Telefonbetrug: Jetzt sind 50.000 Euro weg! Frau (56) fällt auf „falsche Polizisten“ rein / Betrugsmasche nimmt in der Oberpfalz stark zu

Regensburg/Neumarkt – Das Telefon klingelt. Es ist kurz nach Mitternacht. Am anderen Ende der Leitung: ein Mann, angeblich Polizist. In Wahrheit ein Betrüger. Stunden später ist eine Neumarkterin um 50.000 Euro ärmer.

Von Mario Hahn

Immer öfter versuchen Telefonbetrüger, besonders ältere Menschen mit der Masche des „falschen Polizeibeamten“ um ihr Erspartes zu bringen. Sie gaukeln oft vor, dass Geld und Wertsachen weder zu Hause noch auf der Bank sicher seien. In unserem Fall mit der Geschädigten aus dem Landkreis Neumarkt verhielt es sich genauso. Auf den ersten Anruf folgten weitere, die teilweise auch von anderen „Beamten“ kamen. Die 56-Jährige wurde massiv unter Druck gesetzt.
Die Telefonbetrüger sind dabei oft kreativ. Dieses Mal wäre bei einer Festnahme eine Liste mit Namen gefunden worden, auf der auch die Geschädigte verzeichnet sei. Man müsse ihren Bargeldbestand auf Echtheit überprüfen und auch Bankmitarbeiter seien in kriminelle Handlungen involviert.
Die Frau fiel auf den Schwindel herein. Nur Stunden später begab sie sich zu ihrer Hausbank, hob 50.000 Euro ab und übergab sie um 14 Uhr einem Unbekannten vor ihrer Haustür. Das geschah am Montag.
Am Freitag schlug die Callcenter-Mafia bei einer Seniorin aus Regensburg zu. Die 87-Jährige wurde um Schmuck und Bargeld im Wert von 30.000 Euro betrogen.

Foto: fotomek/AdobeStock

Callcenter-Betrüger sitzen oftmals im Ausland

Man fragt sich: Wie kann so etwas passieren? Die Vorgehensweise in diesem Fall, erklärt die Kriminalpolizei Regensburg, ist typisch für die Masche „Falsche Polizeibeamte“. Sie ist Teil der sogenannten Callcenter-Betrugsmaschen, bei denen die Täter oftmals aus dem Ausland – wie aus Callcentern – etliche Bürger/innen hierzulande anrufen und sie mit verschiedenen Geschichten konfrontieren. Mal geben sie sich als Enkel oder Verwandte aus, die dringend Geld für eine Notlage oder einen Kauf benötigen würden, mal stellen sie sich als Polizeibeamte vor, die vor einem bevorstehenden Einbruch warnen und „zur Sicherheit“ Wertgegenstände in Verwahrung nehmen müssten. Die Vorgehensweisen sind dabei sehr vielfältig. Allein diese beiden Maschen ereigneten sich in 2019 über 400 Mal in der Oberpfalz.
Regelmäßig werden die Opfer von den hochprofessionellen Tätern psychisch unter Druck gesetzt (Zeitdruck, Vortäuschen einer Notlage, etc.) und zur Geheimhaltung genötigt. Am Ende kommt ein Abholer und nimmt unter einer Legende die Wertgegenstände der Opfer entgegen. Zwar scheitern diese Betrugsversuche häufig beim ersten Anruf, jedoch kommt es immer wieder zu erfolgreichen Fällen, bei denen die gesamten Ersparnisse der Betrugsopfer abhandenkommen.

 

Lassen Sie sich von Telefonbetrügern nicht reinlegen!

■ Geben Sie keine Informationen zu Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen oder ihren persönlichen Daten heraus!
■ Wenn Sie einen solchen Anruf erhalten haben, beenden Sie zuerst das Gespräch. Setzen Sie sich dann bitte umgehend mit der Polizei (Notruf: 110) oder mit einer Person Ihres Vertrauens in Verbindung. Seien Sie besonders vorsichtig, wenn Zeitdruck erzeugt wird oder Geheimhaltung gefordert wird! Wählen Sie nur Ihnen bekannte und selbst recherchierte Telefonnummern.
■ Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen!!!
■ Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.
■ Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt). So können die Täter Sie gar nicht mehr ausfindig machen. Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an die Telekom.
■ Bewahren Sie Ihre Wertsachen, z. B. höhere Geldbeträge und andere Wertgegenstände, nicht zu Hause auf, sondern auf der Bank oder im Bankschließfach!

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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