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Regensburg & Landkreis

Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest

Jede Wildsau ein Risiko Foto: prochym/Fotolia.COM

Landrätin Tanja Schweiger: „Die Seuche steht vor unseren Toren.“

Regensburg – Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt immer näher: Osteuropäische Länder meldeten bereits Tausende infizierte Wild- und Hausschweine. Aktuell überrollt die ASP unsere direkten Nachbarn Polen und Tschechien. Die Frage ist nicht ob, sondern wann die ASP auch zu uns kommt. Der Landkreis Regensburg hat nun Maßnahmen vorgestellt, die die Ausbreitung von Tierkrankheiten im Wildtierbestand vorbeugen sollen.

Landrätin Tanja Schweiger stellte gemeinsam mit Experten den Tiefkühlanhänger vor, der im Seuchenfall als mobile Sammelstelle für Wildschweinkadaver dienen soll

Das Horrorszenario schlecht-hin: Ein osteuropäischer Last-wagenfahrer ist auf Durch-reise durch unseren Landkreis und verzehrt zur Brotzeit seine Salami, hergestellt in der Ukraine, Polen oder Tschechien. Nachdem er satt ist, wirft er den Rest in den Wald oder in der Nähe einer Autobahnraststätte aus dem Fenster. Das Problem: Die Salami war kontaminiert, das Fleisch stammte von einem Wild- oder Hausschwein, das sich mit ASP angesteckt hatte. Der osteuropäische Lastwagenfahrer konnte das nicht wissen, schließlich ist ASP für den Menschen ungefährlich, auch der Verzehr von mit ASP kontaminiertem Fleisch. Nicht aber für das Wildschwein. Der Allesfresser schnappt sich die verseuchte Salami und – fatal, schon ist die Afrikanische Schweinepest auch bei uns angekommen. Das Wildschwein stirbt nicht auf der Stelle. Manchmal tritt der Tod innerhalb von Stunden ein, manchmal dauert es ein paar Tage. In dieser Zeit kann es weitere anstecken. Ein Schreckenszenario für die heimische Landwirtschaft. Sollte nur ein einziges Wildschwein infiziert sein, müsste ein Sperrbezirk mitsamt Pufferzone von 30 Kilometern Durchmesser errichtet werden, in dem kein Schweinefleisch mehr vermarktet werden dürfte. Das hätte massive finanzielle Einbußen zur Folge für die Schweinefleischindustrie – und für die rund 270 Betriebe mit rund 30.000 Schweinen im Landkreis Regensburg.

Laut Meldung des Friedrich-Loeffler-Insttuts (FLI) wird das Risiko des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland angesichts der aktuellen Entwicklung in Osteuropa als hoch eingestuft. Oberste Ziele aller Maßnahmen, die Bund, Länder und Landkreis derzeit planen und einführen sind daher die weitgehende Reduktion der Schwarzwildbestände, um die Ausbreitungsgefahr im Seuchenfall zu verringern

Wir sollten uns nichts vormachen: Die ASP wird auf seiner Wanderung nach Westen auch vor Bayern und dem Landkreis Regensburg nicht Halt machen. „Auch wenn es derzeit noch keine Anhaltspunkte gibt, dass das Virus unseren Landkreis erreicht hat“, beschwichtigt Landrätin Tanja Schweiger. Man könne aber die massive Verbreitung der Tierseuche eindämmen. Viele Maßnahmen seien von der Politik beschlossen worden. Die Wichtigste ist die Reduzierung der Wildschweinbestände. Zur Vorbeugung gegen die Tierseuche fordert der Bauernverband den Abschuss von 70 Prozent der Population. Dafür darf man jetzt das ganze Jahr über Jagd auf Wildschweine machen, die Schonzeit wurde aufgehoben. Pro erlegtes Tier gibt es 20 Euro. Wichtig: Zudem darf beim Abschuss der Wildschweinkadaver und sein Aufbruch (die Innereien) nicht mehr offen in der Prärie liegen gelassen werden.

Sammelstellen für Wildschweinkadaver

An dieser Stelle kommt das bundesweite Vorzeigeprojekt des Landkreises Regensburg ins Spiel. Um eine Ausbreitung bzw. eine unkontrollierte Krankheitsverbreitung durch Verschleppung der ASP zu mindern, werden dezentrale Sammelstellen für Wildscheinkadaver und deren Aufbrüche eingerichtet. Dabei handelt es sich um Abfalltonnen von bis zu 240 Litern, deren Kosten von bis zu 60 Euro der Landkreis übernimmt. Die gefüllte Tonne wird dann vom Zweckverband für Tierkörperbeseitigung abgeholt, ohne dass den Jägern Kosten entstehen. Tanja Schweiger hofft, dass von den derzeit 290 Revieren, die es im Landkreis gibt, 100 bis 150 mitmachen werden. „Revierinhaber, die keine Sammelstelle einrichten wollen, sollten den Aufbruch an Ort und Stelle vergraben – 30 bis 50 Zentimeter tief – und mit Lösch-kalk bedecken“, erklärt die Landrätin. Wenn der Ernstfall – sprich: der Seuchenfall – eintritt, müssen die Wildschweinkadaver und deren Aufbrüche an einem zentralen Ort gesammelt werden. Auch hier hat der Landkreis Vorkehrung getroffen. Diese besteht aus einem gebrauchten Kühlanhänger, der rasch als mobile Aufnahmestelle von Tierkadavern und deren Aufbrüche eingesetzt werden kann.

Hintergrund

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine fieberhafte, hoch ansteckende Virus-Erkrankung der Schweine (Haus- und Wildschweine) mit seuchenhaftem Verlauf und hoher Sterblichkeit. Sie ist daher anzeigepflichtig. Das Virus ist für Schweine hoch ansteckend, leicht übertragbar (z.B. auch durch Hunde und Katzen) und sehr langlebig. Für den Menschen und andere Haustierarten ist die ASP nicht gefährlich. Selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt kein gesundheitliches Risiko.

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