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Blaulicht & Verkehr, Regensburg & Landkreis

Stadtrat entscheidet am Dienstag über die Einführung von „Trixi-Spiegeln“ Mehr Sicherheit für Radfahrer

CSB-Stadtrat Christian Janele: „Trixi-Spiegel können eine wirksame und oft lebensrettende Maßnahme sein.“ FOTO: Janele

Regensburg – Genug ist genug! Schon ein(e) Tote(r) ist eine(r) zuviel! Nur gibt es das Duell „Lastwagen vs. Fahrrad“ leider viel zu häufig. Auch in Regensburg gab es erst wieder einen tragischen Unfall. Abhilfe schaffen könnte ein kleines Utensil: der „Trixi-Spiegel“. CSB-Politiker Christian Janele macht sich seit langem stark für seinen Einsatz. Am kommenden Dienstag will der Stadtrat darüber beraten.

Von Mario Hahn

Das Leid der Hinterbliebenen muss unermesslich sein. Einige kamen sogar aus Italien angereist, um von der Verunglückten am Ort der Tragödie Abschied zu nehmen. Das war vor einer Woche, der Unfall selbst geschah Mitte März.
Damals übersah ein Lastwagenfahrer im Stadtgebiet beim Rechtsabbiegen eine Radfahrerin. Die 53-Jährige wurde vom Lkw erfasst, 50 Meter auf dem Asphalt mitgeschleift – und erlag vor Ort ihren Verletzungen.
Seit kurzem mahnt in unmittelbarer Nähe des Unglücksortes ein weißes Fahrrad. Dieses „Ghostbike“, aufgestellt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), soll an die Tragödie an der Kreuzung Furtmayr-Straße/Herrmann-Geib-Straße erinnern.

“Toter Winkel” als Gefahr für Radfahrer

Laut Statistik sterben bundesweit jedes Jahr 30 bis 40 Radfahrer, weil sie in den „toten Winkel“ geraten. Regensburg verzeichnet in den letzten knapp zwei Jahren vier Personen, die auf diese Weise ums Leben gekommen sind.
Die Situation stark zum Positiven verändern würden zusätzliche Spiegel am Lkw. Sie sind aber (noch) nicht Pflicht. Ein neues EU-Gesetz schreibt vor, dass jeder Lastwagen und jeder Bus bis 2024 einen Abbiegeassistenten haben muss, der Fußgänger und Radler im toten Winkel erkennt.

Bis es soweit ist, wird es noch weitere Opfer geben. Das darf aber nicht sein! Deshalb gehen einige Städte einen anderen Weg: Sie montieren „Trixi-Spiegel“ an gefährlichen Kreuzungen, die die Sicherheit von Radfahrern erhöhen sollen.
Durch den nach außen gewölbten Spiegel direkt neben der Ampel wird der tote Winkel sichtbar gemacht. Die Spiegel machen das Sichtfeld weit. Lkw- und Busfahrer können vor dem Abbiegen sehen, wer neben ihnen geht oder fährt. Benannt sind die Spiegel nach Beatrix, der Tochter des Erfinders Ulrich Willburger, die 1994 als Radfahrerin einen Abbiege-Unfall schwer verletzt überlebt hat.

Stadtrat für „Trixi-Spiegel“

Christian Janele macht sich schon lange stark für die Einführung der „Trixi-Spiegel“. Der Vorsitzende und Stadtrat der Wählergruppe Christlich Soziale Bürger (CSB) hat sich deshalb an die Stadtverwaltung gewandt, die den Vorschlag aktuell prüft. Janele ist sich sicher: „Trixi-Spiegel‘ würden in erster Linie die Sicherheit der schwächsten Teilnehmer im Straßenverkehr erheblich erhöhen.“

Andere Städte hätten mit solchen Vorrichtungen bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. So sei nach Anbringung von 180 „Trixi-Spiegeln“ in Freiburg laut Stadtverwaltung die Zahl der Unfälle erheblich zurückgegangen, weshalb sie nun auch in München installiert werden sollen. Der CSB-Stadtrat: „Radfahrer und Fußgänger werden mit diesen Vorrichtungen für nach rechts abbiegende Lkw-Fahrer überhaupt erst sichtbar.“


Christian Janele im BLIZZ-Interview

Bei diesen Vorrichtungen handelt es sich um Konvexspiegel, die im Bereich von unübersichtlichen Knotenpunkten angebracht werden. Das würde in erster Linie die Sicherheit der schwächsten Teilnehmer im Straßenverkehr erheblich erhöhen
FOTO: Janele

Blizz: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in diese Stadtratssitzung?

Christian Janele: Ich hoffe, im Interesse und für die Sicherheit der Radfahrer, dass der Spiegel nicht abgelehnt wird allein aufgrund der Parteipolitik. Jeder Unfall, der dadurch vermieden werden kann, ist positiv. Die Verwaltung prüft derzeit den Antrag und morgen habe ich noch einen Termin mit dem Amtsleiter (Das Ergebnis war bei Redaktionsschluss leider nicht bekannt. Anm.d.Red.). Wir setzen ganz stark auf eine fahrradfreundliche Stadt mit sicheren Fahrradwegen.

