Regensburg wächst rasant. Die Folge: Platzmangel an Grundschulen und Kitas. OB-Kandidat Janele schlägt Alarm „Haben alle unsere Kinder bald noch Platz?“

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Regensburg – In gut einer Woche beginnt in Bayern die Schule – und Christian Janele schlägt Alarm. „Wir steuern in Regensburg bei etlichen Grundschulen und Kitas auf massive Platzprobleme zu. Oder haben sie bereits. Und was macht die Stadtführung? Sie wurschtelt nur herum”, so der CSB-Stadtrat und Oberbürgermeisterkandidat

Von Mario Hahn

Der Vertreter der Christlich Sozialen Bürger (CSB) im Stadtrat und Oberbürgermeisterkandidat sollte wissen, wovon er redet, war er doch im gesamtstädtischen Elternbeirat und ist Elternbeiratsvorsitzender der Konradschule.
Die Situation in Regensburg sei prekär, findet daher Christian Janele. Gründe hierfür seien unter anderem die rege Bautätigkeit und – vor allem – der stetige Zuzug junger Erwachsener in den letzten Jahren.
Die Konsequenz sei, so steht es im städtischen Kita-Monitoring 2018, „dass sich die Anzahl der in Regensburg lebenden Kinder deutlich erhöht“ und „die Nachfrage nach Betreuungsangeboten entsprechend zugenommen“ habe.
Daher werde es in „vielen Grundschulen und Kitas eng. Oder besser gesagt: Noch enger als jetzt schon“, so der Kandidat für die OB-Wahl 2020.

„In Regensburg werden 1.000 Kita-Plätze fehlen“

Aktuell bekommt zwar noch jedes Kind einen Kita-Platz, für die Zukunft zeichnet Janele aber ein düsteres Bild. „Es werden in den nächsten Jahren viele Kitaplätze fehlen. Bei der Haushaltsrede im letzten Dezember sprach die Bürgermeisterin von 1.000 fehlenden Betreuungsplätzen.“
Die Bedürfnisse der Eltern hätten sich aber geändert. „Immer mehr wollen oder müssen ihre Kinder vor dem dritten Lebensjahr in die Kita schicken, damit der Lebensunterhalt ausreichend gesichert ist“, sagt der CSB-Politiker.
Zudem fehle es an Gebäuden, die als Kitas genutzt werden könnten, und es gebe einen Fachkräftemangel. „In den vergangenen Jahren hat die Stadtführung viel zu wenig getan, um neue Kitas zu schaffen“, kritisiert Janele. Und das, obwohl man von dem Zuzug nicht von heute auf morgen überrascht worden sei: „Mir haben Frauen und Paare berichtet, wie sehr sie die Kita-Suche belastet. Für Frauen ist es oft bitter, wenn sie nicht arbeiten können und beruflich zurückstecken müssen. Mir ist unverständlich, wie man es versäumen kann, so ein Thema rechtzeitig zu planen“, schüttelt Janele nur den Kopf.

„Ein klares Indiz für städtisches Versäumnis“

Unverständnis auch im Hinblick auf das Neubaugebiet Brandlberg. „Hier wurden zunächst 190 Wohneinheiten genehmigt. Entstehen werden jedoch 550. Wenn eine so enorm hohe Bebauung nachgenehmigt wird, muss man sich sofort Gedanken über eine entsprechende Infrastruktur machen“, meint Janele. Momentan sehe es so aus, dass noch nicht einmal die Hälfte der Familien ins Neubaugebiet gezogen sei und die Konradschule schon jetzt aus allen Nähten platze. Wenn der Ausbau der Konradschule erst jetzt als „zeitlich dringend“ angesehen werde, dann sei das doch ein klares „Versäumnis“ der Stadtführung. Bisweilen seien die Folgen des Zuzuges kurios, wie das Beispiel der Grundschule Prüfening zeige. „Deren Neubau muss wegen Platzmangels bereits mit Containern ergänzt werden.

„Kita- und Schulplätze müssen zeitgleich mit Neubaugebieten geplant werden“

Janele: „Wenn ich Oberbürgermeister bin und ich weiß, es entsteht ein größeres Wohnbaugebiet, so muss ich mir doch als Stadtführung bewusst sein, dass mit dem Zuzug von Familien zeitgleich mit der Planung und Ausführung von Kita- und Schulplätzen begonnen werden muss. Natürlich gibt es Probleme, wenn man damit erst dann anfängt, wenn die Kinder vor der Türe stehen.“

Sanierungsstau an Regensburger Schulen

Janele: „Was genauso wichtig ist: Wir müssen unsere bestehenden Gebäude erhalten. Nur hat die Stadt lange nichts gemacht. Jetzt haben wir einen Sanierungsstau an unseren Schulen.“ Das müsse sich ändern. „Wir können auf Dauer weder Schülern noch Lehrern Unterricht in maroden Gebäuden oder sogar Containern zumuten!“ Einige Schulen befänden sich in katastrophalem Zustand.“ Janele: „Das haben unsere Kinder und auch die Lehrer, die guten Unterricht machen, nicht verdient.“

 

Christian Janele: „Es gibt noch sehr viel zu tun.“

Regensburg – „Es gibt noch sehr viel zu tun,“ betont Christian Janele. Das gilt laut dem Vertreter der Christlich Sozialen Bürger (CSB) im Stadtrat und Oberbürgermeisterkandidaten insbesondere im Bereich der Schulen und Kinderbetreuung. Im nachfolgenden Interview formuliert er seine Kritik und hat auch einige Lösungsvorschläge parat.

