Unser Wald: Klimaretter und Wirtschaftsfaktor Bundestagsabgeordneter Peter Aumer verschaffte sich einen Überblick über die aktuelle Lage in unserer Region

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Regensburg – Der Regen zuletzt war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zu sehr litten unsere Wälder unter dem Mangel an Wasser in der Vergangenheit. Die Trockenheit des Sommers war ein Festmahl für den Borkenkäfer; der größte Feind der Fichte, der häufigsten Baumart Deutschlands, vermehrte sich explosionsartig. Aktuell stirbt der Wald vor unseren Augen. Wie können wir ihn retten? Bundestagsabgeordneter Peter Aumer holte sich jetzt viel Fachwissen, das er in der anstehenden Klimadebatte in Berlin gut brauchen kann.

Von Mario Hahn

Das Waldsterben war in den 1980ern eines der wichtigsten Umweltthemen. Jetzt erleben wir eine gefährliche Neuauflage. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland warnt angesichts der Erderwärmung vor einem „Waldsterben 2.0“. Allein im letzten Jahr sind 100.000 Hektar deutscher Wald verödet.
Um sich einen Überblick über die Lage in unserer Region zu verschaffen, trafen sich nun der Präsident der Bayerischen Waldbesitzerverbände, Josef Ziegler, der 1. Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberpfalz, Josef Liegl, sowie Vertreter der regionalen Waldbesitzerverbände zu einer Waldbegehung mit Hans-Peter Fritzsche, Forstdirektor bei Thurn und Taxis Forst. Eingeladen hatte Bundestagsabgeordneter Peter Aumer (CSU).

„Das Klima wird noch einmal um 1,5 Grad wärmer“

Trockenheit, Stürme und besonders der Borkenkäfer sorgen dafür, dass der Wald langsam, aber sicher stirbt. Nach Expertenschätzungen kamen im letzten Jahr fast 100.000 Festmeter Schadholz allein im Privatwald in der Region Regensburg zusammen. Für dieses Jahr wird – nicht zuletzt wegen des heißesten Juli seit Aufzeichnung des Klimas – noch mehr Festmeter Schadholz erwartet. Peter Aumer: „100.000 Festmeter Schadholz entsprechen etwa dem jährlichen Zuwachs an Holz auf 8.400 Hektar Wald, was wiederum der Fläche der Stadt Regensburg entspricht.“
Der Wald befinde sich in einem „riesigen Umwandlungsprozess“, so Josef Ziegler, der erwartet, dass die Erwärmung von 1,5 Grad in den vergangenen Jahrzehnten weitergehen werde. „Wahrscheinlich wird es noch einmal um 1,5 Grad wärmer.“ Daher rechnet der Präsident der Bayerischen Waldbesitzerverbände mit bis zu 200 Millionen Festmeter, die in Bayerns Wäldern durch den Klimawandel absterben werden.

Mit Wald CO2 bekämpfen

Gegenmaßnahmen, um die Leistungsfähigkeit des Waldes und dessen Funktion als Klimaretter zu erhalten, müssten jetzt getroffen werden. Ziegler: „Die deutsche Forstwirtschaft mit ihren strukturreichen und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern ist heute die einzig relevante Industrie, die CO2 bindet. Doch gerade der Klimawandel stellt die Forstwirtschaft vor riesige Herausforderungen: Dürre und Stürme bedrohen die Existenzen Tausender Familien, die noch heute vom Wald leben.“ Die geringen bis fehlenden Erträge bei der Holzvermarktung führen bei Kleinwaldbesitzern zur Perspektivlosigkeit. „Wenn ein Waldbesitzer mit seinem durchschnittlich 2,6 Hektar großen Waldstück gerade mal 150 bis 250 Euro im Jahr verdient, haben Bewirtschaftung und Pflege verständlicherweise nur eine untergeordnete Priorität“, weiß Josef Liegl.
Die Riesenmenge an Schadholz biete aber auch die Chance, in großen Dimensionen im Kampf gegen CO  neu zu denken. Ziegler: „Weniger Plastik-, mehr Holzprodukte. Weniger Beton-, mehr Holzhäuser. Weniger Öl und Gas aus Russland, mehr einheimisches Holz als Energiequelle.“

Der Wald der Zukunft

Damit der Wald eine Zukunft hat, müsse zuerst alles Schadholz aus dem Wald verschwinden, um so dem Borkenkäfer die Existenzgrundlage zu entziehen. Dann könne man an die Wiederaufforstung im großen Stil denken (der Bund hat 1,5 Milliarden Euro für Sanierung, Aufforstung und Umbau der Wälder für die nächsten Jahre angekündigt). Bei der Aufforstung müsse man weg von der Monokultur – bei uns hauptsächlich die Fichte – hin zu einem Portfolio an neuen, klimatoleranten Baumarten. Hierzu erklärt Hans-Peter Fritzsche: „Aufforstung mit nichtheimischen Arten, wie Douglasie, Roteiche oder auch Atlaszeder wird notwendig sein, um auf besonders anspruchsvollen Flächen, wie Südhängen oder nährstoffarmen Böden, dem Wald auch weiterhin eine Zukunft zu geben.“

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