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Regensburg & Landkreis

Regensburgs Bischof Voderholzer zeigt seine Krippensammlung „Phantasie, Traum und Wirklichkeit“

Dr. Rudolf Voderholzer, der Bischof von Regensburg

Regensburg – Was gehört eigentlich zu einem traditionellen Weihnachtsfest dazu? Klar, ein Christbaum, der Besuch der Christmette, natürlich die leuchtenden Kinderaugen und Krippenlandschaften in allen Arten und Formen. Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, selbst Sammler und Liebhaber der Darstellungen der Menschwerdung Gottes, erklärt die Faszination seiner Passion für Krippen.

Von Matthias Dettenhofer

Geschenke, Geschenke und noch viel mehr Geschenke! Weihnachten und die Weihnachtszeit werden Jahr für Jahr im Konsumrausch der blinkenden Schaufenster der Geschäfte versenkt. Kaum jemand schert sich noch um traditionelle Werte. Bäume und Krippen werden als schmückendes Beiwerk gesehen, als Dreingabe im Marketingwahn.
Für Bischof Dr. Rudolf Voderholzer dagegen nimmt die Krippe eine zentrale Position gerade in der Weihnachtszeit ein. „Krippen sind Phantasie, Traum und Wirklichkeit in einem. Phantasie, weil wir nicht wissen, wie es bei der Geburt Jesu tatsächlich zuging. Traum, weil wir uns, als visuelle Wesen, gerne in bildliche Situationen hineinzuversetzen versuchen, und Wirklichkeit, weil die Krippen-Künstler über alle Zeiten hinweg Abbilder ihres Zeitgeschehens geschaffen haben.“ So stellt etwa eine zeitgenössische Krippe mittels einer Mauer zwischen Jerusalem und Betlehem die politische Situation Israels dar.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer strahlt, wenn er über die Bedeutung und die Darstellung von Krippen spricht

Die ersten Krippen wurden Mitte des 16. Jahrhunderts von den Jesuiten in Kirchen und Klöstern aufgebaut. „Erstmals erwähnt wird eine Krippe aus dem Jahr 1562 in Prag“, weiß Voderholzer. Die Hochzeit der Darstellung der Menschwerdung wurde im Barock erreicht, als Fürsten und Adelshäuser opulente Krippen anfertigen ließen, bestickte, kostbare Kleidung inklusive. „Während der Aufklärung wurden sie dann teilweise verboten. Doch im Volksglauben hatten sie sich schon fest verankert.“
Und so haben sich die Krippen über die Jahrhunderte immer weiter verändert und jeder Krippenbauer verarbeitet für seine Region typische Merkmale. Da gibt es die Krippen im alpenländischen Stil, die Jesu Geburt in einen Stadel auf der Alm verlegen, oder es gibt ganze Krippenlandschaften, die mehrere Szenen aus der Bibel darstellen oder auch alltägliche Szenen wie raufende Kinder oder eine Wirtshausszene. Im Zentrum steht jedoch immer die Szene mit Maria, Josef, Ochs, Esel, Hirten, Schafen, Verkündigungsengel und natürlich dem Jesuskind.
Für den passionierten Krippen-Liebhaber Bischof Voderholzer ein wahres Glück, denn seine Sammlung umfasst Krippen aus aller Welt und in allen Formen und Größen. Von der Krippe-to-go in der Streichholzschachtel, über Darstellungen auf Wachstafeln, landestypische Krippen aus Lateinamerika oder Afrika bis hin zu nussschalengroßen Krippen und großen, alten oder neuen Landschaften. Sogar eine Playmobil-Krippe besitzt er.
Wie viele Krippen Voderholzer insgesamt hat, weiß er nicht. „Momentan haben wir jedoch etwa 40 Stück an eine Ausstellung in Neukirchen beim Heiligen Blut ausgeliehen.“ Macht aber nichts, seine Sammlung im Bischöflichen Ordinariat ist noch immer beeindruckend. Und sie wächst auch stetig an. „Ich bekomme manchmal Krippen geschenkt, die anderswo auf dem Dachboden verstauben. Und natürlich kaufe ich auf meinen Reisen auch immer Stücke. Leider nicht so viele, wie ich gerne möchte, da es im Koffer dann schon recht eng zugeht“, lacht Bischof Voderholzer. Manchmal lässt er sogar extra eine Krippe für sich anfertigen.
Worin aber besteht die Faszination? „Die Darstellungen sind ein Schnittpunkt, eine Mischung aus Volkskunst und hoher Kunst. Beim Betrachten der verschiedenen Krippen kann man immer wieder ein neues Detail entdecken. Darum schaue ich mir meine Stücke auch immer und immer wieder an.“ Man spürt, dass ihn dieses Thema begeistert, und so leuchten zur Weihnachtszeit eben nicht nur Kinderaugen, sondern auch die des Regensburger Bischofs.

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