Polder-Diskussion geht in die nächste Runde Kritik kommt von Politik und Bürgern

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Regensburg – „Die bayerische Regierung hat ihr Versprechen gebrochen!“ Parteiübergreifend echauffieren sich Politiker und Bürger über die neuerliche Entscheidung im Fall der Flutpolder im Landkreis Regensburg. Entgegen einer früheren Absprache soll bei Wörth nun doch ein Donau-Rückhaltebecken kommen – von der Größe des Tegernsees.

Von Nadja Pohr

Am Montag veröffentlichte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) eine vertiefte Wirksamkeits-Studie des Landesamts für Umwelt und goss damit erneut Öl ins Feuer. Denn laut dem bayerischen Koalitionsvertrag von 2018 sollten die Standorte im Landkreis Regensburg eigentlich nicht weiterverfolgt werden. Nun die Kehrtwende.

Worum gehts?

Flutpolder sind Rückhaltebecken, die im Fall eines drohenden Hochwassers geflutet werden und so erhebliche Wassermassen aus den Flüssen nehmen. Neun solcher Polder sind entlang der Donau geplant. Nach der neuen Studie ist zumindest ein Flutpolder in der Region Regensburg notwendig. In Wörthhof soll er entstehen und vergleichbar so groß wie der Tegernsee sein. Durch ihn würden Hochwasser in Straubing um 40 Zentimeter und in Deggendorf um 24 Zentimeter reduziert werden.

Kritik von allen Seiten

Über die Entscheider im Ministerium brach daraufhin eine Welle von Kritik herein. Die Bürgerinnen und Bürger seien entsetzt, weil die Regierung in Bayern ihr Wort gebrochen habe, erläutert die CSU-Fraktion in einem offenen Brief an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Die SPD Regensburg mahnt, dass der Polder im Landkreis nur bedingt etwas an der Hochwassersituation donauabwärts verbessere und keineswegs dazu führe, dass künftig noch näher an den Fluss gebaut werden könne. SPD-Kreisratsvorsitzender Sebastian Koch befürchtet außerdem, dass Hochwasserschutz nicht als gemeinsame Herausforderung für ganz Ostbayern, sondern weit überdurchschnittlich zu Lasten der Region gehen könnte. „Solidarität ist keine Einbahnstraße“, so Koch.

Auch Landrätin Tanja Schweiger sieht in der Situation eine Einbahnstraße: „Wir haben den Donauausbau mit Staustufen hingenommen, der so in Niederbayern wegen der freifließenden Donau nicht zumutbar war. Wir bekommen die SüdOstLink-Trasse, die fachlich nach Gundremmingen sollte und politisch in Ingolstadt und Schwaben nicht zumutbar war und wir sollen nun auch noch einen mehrere Meter hohen Stausee in der Größe des Tegernsees bekommen, obwohl in unserer Region bei Starkregen das Wasser bereits jetzt wochenlang nicht abfließt. Wo bleibt die Solidarität mit uns?“

Für Grundstückseigentümer und Landwirte ist ein weiterer Kritikpunkt der Verlust ihrer Flächen, auf denen die Polder entstehen sollen. Thorsten Glauber kündigte jedoch an, dass alle Eigentümer eine umfassende Entschädigung bekommen. So soll es im Fall der Flutung bei einem Extrem-Hochwasser 100-prozentigen Ersatz für Ernteausfälle oder beschädigte Ackerflächen geben.

In den kommenden Wochen will Glauber Gespräche mit Kommunalpolitikern und Bürgern vor Ort führen.

Die Debatte um Flutpolder war im Juni hochgekocht, als erste Ergebnisse aus der Studie bekannt wurden, die für die Polder sprachen. Auch Aiwanger, bislang ein Gegner der Flutpolder, sah deren Notwendigkeit daraufhin als gegeben an.

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