde. Was hat Ihnen Ihr Vorgänger mit auf den Weg gegeben?

Entscheidend hat er mir mit auf den Weg gegben, dass das Spital eine Familie ist und ich mir erst einmal in aller Ruhe ein Bild machen soll. Das hätte ich aber auch so gehandhabt. Schon alleine, um der Belegschaft die Angst vor dem „Neuen“ zu nehmen. Die Mitarbeiter honorieren das und ich spüre schon jetzt ihr Vertrauen.

Vorgänger und Nachfolger: Willibald Koller (re.) übergibt den Posten des Spitalmeisters an Wolfgang Lindner Foto: Spital/Blizz-Archiv

Warum glauben Sie, hat sich der Spitalrat – bestehend aus vier geistlichen und vier weltlichen Räten – für Sie als Spitalmeister entschieden?

Ich habe die letzten fünf Jahre die Bildungshäuser des Bischofs betreut. Haus Werdenfels, Schloss Spindlhof, Haus Johannistal, Priesterseminar und das Diözesanzentrum Obermünster zum Teil. Das war, denke ich, mein Vorteil, weil die Herrren aus dem Domkapitel, die ja teils auch im Spitalrat sitzen, mich und meine Arbeitsweise schon gekannt haben. Sie wussten also, wie ich den Spagat zwischen Gemeinnützigkeit und Wirtschaftlichkeit angehen muss. Es war natürlich von Vorteil, dass ich bisher schon mit Immobilien betraut war, dass ich aus der Pflegebranche komme und natürlich mein BWL-Studium mit Schwerpunkt Personalwesen. Neu ist einzig das Brauereiwesen. Das ist der Sprung ins kalte Wasser.

Die Position des Spitalmeisters gibt es schon seit dem 13. Jahrhundert. Was ist die Hauptaufgabe?

In erster Linie ist das Spital vom Stiftungszweck ein Altenheim. Und das ist auch der personelle Schwerpunkt. Wir haben hier einen Dreischichtbetrieb, der laufen muss. Das sind knapp 80 Mitarbeiter. Das Altenheim ist auch mit Abstand der Bereich mit dem größten Umsatz. Was mir jedoch in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist, ist das Thema Tariflöhne. Ich bin ganz starker Verfechter der Position, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und nicht zwei oder sogar drei Jobs nebenher haben müssen. Wenn das nicht mehr funktioniert, ist unsere Gesellschaft am Ende. Ebenso ist es eine Bankrotterklärung, wenn wir unsere alten und hilfsbedürftigen Menschen nicht mehr pflegen wollen. Darum müssen Pflegeberufe dringend finanziell aufgewertet werden und es ist kein Zeichen von Wertschätzung und Anerkennung, wenn sich die Politik überlegt, wen ich am besten und billigsten aus dem Ausland hole. Es ist genug Geld im System, nur die Verteilung der Mittel ist nicht fair geregelt. Es gibt Milliarden an Dividendenausschüttungen im Pharmabereich usw. Die Pflege hätte die größte Macht, weiß es aber nicht.

Welche Stiftungszwecke existieren neben Brauerei und Altenheim zusätzlich?

Wir haben noch 700 Hektar Forst in der Nähe von Hains-acker, der mir ebenfalls sehr wichtig ist. Dort arbeiten wir sehr nachhaltig. Wir verkaufen nur Holz, wenn wir angefragt werden. Wir müssen nicht verkaufen. Das nächste Stiftungsthema ist das weltberühmte Spitalarchiv. Es ist eines der wenigen Archive weltweit, welches vollständig ist. Viele sind im Dreißigjährigen Krieg verbrannt. Doch das Spitalarchiv wurde glücklicherweise während der Kämpfe ins Gut Aschach ausgelagert und ist somit unversehrt geblieben. So kann man aus den Aufzeichnungen die kompletten Ausgaben, Bilanzen und Buchhaltungsdaten für das Spital von 1226 an bis heute nachvollziehen. Das ist ein unvorstellbarer geschichtlicher Schatz, der auch immer Doktoranden und viele andere Wissenschaftler anzieht. Denn man kann aus den Listen erkennen, wie es den Menschen in jeder Zeit ergangen ist.

Darüberhinaus gehören natürlich auch Urkunden in den Fundus des Spitalarchivs, wie etwa die älteste Regensburger Stadturkunde aus dem Jahr 1136. Nicht zu vergessen, das berühmteste Regensburger Bild „Die zwei Johannes“ von Albrecht Altdorfer, das als Dauerleihgabe im Historischen Museum ist, jedoch jetzt dann auf Tournee im Louvre in Paris und in der Albertina in Wien ausgestellt wird. Das ist schon beeindruckend.

Das neue Jahr steht vor der Tür. Welche Wünsche hat der Spitalmeister Wolfgang Lindner und welche der Privatmensch Wolfgang Lindner?

Klingt kitschig, aber ich wünsche mir eigentlich nur Gesundheit, für meine Familie, für mich und mein Umfeld. Ich denke, es gibt sonst nichts, was man nicht bewältigen oder sich kaufen kann, außer der Gesundheit. Der Spitalmeister wünscht sich Erfolg in Bezug auf meine Tätigkeit im Spital. Ich hoffe, dass sich die Spitalfamilie bei mir gut aufgehoben fühlt und mich als zuverlässigen Arbeitgeber wahrnimmt, auf den man sich verlassen kann. Darüberhinaus möchte ich zeigen: Das Spital ist etwas Lebendiges, und das möchte ich den Regensburgern zeigen.

Vielen Dank für das lustige, interessante und ausführliche Gespräch. Das Blizz-Team wünscht Ihnen, Ihrer Familie und der ganzen Spital-Mannschaft ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!