Wie viele „Trixi-Spiegel“ würde es brauchen und wo würden Sie diese installieren lassen?
Freiburg hat circa 180 Trixi- Spiegel aufgestellt. Es sollten möglichst an allen Kreuzungen und stark befahrenen Straßen mit Knotenpunkten solche Spiegel angebracht werden.

Wie hoch wären die Kosten?
Ein Spiegel kostet circa 100 Euro. An den Kosten darf das nicht scheitern.

Zu guter Letzt: Warum fordern Sie nochmals so vehement die Anschaffung von „Trixi-Spiegeln“?
Weil dieser kleine Spiegel für Fußgänger und Radfahrer lebensrettend sein kann. Und weil es in Kreuzungsbereichen, besonders auf stark befahrenen Straßen, beim Abbiegen immer wieder zwischen Lkw, Fußgängern und Radfahrern zu schweren, manchmal sogar tödlichen Unfällen kommt. Darum könnten die „Trixi-Spiegel“ eine wirksame, lebensrettende Maßnahme sein.


„Trixi-Spiegel“ – das sagen andere

Regensburg – Der Blizz hat natürlich auch Mitglieder von allen anderen Fraktionen im Regensburger Stadtrat zur möglichen Einführung der „Trixi-Spiegel“ befragt. Leider hat nicht jede Partei bis Redaktionsschluss geantwortet. Als Experten holten wir Klaus Wörle, den Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Regensburg, ins Boot. Im Folgenden finden Sie die unterschiedlichen Antworten zum Thema „Trixi-Spiegel“.

Klaus Wörle. FOTO: Blizz-Archiv

  • Klaus Wörle: „Trixi-Spiegel“ können wie andere Elemente (Blinklichter, Warntafeln, Rotfärbung der Furt) die Aufmerksamkeit der Abbieger auf Radfahrer und Fußgänger im Seitenraum lenken, sind aber wie die anderen Elemente kein Allheilmittel, schließlich ist auch so ein „Trixi-Spiegel“ in Konkurrenz mit einer Fülle anderer Elemente um die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer. „Trixi-Spiegel“ haben den Vorteil, dass sie den Seitenraum direkt einsehbar machen. Allerdings wird dieser Effekt oft nur für das erste vor der roten Ampel wartende Fahrzeug wirksam, weil nachfolgende Fahrzeugführer im dynamischen Abbiegeprozess häufig zu wenig auf solche Warnelemente achten. Angesichts der relativ niedrigen Anschaffungskosten können diese Spiegel trotzdem als Sofortmaßnahme eingesetzt werden, selbst wenn ein Sicherheitsgewinn nicht durch wissenschaftliche Studien belegt ist bzw. belegt werden kann.“

Margit Wild. FOTO: Blizz-Archiv

  • Margit Wild (SPD): „Grundsätzlich unterstütze ich jede Initiative, die zur Sicherheit der Verkehrsteilnehmer/innen beiträgt. Es gibt auch andere Städte, die mit ‚Trixi-Spiegeln‘ sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Allerdings sind mir darüber hinaus noch zwei Punkte wichtig. Erstens: der gegenseitige Respekt untereinander sowie eine defensive Fahrweise und zweitens können ‚Trixi-Spiegel‘ die Notwendigkeit von verpflichtenden technischen Lösungen nicht ersetzen. Abbiegeassistenten bei Lkw sind dabei die zentrale Forderung und hier ist Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gefragt, der eine verpflichtende Einführung bisher blockiert hat. Diese Technik rettet zuverlässig Menschenleben, bei ‚Trixi-Spiegeln‘ sind weiterhin die Verkehrsteilnehmer/innen selbst gefordert, das Angebot beim Abbiegen dann auch zu nutzen“.

Joachim Graf. FOTO: Blizz-Archiv

  • Joachim Graf (ÖDP): „Wir werden uns in der ÖDP-Fraktionssitzung am Montag beraten, aber ich denke, dass wir dem Antrag zustimmen können, auch wenn diese Einrichtung meines Erachtens nur eine mittelfristige und zwangsweise lückenhafte Lösung darstellt. Nachhaltig sind neue Ampelschaltungen, die den Abbiegeverkehr und den Geradeaus-Radverkehr mit unterschiedlichen Ampelschaltungen trennen. Dabei muss natürlich eine Reduktion der Verkehrskapazität an der jeweiligen Kreuzung in Kauf genommen werden; was gegenüber einem Menschenleben immer nachrangig sein muss. Letztlich müssen aber Sicherheitseinrichtungen an Lkw vorgeschrieben werden, was jedoch sicher noch lange dauern wird.“

Astrid Freudenstein. FOTO: Blizz-Archiv

  • Astrid Freudenstein (CSU): „Es gibt etwas Besseres als ‚Trixi-Spiegel‘, nämlich den Abbiegeassistenten – er kann Unfälle mit Radfahrern nachweislich verhindern. Städtische Busse und Lkw werden künftig mit Abbiegeassistenten ausgerüstet – das ist der Erfolg eines CSU-Antrages von Stadtrat Markus Jobst. Herr Janele kommt also etwas spät mit seinem Antrag.“
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