Vorhang zu für 125 Jahre Kulturgut? Erneute Schließung: Ist das Kinosterben nicht mehr aufzuhalten?

Teilen Sie diesen Artikel

Regensburg – Die Kinos stehen vor ihrer größten Krise seit Bestehen der Republik. Am Mittwoch ordnete die Bundesregierung die erneute Schließung aller Filmtheater an. Auch die Kinobetreiber in Regensburg kämpfen um ihre Existenz.

Von Nadja Pohr

Es ist ein harter Rückschlag für die Kinos in Deutschland. Ab Montag, 2. November, bleiben die Vorhänge in den Sälen für vier Wochen geschlossen. Wieder einmal, bereits im ersten Lockdown waren sie unter der letzten, die wieder aufmachen durften.
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater aus Berlin, macht diese Entscheidung fassungslos: „Die Kinos übernehmen eine große Verantwortung für ihre Besucher und dennoch nützt ihnen das überhaupt nichts!“ Und weil die letzten drei Monate des Jahres in der Kinobranche schon immer zu den wichtigsten Einnahmemonaten gehören, „werden wir dieses Jahr mit Verlusten von rund einer Milliarde Euro abschließen“, zieht Berg bitter Bilanz.

Was sich international abzeichnet bzw. schon vollzogen hat, blüht auch Deutschland: ein Kinosterben ohnegleichen. In den USA und England mussten bereits 650 Kinos der Kette Cineworld schließen. Blockbuster wie der neue „James Bond“ und „Batman“ wurden auf 2021 verschoben.
Auch Kinobetreiber in Regensburg kämpfen um ihre Existenz. „Wir haben viele Investitionen getätigt, um den Hygienevorschriften gerecht zu werden. Jetzt wird es schwierig für uns“, erzählt Doris Goldermann vom Regina Filmtheater. Auch Martin Haygis vom Ostentor-Kino sieht die Lage angespannt: „Wir müssen uns überlegen, wie es weitergeht. Bis jetzt sind wir noch gut davongekommen.“

Die Betreiber sind erneut auf finanzielle Hilfe durch den Staat angewiesen. „Man wird auch in Zukunft von den Finanzspritzen abhängig sein und dann wird es schwieriger, mithalten zu können“, erklärt Marius Hartung von der Filmgalerie im Leeren Beutel. Hinter den kleinen Kinos in Regensburg steht jedoch häufig eine Menge Filmliebhaber, die sie unterstützen. „Dank unserer starken Community, die uns mit Spenden geholfen hat, fürchten wir keinen zweiten Lockdown“, erzählt Florian Scheurer, Inhaber der Kinos im Andreasstadl. Es bleibt zu hoffen, dass 125 Jahre Kulturgut diese Krise überlebt.

Geburtsstunde
■ Am 1. November 1895 führten die Brüder Skladanowsky für eine Gage von 2.500 Reichsmark im Berliner Varieté Wintergarten „lebende Photographien“ vor. Es war die Geburtsstunde des Kinos in Deutschland.

Deutschlands Kultur fährt wieder runter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.