 

Blizz: Wie sehen Sie die aktuelle bildungspolitische Situation in Regensburg?

Christian Janele: Es geht alles nur sehr schleppend voran. Man muss sich vorstellen: 2012 wird ein Schulentwicklungsplan beschlossen und dieser wird dann erst im vergangenen Jahr erstellt, und das bei dem starken Zuzug, den Regensburg hat! So etwas ist nicht tragbar.

Wo sind die Baustellen?

Tja, Baustellen gibt es nahezu überall, denn an fast allen Schulen besteht Bedarf. In meinen Haushaltsreden der letzten Jahre habe ich vor allem immer wieder auf den wirklich schlechten Zustand des Werner-von-Siemens-Gymnasiums hingewiesen. Jetzt endlich ist beschlossen worden, dass der Osttrakt neu gebaut wird. Sie müssen sich vorstellen, da lösen sich bereits Fassadenteile und ein Bauzaun schützt die Kinder vor bröckelnden Teilen. Da wurde doch wieder einmal zu lange gewartet. Ganz dringlich ist jetzt die Umsetzung einer Grund- und Mittelschule im Stadtsüden.

Wie kann sich Regensburg für die Zukunft rüsten, was den Bedarf an Schulen und Kinderbetreuungsstätten betrifft?

Bei der Planung und Realisierung von Wohnungsneubau, Nachverdichtung oder der Nachnutzung von Wohnraum muss auch, und ohne Ausnahme, die Entwicklung der Bildungs- und Sozialinfrastruktur berücksichtigt werden. Das fordert der Schulentwicklungsplan. Doch konsequent umgesetzt wird diese Forderung nicht und wenn, dann in der Regel nur sehr halbherzig.

Haben Sie genaue Vorstellungen zur Lösung der Schul- und Kinderbetreuungsproblematik in unserer Stadt?

Wir müssen dringend auf den Erhalt der bestehenden Einrichtungen achten. Kita- und Schulplätze müssen bereits bei der Genehmigung von Neubaugebieten geplant werden. Wenn wir neue Bürger wollen, die zum Wohlstand unserer Stadt beitragen, sind wir verpflichtet ihnen eine gut funktionierende Bildungsinfrastruktur zu bieten.

Wie könnten vor allem berufstätige Eltern künftig entlastet werden?

Mindestens 81 Prozent aller Eltern wünschen sich eine Mittags- bzw. Hortbetreuung bis 16 bzw. 17 Uhr. Ein Drittel bekommt für seine Kinder keine dieser Betreuungen. Das muss sich ändern!

Haben Sie konkrete Vorstellungen dazu?

Die Betreuungszeiten müssen den Bedürfnissen der Eltern, vor allem aber der Alleinerziehenden, die in der Regel berufstätig sind, angepasst werden. Viele müssen auch samstags arbeiten und da gibt es oft keine Betreuungsmöglichkeiten. Deshalb müssen die Kitas in der Zeitgestaltung wesentlich flexibler werden. Auch samstags muss eine Betreuung möglich sein.

Sie haben auch immer wieder die Ausstattung der Schulen kritisiert. Wo fehlt es Ihrer Meinung nach?

Ich sehe einen Mangel an Unterrichtsmaterialien wie zum Beispiel Lehrmittel und Schulbücher. Es fehlt an Multimediaausstattung, also an Computern und Internet, aber auch am Vorhandensein von Bibliotheken und Laboren. Genauso sollte an Vorbereitungs- und Besprechungsräume gedacht werden. Dies alles sind wichtige Voraussetzungen für eine angemessene Unterrichtsgestaltung. Der Zustand von Schulgebäuden oder Unterrichtsräumen muss verbessert werden, denn durch schlechte Heiz-, Klima- und Beleuchtungsanlagen wird das Lernen der Schülerinnen und Schüler beeinträchtigt. Wir sollten bedenken, dass ein positives Erscheinungsbild der Schule sich günstig auf das Wohlbefinden von Schülern und Lehrkräften in der Schule auswirkt.

Was gehört noch zu diesem Mindeststandard?

Abgesehen von der „grünen Tafel“ sollten heutzutage in einem modernen Klassenzimmer eine Doku-Cam, ein Lehrer-Computer, ein Beamer sowie Audio-Ausstattung für die unterschiedlichen Präsentationen selbstverständlich sein. Aber auch Gruppen-Tablets in mobilen Koffern sollte es geben.

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