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Blizz Leserreporter, Regensburg & Landkreis, Soziales

Blizz Leserreporter Sozialer Abstieg - Alleinerziehend

Foto: Manuela Kreß

Die Meinung über Alleinerziehende ist so vielfältig wie ein Strauß Blumen

Man hört vereinzelt, dass man Respekt hat vor diesen Menschen. Aber die Mehrheit hat leider ein anderes Bild davon. Ich höre oft, dass Alleinerziehende asozial sind, da viele über Hartz IV aufstocken müssen. Dass diese Frauen ja selber schuld seien, weil sie alleine durchs Leben ziehen. Solchen Kritikern möchte ich gerne sagen: “Ja klar, man weiß vorher schon, dass der Mensch in den man sich verliebt, ein Lügner, Blender, Schläger, Alkoholiker oder Fremdgeher ist. Oder?” Nein, natürlich nicht! Das geht leider vielen so in der heutigen Zeit, dramatisch ist es nur, wenn Kinder im Spiel sind.

Wie jeder andere versucht man dennoch sein Möglichstes, um an der kleinen Familie festzuhalten, und akzeptiert einiges, damit die Kinder eine “heile Welt” mit beiden Elternteilen bekommen. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, da man einsieht, dass es keine Familie gibt. Dann muss man an sich und sein Kind denken und gehen. So wird man Alleinerziehende.

Für die meisten ist es ein unerträgliches Gefühl, vom Staat abhängig zu sein und teilweise auch etwas entmündigt zu werden, da Teilzeitarbeit zum Leben nicht reicht und Vollzeit mit den Betreuungszeiten und -kosten nicht vereinbar ist. Ach ja, und um das Kind soll man sich auch kümmern und möchte das auch, später bei den Hausaufgaben und beim Lernen helfen, dafür muss auch noch Zeit her. Und aus diesen Gründen muss durch Harz IV aufgestockt werden und somit sitzt man auf dem sozialen Abstellgleis.

Sie bekommen keinen Kredit, obwohl Ihr Basisscore und Ihre Schufa hervorragend sind. Sie benötigen ein Auto, um in die Arbeit zu kommen, zum Arzt zu fahren oder das Kind zu holen, aber leider keinen Kredit, um sich ein gebrauchtes günstiges zu kaufen. Zeit ist ein großer Faktor, Sie wollen Zeit für ihr Kind haben, aber leider bleibt da nicht viel, denn zusätzlich muss noch der Haushalt gemacht werden, soziale Verpflichtungen hat man auch. Nur Zeit für sich selbst, die haben Sie nicht. Es sei denn, Sie haben Familie, die Sie unterstützt, aber das hat leider nicht jeder. Das andere Elternteil möchte sich nicht beteiligen an der Erziehung und interessiert sich nicht einmal für das eigene Kind, was zusätzlich für schlechte Energie sorgt. Und gerade für diese Frauen gibt es kaum Anlaufpunkte, wo sie Hilfe bekommen.

Nein, beim Jugendamt gibt es Hilfe nur bedingt. Sicher, es gibt Alleinerziehenden-Treffs, bei denen kann man sich zumindest austauschen kann. Eine Institution mit Namen “Help” organisiert zum Glück einige Veranstaltungen im Jahr. Auch das Bistum Regensburg, Abteilung Alleinerziehende, veranstaltet einige Seminare übers Jahr gesehen mit 1–3 Übernachtungen bis hin zu einer Woche inklusive Kinderbetreuung, sodass man mal Luft holen und Energie tanken kann, ein GROßES LIEBES Dankeschön an dieser Stelle dafür! Ich weiß nicht, wie es mir gehen würde ohne diese Anlaufstelle, da habe ich sehr viele liebenswerte Mütter kennen und schätzen gelernt und vor allem die Organisatorinnen.

Schlimmer wird es, wenn die Kinder in den Kindergarten bzw. in die Schule kommen. Denn dann verstehen sie mehr und fragen nach. Sie möchten auch das haben, was andere besitzen, oder an Ausflügen teilnehmen, doch leider ist es nicht möglich, da kein Geld dafür vorhanden ist. Zwar gibt es Zuschüsse, aber diese sind klein und begrenzt. Es gibt viel zu viele Kinder, die nicht ausreichend zu essen haben, geschweige denn Klamotten oder Spielsachen, und diese Kinder verstehen nicht, warum bei anderen alles da ist und bei ihnen nicht.

Was macht unser Staat für diese Menschen? – Wenig bis nichts. Es fängt bei einer Wohnung an. Es gibt keine, da der soziale Wohnungsbau in Regensburg zum Erliegen gekommen ist, was Neubauten angeht. Man lässt sich auf eine Warteliste setzen, bis man wieder gelöscht wird. Dann geht das Spiel von vorne los. Ich kenne Leute, die seit Jahren auf den Listen stehen und immer noch keine Wohnung haben. Seit Jahrzehnten heißt es: “Wir brauchen Kinder!” Aber wenn sie da sind, kümmert sich kaum jemand um sie. Es gibt leider nicht überall die perfekte Familie. Leider geht die Zahl der Alleinerziehenden nach oben. Liegt es an der Wegwerfgesellschaft? Ich denke, ja.

Die Mütter, die ich Kennenlernen durfte und nach wie vor kennen lerne, sind sehr starke Persönlichkeiten. Sie meistern ihr Leben und das ihrer Kinder in alleiniger Verantwortung. Kämpfen jeden Tag aufs Neue. Obwohl ihnen am Ende des Tages die Kraft fehlt, schaffen sie es, sich um alles zu kümmern, ihre eigenen Gefühle wegzupacken und ihrem Kind eine normale, schöne Kindheit zu bieten. Sie kämpfen für ein Stück Normalität und oft gegen Vorurteile.

Zeit für sich selbst und den eigenen Kummer gibt es kaum, was für die Psyche oft nicht gut ist, wie man sich denken kann. Vor allem, wenn man bedenkt, dass jeder ein Leben mit Arbeit, Spaß, Urlaub und Hobbys sowie Freunden hatte. Wegen einer Fehlentscheidung oder der bewussten Entscheidung für das Kind ist auf einmal alles anders. Auf einmal sind sie ein Sozialfall. Kein Leben mehr, wie sie es kannten und mochten. Denn es heißt nun: alles alleine regeln mit Kind, die Verantwortung allein für ein Kind zu tragen und immer zu schauen, wie man monatlich über die Runden kommt.

Meinen Respekt an alle Alleinerziehenden.

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